Bewertung: 4
Scott Derrickson

Exorzismus von Emily Rose, Der

Krankheit oder Besessenheit? Glaube oder Medizin?

Foto: Copyright: Sony Pictures Home Entertainment
© Sony Pictures Home Entertainment

Inhalt

Die Anwältin Erin Bruner (Laura Linney) übernimmt die Verteidigung eines Priesters (Tom Wilkinson), der bei der Studentin Emily Rose (Jennifer Carpenter) einen Exorzismus durchgeführt hat, den diese nicht überlebte. Während die Staatsanwaltschaft davon überzeugt ist, dass Emily physisch und psychisch schwer krank war und in ärztliche Behandlung gehört hätte, beharrt der Priester darauf, dass Emily von Dämonen besessen war.

Kritik

Die Grundlage dieses Films war ein Vorfall aus Deutschland, der sich im Jahre 1976 ereignete. Damals starb die 24-Jährige Anneliese Michel, die glaubte von Dämonen besessen zu sein, nach einem von zwei katholischen Pfarrern durchgeführten Exorzismus. Dieser Fall erregte große Aufmerksamkeit und führte zu heftigen Diskussionen zwischen Theologen und Wissenschaftlern.

"Der Exorzismus von Emily Rose" spielt zu einem großen Teil vor Gericht und erzählt in Rückblenden, was mit Emily geschah. Wie bei dem realen Fall der Anneliese Michel geht es in diesem Film um die Auseinandersetzung zwischen Glauben und Medizin, um die große Frage, ob Emily besessen war oder an einer medizinisch erklärbaren Krankheit litt. Zumindest sollte es in diesem Film darum gehen. Leider gleitet "Der Exorzismus von Emily Rose" jedoch allzu schnell auf die simple Horrorschiene ab. Statt die Zuschauer vor die Wahl, Glaube oder Medizin, zu stellen und verschiedene Interpretationsmöglichkeiten offen zu lassen, wird einem sehr stark die "Buhu, es gibt Dämonen"-Perspektive aufgedrängt. Plötzlich haben auch die Anwältin des Priesters und andere Menschen in dessen Umgebung übernatürliche Erlebnisse, die den Zuschauern bis ins Kleinste gezeigt werden, während die wissenschaftliche Seite so gut wie gar nicht zum Zuge kommt. Darüber hinaus werden die Vertreter der Besessenheitstheorie wesentlich sympathischer dargestellt, als die Vertreter der Medizin.

Diese deutliche Tendenz zur Besessenheitstheorie und die Vernachlässigung der wissenschaftlichen Seite raubt dem Film viel Spannung und Qualität. Es wird schnell offensichtlich, dass sich der Film regelrecht weigert, in die Tiefe zu gehen. Wir erfahren mehr über die Personen, die nach Emilys Tod auf der Bildfläche erschienen sind, als über die Personen, die an Emilys Tod unmittelbar beteiligt waren und zu Erkenntnissen beitragen könnten. Statt interessante Interpretationsmöglichkeiten zu liefern, ist "Der Exorzismus von Emily Rose" letztlich doch nur ein netter Horrorfilm ohne große Überraschungen.

Fazit

Dieser Film ist nicht schlecht, doch er ist bei weitem nicht so gut, wie er hätte sein können.

Maret Hosemann - myFanbase
20.05.2007

Diskussion zu diesem Film