Sex Education - Review Staffel 2

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Zur ersten Staffel von "Sex Education" habe ich ein Resümee in Form eines Apropos-Beitrags gezogen, in dem üblicherweise in unserer redaktionsinternen Abstimmung die positiven Aspekte einer Serie hervorgehoben werden sollen. Aber im Grunde habe ich euch damit auch nichts verheimlicht, denn die Debütstaffel der Serie war einfach sehr, sehr gut. Vielleicht hätte man sich an Kleinigkeiten aufhängen können, aber die zentralen Aspekte des guten Storytellings waren allesamt da. Dadurch war nun auch die Vorfreude auf die zweite Staffel riesig groß. Aber zweite Staffeln sind auch immer diejenigen, die darüber entscheiden, ob es sich um eine Eintagsfliege oder um einen dauerhaften Erfolg handelt. Von daher, was ist "Sex Education" nun?

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Ich will niemanden lange auf die Folter spannen, "Sex Education" ist einfach ein wahrer Hit. Ich habe die acht Episoden wie in einem Rausch durchgesehen, da man sofort wieder mitten im Geschehen war, weil die Figuren erneut tiefsinnig beleuchtet wurden, weil sich sensible Themen mit Absurditäten erneut die Hand gaben und weil niemals, wirklich niemals Langeweile aufkommen wollte. Clever war es sicherlich auch, eine lange Sequenz von Masturbationsszenen von Otis (Asa Butterfield) gleich an den Anfang zu setzen, denn so hat man eine Szene zum Diskutieren geboten, die bessere Werbung nicht hätte sein können. Ich kann aber alle Zuschauer beruhigen, dieses Ausmaß an expliziter Darstellung wird hinterher auf das Maß zurückgefahren, das man aus Staffel 1 kennt.

Foto: Chinenye Ezeudu, Sex Education - Copyright: Netflix
Chinenye Ezeudu, Sex Education
© Netflix

Zweite Staffeln setzen oft auf neuen Wind, so auch "Sex Education", das gleich mehrere neue Gesichter aufbietet. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich diese wahrscheinlich gar nicht gebraucht hätte und man merkt auch, dass sie in der Hierarchie zurückstehen, weil sie keine individuellen Handlungen bekommen, sondern eher Mittel zum Zweck sind. Joe Robinson ist als Isaac zu sehen und wird der neue Nachbar von Maeve (Emma Mackey). Er ist ihr Anknüpfungspunkt, als ihre Mutter unerwartet zurückkehrt und sie emotionale Unterstützung braucht. Trotzdem hatte ich von Anfang an ein komisches Gefühl bei ihm, was sich dann leider am Ende auch bestätigt. Auch Sami Outalbali als Rahim ist Mittel zu Zweck, in diesem Fall für Eric (Ncuti Gatwa), der sich seinen Gefühlen für Adam (Connor Swindells) stellen soll. Auch hinter die Fassade des gebürtigen Franzosen wird kaum geblickt, er wird eher durch einen starrenden Blick und eine wertvolle Lektion in Sachen Douching vor dem analen Geschlechtsverkehr in Erinnerung bleiben. Einzig Chinenye Ezeudu als Viv hat mir richtig Freude bereitet, denn ihre spezielle Beziehung zu ihrem Nachhilfeschüler Jackson (Kedar Williams-Stirling) war wirklich amüsant, aber auch ergreifend mitanzusehen. Die beiden sind eine ungewöhnliche Paarung, aber dafür eine, die sich definitiv lohnt.

