Roswell, New Mexico - Review des Piloten

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Die nächste Neuauflage eines bereits existierenden Formats hat sich in Form von "Roswell, New Mexico" auf den Weg gemacht und während andere Formate über einen langen Zeitraum erfolgreich waren, kann die Originalserie "Roswell" nur auf drei Staffeln zurück blicken. Doch Fans gab es genug und die Neuauflage hat sich nicht nur daran gemacht, die alten Fans zu reaktivieren sondern auch eine eigene modern Geschichte zu erzählen und so die Gunst von neuen Zuschauern zu erreichen.

Foto: Jeanine Mason, Roswell, New Mexico - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Jeanine Mason, Roswell, New Mexico
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Fangen wir erst mal aus der Sicht eines jugendlichen Fans der Serie "Roswell" an. Ich war natürlich neugierig, so wie man es immer ist, wenn Erinnerungen an eine einst geliebte Serie zurück kommen. Nach ein paar Minuten wurden aus Neugier und frohen Erwartungen allerdings Vorbehalte, die sich bis zum Ende des ersten Drittels der Episode soweit steigerten, dass ich geneigt war abzuschalten. Die Namen wurden übernommen, aber die Gesichter passten nicht. Das ist logisch und nicht so schlimm, wenn man nicht auf die Idee gekommen wäre, quasi entscheidende Szenen aus dem Piloten von "Roswell" regelrecht nachzustellen. Das hatte keinen Nostalgie-Effekt, sondern wirkte wie schlechtes Nachmachen. So ähnlich muss es sich anfühlen, wenn skandinavische Formate von den Amerikanern einfach noch mal selbst gemacht werden und man das Original liebte. Ich war also etwas entsetzt und ärgerte mich schon über die Ausgabe für diese Episode. Niemals würde ich in den Staffelpass investieren.

Allein schon aus redaktionellen Gründen, aber auch aus der prinzipiellen Tatsache heraus, dass ich einer Auftaktepisode immer komplett eine Chance gebe, habe ich weiter geschaut und bin durch die inzwischen niedrigen Erwartungen doch noch positiv überrascht worden. Als die Charaktere mehr Tiefe bekamen und deutlich wurde, welche grundsätzlichen Unterschiede zwischen "Roswell" und "Roswell, New Mexico" bestehen werden, konnte man sich besser darauf einlassen. So hat Liz eine Schwester, die bei einem Autounfall gestorben ist, drei weitere Menschen mitgerissen hat und wegen Drogen Schuld daran haben soll. (Das dies nicht die ganze Wahrheit ist, erfährt man am Ende der Episode). Außerdem ist die Familie von Liz mexikanischer Abstammung und illegal im Lande, was unter der momentanen amerikanischen Regierung ein sehr interessanter Aspekt ist, auf den wohl auch Bezug genommen wird (Stichwort Mauerbau). Dass die Charaktere allesamt keine Jugendlichen mehr, sondern um die dreißig Jahre alt sind, macht es als alter Fan auch etwas einfacher mit der Identifikation (ob das für das The-CW-Publikum sonst auch gilt, steht auf einem anderen Blatt). Ansonsten sind die Charakterverhältnisse ähnlich. Max ist Polizist und schon immer in Liz verliebt gewesen, weshalb er sie rettet und damit das Risiko eingeht, seine Alien-Identität zu verraten, was schließlich auch eintritt. Isobel (verheiratet, aber geheimnistuerisch) und Michael sind nicht überzeugt. Michael ist auch hier der Rebell, der im Waisenhaus aufwuchs, hoch intelligent ist, aus seinem Leben aber nichts macht. Alex ist verletzt aus dem Krieg zurück gekehrt und entpuppt sich als Boyfriend-Material für Michael, was auch eine spannende, moderne Variante darstellt, die Lust macht, weiter verfolgt zu werden. Auch die anderen Charaktere bekommen einen kurzen Auftritt, haben aber noch Potenzial. Gut, Sheriff Valenti ist schon tot, aber Kyle ist in die Fußstapfen getreten. Und Maria ist als gute Freundin noch da, ist nur etwas beleidigt, weil Liz sich zehn Jahre lang nicht in Roswell blicken ließ.

Es gibt also viele Parallelen aber auch genügend Unterschiede, die neugierig machen, insbesondere durch die moderne Interpretation. Der größte Pluspunkt im zweiten Teil der Episode - einer, der mein Zwischenfazit zum Kippen bringt - ist aber tatsächlich die Chemie zwischen Max und Liz. Die Szene, als er ihr offenbart, ein Außerirdischer zu sein, hatte wirklich emotionalen Tiefgang und Mimik und Gestik wussten die Emotionen auf den Zuschauer zu übertragen. Und so ist man am Ende der Episode doch nicht mehr so abgeneigt und würde weiter schauen. Ehrlich gesagt aber nicht für 30 Staffelpass bei nur 13 Episoden.

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Fazit

Der offensichtliche Bezug zur Originalserie "Roswell" wäre gar nicht notwendig gewesen. Vielmehr wirkte es plump und ärgerlich, dass hier Szenen eins zu eins nachgestellt wurden. Dabei sind die Unterschiede zum Original das, was "Roswell, New Mexico" interessant macht. Wem das Grundsetting zusagt, der wird genügend Gründe für die Serie finden und neugierig weiter schauen, zumindest wenn es die Möglichkeit gibt, dies ohne zusätzliche Kosten zu tun.

Emil Groth - myFanbase

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