Anne with an E - Review Staffel 2

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Ich muss zugeben, ich fühle mich denkbar ungeeignet eine Review zur Serie "Anne with an E" zu schreiben. Ich kenne weder die Buchvorlage "Anne auf Green Gables" noch irgendeine andere Verfilmung des Stoffs von Lucy Maud Montgomery. Deshalb kann ich nicht einschätzen, inwiefern die Handlung der CBC/Netflix-Serie nah an die Romanvorlage angelehnt ist oder nicht.

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Anne with an E
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Nachdem ich die zweite Staffel von "Anne with an E" nun gesehen habe, muss ich aber irgendwas dazu schreiben, denn eine solch schöne und auch relevante Serie verdient es, näher betrachtet zu werden. Die junge Anne Shirley (Amybeth McNulty) fegt durch die Serie wie ein Wirbelwind und hat mich schon in der allerersten Folge gepackt. In Staffel 2 nun hat sie keineswegs von ihrem Temperament verloren und sorgt nach wie vor für jede Menge Trubel, doch sie wird ein wenig erwachsener und übernimmt Verantwortung. Mir hat es sehr gut gefallen, wie aus dem kleinen vorlauten Mädchen eine Jugendliche geworden ist, die sich für andere einsetzt, egal was es für Konsequenzen hat. Dabei leidet Anne jedoch auch immer wieder unter dem Mobbing ihrer Mitschüler und auch ihres Lehrers Mr. Phillips (Stephen Tracey). Anne steckt mitten in der Pubertät und nimmt sich vieles zu Herzen. Sie sorgt sich um ihr Aussehen, ob sie eines Tages ihren Traumprinzen finden wird und schwelgt in allerlei Träumereien über die Tragödien und Romanzen des Lebens.

Abseits von dieser Grundgeschichte und den Auf und Abs, die die Cuthberts in Staffel 2 durchleben, ist mir in diesen neuen Folgen aber auch aufgefallen, wie nah am Zeitgeschehen die Serie ist. Sie spielt zwar im 19. Jahrhundert, dennoch wurden unheimlich viele Themen eingewoben, die auch heute noch relevant sind und zurzeit wieder stark diskutiert werden. Sei es die Gleichberechtigung der Frau, das Thema Homosexualität oder der Umgang mit Dunkelhäutigen.

Foto: Dalila Bela, Amybeth McNulty & Kyla Matthews, Anne with an E - Copyright: Netflix, Inc.
Dalila Bela, Amybeth McNulty & Kyla Matthews, Anne with an E
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Anne und ihre Freundinnen diskutieren immer wieder, wie ungerecht es ist, dass sie als Mädchen anders behandelt werden als Jungen. Sie benötigen männliche Begleitung, wenn sie in die nächste Stadt reisen wollen und werden nicht ernst genommen, wenn sie etwas wichtiges mitzuteilen haben. Auch das Tragen einer einfachen Hose löst bei allen Schockstarre aus, wenn dies durch eine Frau geschieht. Wie es sich als Junge anfühlt, probiert Anne eines Tages kurzerhand selbst aus und ist ganz begeistert, welche Möglichkeiten sich ihr eröffnen.

Das Thema Homosexualität, was damals ein absolutes Tabu war, wird in diese Staffel ebenfalls sehr in den Fokus gerückt. Dafür wird nicht nur die Geschichte der Josephine Barry (Deborah Grover) weitergeführt, sondern auch der Charakter des Cole (Cory Grüter-Andrew) eingeführt. Zudem wird gezeigt, welche Folgen es haben kann, wenn man seine Gefühle unterdrückt - was zu dieser Zeit gesellschaftlich leider kaum anders möglich war.

Foto: Dalmar Abuzeid, Anne with an E - Copyright: Netflix, Inc.
Dalmar Abuzeid, Anne with an E
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Mit dem Charakter Sebastian 'Bash' Lacroix (Dalmar Abuzeid) wurde zudem die erste dunkelhäutige Hauptfigur eingeführt. Gilbert Blythe (Lucas Jade Zumann) lernt ihn während seiner Arbeit auf einem Dampfschiff kennen und die beiden freunden sich so an, dass sie Gilberts Farm wieder auf Vordermann bringen wollen, um sich dort ein Leben aufzubauen. Damit kommen die Bewohner des sehr ländlichen Avonlea plötzlich in den Kontakt mit jemandem, den sie vielleicht nur aus Geschichten kannten. Misstrauen und Vorurteile bestimmen das Handeln und Bash merkt schnell, dass es für ihn schwer wird, in Avonlea ein Zuhause aufzubauen. Umso schöner, dass er nicht nur mit Gilbert, sondern auch mit den Cuthberts jemanden an seiner Seite hat, die zu ihm stehen.

Für mich der einzige Minuspunkt in dieser Staffel: Die Geschichte rund um die Goldgräberstimmung in Avonlea und der dazugehörige Betrug durch Nate (Taras Laven) und Mr. Dunlop (Shane Carty). An sich war die Idee, dass die beiden ein böses Spiel treiben und noch für viel Ärger im Ort sorgen, sicherlich nicht schlecht, und der Ausgangspunkt dieser Geschichte im Staffel-1-Finale war für mich auch einer der Gründe, warum ich Staffel 2 nicht erwarten konnte. Da man jedoch schon recht früh weiß, dass Nate und Mr. Dunlop was im Schilde führen, war für mich hier die Spannung recht schnell raus. Dafür hat sich die Geschichte dann über zu viele Episoden gezogen. Andererseits ging es mir dann auch irgendwie zu schnell, wie das Thema wieder abgehakt wurde. Natürlich beinhaltet Staffel 2 einige Zeitsprünge, die man an Annes Haaren schön ablesen kann, doch dass beispielsweise Williams Barry (Jonathan Holmes) viel Vermögen verloren hat, wird anschließend kaum noch thematisiert. Daraus hätte man viel mehr machen können, denke ich.

Fazit

Nach einem packenden Cliffhanger zum Ende der ersten Staffel konnte ich Staffel 2 kaum erwarten. Die Serie weiß es erneut, zu überzeugen, und die Geschichten rund um Anne Shirley Cuthbert ziehen einen sofort wieder in den Bann. Staffel 2 überzeugt dadurch, dass heutige Themen in die zeitgemäße Handlung des 19. Jahrhunderts verwoben werden.

Catherine Bühnsack - myFanbase

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