Foto: Aimee Lou Wood & Emma Mackey, Sex Education - Copyright: Sam Taylor
Aimee Lou Wood & Emma Mackey, Sex Education
© Sam Taylor

Ansonsten fokussiert sich die Serie stark auf die bekannten Figuren und hier ist es weiterhin ein Geschenk, dass auch die Charaktere, die hinter Otis, Eric und Maeve zurückstehen müssen, wichtige Handlungen bekommen. So sei hier noch einmal Jackson aufgegriffen, der unter dem Erwartungsdruck seiner Mutter leidet und sich selbst verletzt, um sich einfach mal wieder frei zu fühlen. Die daraus entstehende Freundschaft zu Viv oder auch am Ende sein Gespräch mit der Mutter, die nicht seine biologische ist, waren tolle Momente. Auch Aimee (Aimee Lou Wood) bekommt vollkommen unerwartet eine wichtige Handlung, die einen hohen Dramafaktor bereithält, die aber trotzdem so auf den Charakter von ihr geschrieben wurde, dass man eben doch auch schmunzeln muss. Sie tut es zunächst als unwichtig ab, als ein Mann im Bus auf sie ejakuliert, um dann doch ein Trauma davonzutragen. Wenn sich dann hinterher schwertut im Umgang mit ihrem Freund, dann ist das traurig und nachvollziehbar, in ihrer Gestik und Mimik aber auch stets mit einem Augenzwinkern zu betrachten.

Foto: Asa Butterfield & Ncuti Gatwa, Sex Education - Copyright: Sam Taylor
Asa Butterfield & Ncuti Gatwa, Sex Education
© Sam Taylor

Aber auch bei den Hauptcharakteren geht es interessant weiter. Für mich bleibt die Freundschaft zwischen Eric und Otis das Herzstück der Serie, denn die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, aber ihre Verbindung ist so herzerwärmend echt, dass ich wirklich jeden einzelnen Moment der beiden sehr genieße. Auch die Beziehung von Otis zu seiner Mutter Jean (Gillian Anderson) ist von erneuten Auf und Abs geprägt, wobei die Abs mehr als verständlich sind, wenn man bedenkt, dass sie nach einem Ausbruch von Chlamydien als Sextherapeutin an seine Schule kommt. Gerade gegen Ende der Staffel zeigt sich aber auch, dass einige Probleme tiefer liegen und spätestens, wenn Otis sich über einiges klar wird, wird es auch an dieser Stelle sehr einnehmend. Bei Maeve muss man dagegen sagen, dass sie doch arg isoliert ist über die Staffel hinweg. Ihre Auseinandersetzung mit ihrer Mutter läuft natürlich abseits des schulischen Alltags ab, aber ich hätte mir gewünscht, dass sie auch hier mehr Unterstützung erhält, so wie sie eben auch für ihre Freunde da ist, siehe in Aimees Situation.

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Etwas schade ist definitiv auch, dass die Sexklinik als Thematik im Vergleich zur ersten Staffel deutlich abnimmt. Otis will erst nicht so richtig, weil Maeve noch der Schule verwiesen ist und hinterher kommen sie nicht mehr richtig zum Zug, weil da schon Jean in neuer Funktion in der Schule zugegen ist und Otis will sein Geheimnis verborgen wissen. Zwar ersetzt Jean im Grunde die Sexklinik, da man mit ihr über dieselben Themen sprechen kann, aber sie hat natürlich durch ihr Alter und ihre Erfahrung einen anderen Blickpunkt auf die Dinge, der nicht so viel Humor geboten hat, wie ich es noch aus der ersten Staffel kannte. Aber auch ohne dieses Thema gibt es zuhauf Gelegenheiten sich zu amüsieren, denn in allen Handlungen werden Situationen erzeugt, die von absurd bis hin zu eindeutig zweideutig reichen. Auch überraschende Wendungen prägen das Geschehen, weil es neue ungewöhnliche Paarungen oder Entwicklungen gibt. Wenn Serien mit vielen klischeehaften Aspekten nicht vorhersehbar sind, dann wurde alles richtig gemacht.

Fazit

"Sex Education" bietet erneut eine wunderbare Unterhaltung an, die höchstens im Vergleich zu Staffel 1 kleinere Mängel offenbart. Für sich gesehen hält sie aber Zutaten bereit, die man schon zuvor lieben gelernt hat: Humor, Emotionalität, Überraschungen, Dramatik und schonungslose Ehrlichkeit. Hier darf die dritte Staffel lieber heute als morgen rauskommen.

Lena Donth myFanbase

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