Review: #13.16 Restored
Dante Torres haben wir in seinen Solo-Episoden in dieser und vergangener Staffel in einer Glaubenskrise erlebt, die für mich dann aber kürzlich abgeschlossen wurde. Umso besorgter war ich bei dieser Episode zunächst, ob wir das Thema wieder neu aufmachen, aber letztlich haben wir eine intensive Handlung bekommen, die unterstreichen sollte, wie gefestigt Torres inzwischen wieder ist.
Die Episode wird durch ein sehr langes Intro eingeleitet. Ich fand es inhaltlich direkt spannend und voller Informationen und trotzdem wirkte es für "Chicago P.D." irgendwie untypisch. Umso stärker hat dann gesessen, als sich das Ereignis ergibt, was den Fall der Woche auslöst, denn der Mord an Malik war wirklich hinterrücks und erschreckend. Es war dann auch extrem clever gemacht, weil wir als Zuschauerschaft unweigerlich im selben Boot wie Torres saßen. Zusammen wir haben wir den jugendlichen Malik kennengelernt, der zwar in dem Konferenzraum mit seinen Eltern typisch genervt und betont cool wirkt, der aber dann im Auto und spätestens bei der Zaunausbesserung bei den Webbs immer nahbarer wurde. (Im Übrigen hat mich die Autoszene sehr an Torres und Jay Halstead erinnert, nur dass Ersterer damals der verschlossene Part war.) Deswegen hat der Angriff doch geschmerzt und deswegen wollten wir alle Gerechtigkeit für ihn. Die ganze Episode wurden dann aber Hinweise gestreut, dass Malik unabhängig von dem Molotow-Cocktail eine dunkle Seite hat. Niemand ist nur schwarz oder weiß, dementsprechend habe ich das nicht für abwegig gehalten, aber wenn man ihn erlebt hat und seien es auch nur fünf Minuten gewesen, dann fühlt sich so ein Mord auf offener Straße falsch an.
Auch mit dem letztlichen Wissen, was Malik getan hat, fühlt es sich falsch an, aber es eröffnet die Perspektive darauf, dass auch Täter/Opfer keine strikten Gegensätze sein müssen. Das ist ein hochkomplexes Thema, wahrscheinlich sogar ein explosives, aber auch eines, das sich aus einer Glaubensperspektive heraus oft anders denken lässt und dementsprechend war die Folge sehr gut auf Torres zugeschnitten. Wir hatten schon eine Episode, in der Torres an seine Gefängniszeit erinnert wurde. Hier ging es aber zunächst weniger darum, wie überlebt man den Jugendknast, sondern vielmehr darum, was kann ein Mensch aushalten, vergibt er, übt er Rache und wenn Letzteres erfolgt, ist Vergebung dann immer noch möglich? Zu Vergebung könnte wohl jeder seitenweise etwas schreiben, weil das für jeden individuell anders ist. Dem einen kann man sofort vergeben, beim anderen scheint es in weiter Ferne, selbst wenn die zu vergebende Tat objektiv vielleicht sogar banal erscheinen mag. Man kann auch gläubig sein und immer schon etwas von Vergebung gepredigt bekommen haben und trotzdem ist es keine einfache Aufgabe. Und ich mag es, wenn solche komplexen Gefühlskonstrukte inhaltlich so gut aufgefangen werden, dass man merkt, dass sie kein Urteil liefern, sondern sich jeder selbst darin suchen kann.
Torres musste sich in dem komplizierten Konstrukt auch zurechtfinden, denn er hat eine Verbindung zu Malik aufgebaut und er hat später Cam Webb gesehen, der absolut verdächtig ausgesehen hat. Dann hat sich aber mehr an Hinweisen ergeben und da Iyana als Cams Schwester zuvor schon sagen durfte, dass Malik auch seine schlechten Seiten hat, da war irgendwann klar, dass etwas vorgefallen sein muss. Es war schon echt hart, wie Cam dann die Geschichte seiner Schwester mit Malik erzählt hat. So viel Gewalt an Frauen kommt nicht zur Anzeige, weil sie dem juristischen System nicht vertrauen können. Hier wohl speziell auch, weil es eine Nachbarschaft ist, die unter strenger Führung von einer Gang ist, sodass dort die Zusammenarbeit mit der Polizei auch maximal schwierig ist. Aber es ist natürlich genauso schrecklich, dass Iyana sich selbst nur zu helfen wusste, indem sie Malik getötet hat. So sehr Torres für den Jugendlichen Gerechtigkeit finden wollte, so sehr steckte er mit der Enthüllung in einem Zwiespalt. Aber natürlich, Malik hat trotz seiner schrecklichen Tat diesen Tod nicht verdient und so wollte Torres dann für Malik und Iyana/Cam gleichermaßen da sein. Und da kommt dann noch hinzu, dass Torres ja auch beides schon war. Er steckte mit seiner Mutter mit einem gewalttätigen Stiefvater fest und er wusste sich irgendwann nicht mehr zu helfen, sodass es zu einer Gewalttat kam. Torres war Iyana und deswegen war es ihm ein wichtiges Anliegen, für sie den ganzen Prozess der Verhaftung so human wie möglich zu gestalten. Iyana wird in ihrer Zeit im Gefängnis nicht nur auf Torres treffen, sondern auch auf andere Typen Mensch, dementsprechend war es ungeheuer berührend, wie viel Schrecken er ihr schon abgenommen hat.
Der Glauben von Torres hat eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Auch wenn Malik offensiv den Schutzpatron im Wagen angesprochen und Torres als Jesus-Lover verunglimpft hat, so ist er nicht mit der Religions-Keule durch die Gegend gelaufen. Aber es war alles dem Thema Wiedergutmachung unterworfen. Torres hat für sich schon zweimal im großen Ausmaß Wiedergutmachung gesucht und sie auch gefunden und das will er nun auch anderen weitergeben. Deswegen sein Interesse für das juristische Programm. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass es hilft, von jemandem Rat anzunehmen, der schon einmal denselben Lebensweg wie man selbst gehen musste. Also wird Torres dort auch was rüberbringen und deswegen haben wir wohl auch eine Seite von Malik noch zu sehen bekommen, die dieser Episode eine Extraportion Tragik gibt. Wäre da nicht der Moment gewesen, wo Malik vorschlägt, den gesamten Zaun der Webbs auszubessern, die Folge hätte emotional so nicht funktioniert. Denn das war Maliks Menschlichkeit, es war vielleicht auch seine Bitte um Wiedergutmachung, ohne selbst religiös daran zu glauben. Und genau deswegen findet die Episode auch das perfekte Ende, weil Torres, der den Zaun letztlich komplett repariert, einen Kreis schließt. Er hat verstanden, was Malik tun wollte und vollendet es für ihn. Gleichzeitig hat er sich als Iyanas Gesprächspartner angeboten und wird auch ihr zur Wiedergutmachung helfen wollen. Torres ist einfach ein Herz von Mensch und solche Episoden funktionieren auch nur mit ihm so gut.
Fazit
Zu solchen Episoden eine Review zu schreiben, ist immer herausfordernd, weil sie inhaltlich so viel unterschiedliches über die Breite der Zuschauerpersönlichkeiten hinweg auslösen können. In mir wurde aber viel bewegt und ich habe sehr viel über die inhaltlichen Botschaften nachgedacht. Ich mochte die ganzen Verstrickungen, ich mochte die Emotionalität und ich mochte Dante Torres im Kern des Geschehens.
Lena Donth – myFanbase
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Informationen zur Episode
Englischer Titel: RestoredErstausstrahlung (US): 01.04.2026
Erstausstrahlung (DE): kein Termin
Regie: Milena Govich
Drehbuch: William Angelico & Matthew Browne
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