"Anstand und Ehre" – Ritterliche Tugenden in "A Knight of the Seven Kingdoms"
Nach der Lüftung von Eggs Geheimnis am Ende der dritten Episode erwarten die Fans von "A Knight of the Seven Kingdoms" diesmal zahlreiche emotionale aber auch charakterstarke Momente. Der Cast rund um Peter Claffey und Bertie Carvel blickt im Interview genauer auf die Schlüsselmomente dieser Episode und Sam Spruell und Daniel Ings verraten uns, wie sie ein Teil von Westeros wurden.

© Steffan Hill/HBO
Nach dem Cliffhanger der letzten Folge von "A Knight of the Seven Kingdoms" hat Dunk (Peter Claffey) in seiner Zelle genügend Zeit, über alles nachzudenken. Der Vertrauensbruch durch Egg (Dexter Sol Ansell) hat ihn hart getroffen, härter noch als das vermutlich bevorstehende Todesurteil, weil er ein Mitglied der königlichen Familie angegriffen hat. Hauptdarsteller Peter Claffey sei dankbar dafür, dass die Serie in relativ chronologischer Reihenfolge gedreht wurde und er so eine gewisse Zeit hatte, seinen jungen Co-Star Dexter Sol Ansell besser kennenzulernen. "Das hat geholfen, weil wir einander zu diesem Zeitpunkt schon so gut kannten, dass es einfacher war, verletzlich, wütend oder frustriert zu sein." Die Vertrautheit zwischen ihnen habe dabei geholfen, das Gespräch in der Gefängniszelle so glaubhaft rüberzubringen. Claffey zufolge habe aber auch die Regisseurin Sarah Adina Smith die richtigen Worte gefunden, die Emotionen hervorzulocken. "Manchmal sagte sie zu mir: 'Versuch [Dexter] jetzt mal richtig Angst einzujagen.'", erinnert er sich. Egg-Darsteller Ansell hat das jedoch gut verkraftet. "Sarah ist eine der besten Regisseurinnen, mit denen ich je zusammen gearbeitet habe. [...] Sie ist großartig."

© David Jon/Getty Images for HBO Max
Bertie Carvel, der in "A Knight of the Seven Kingdoms" die Rolle des Thronfolgers Baelor Targaryen spielt, transportiert seine nachdenkliche Seite in die Rolle. Baelor ist das ranghöchste Mitglied der Targaryens in Ashford und muss nun entscheiden, wie es mit Dunk weitergeht. Für Carvel habe es sich so angefühlt, als würde er einen Silberrücken-Gorilla spielen: "Er könnte seine Arme um dich schlingen oder dir die Arme abreißen." Das Publikum in diesem Spannungsmoment zu halten, was Baelor mit Dunk anstellen würde, habe den Reiz dieser Szene ausgemacht. "Um der Figur Tiefe zu verleihen, muss man das Publikum gewissermaßen in Atem halten und sich fragen: 'Ist er ein Guter oder ein Böser?'" Dabei habe er letztendlich nur mit sich gerungen, "was er mit diesem Idioten anfangen soll, der vor ihm steht" und wollte sich dabei auch an das Gesetz halten, als nur nach seinem Gefühl zu agieren. Als Aerion (Finn Bennett) daraufhin das Urteil der Sieben vorschlägt, um über Dunks Schicksal zu entscheiden, willigt er ein.
Externer Inhalt
An dieser Stelle ist Inhalt von einer anderen Website (z. B. YouTube, X...) eingebunden. Beim Anzeigen werden deine Daten zu der entsprechenden Website übertragen.
Das Urteil der Sieben – Ein Ritter wird geboren
Auf Dunk kommen in dieser vierten Episode der "Game of Thrones"-Serie also noch mehr emotionale Momente zu. Ein wortwörtlicher Überlebenskampf steht bevor, denn im sogenannten "Urteil der Sieben" (engl. "Trial of the Seven") bekommt nur der Sieger Recht, weil das bedeutet, dass die Götter auf seiner Seite stehen. Aus der Verzweiflung heraus, Mitstreiter zu finden, um überhaupt zu diesem Kampf antreten zu können, entwickelt sich ein weiterer emotionaler Höhepunkt dieser Episode: Dunks leidenschaftliche Rede ans Publikum zeigt nicht nur seine Tapferkeit, sondern auch, was er für einen tiefsitzenden moralischen Kompass hat. Als hätte sein Einsatz für Tanselle (Tanzyn Crawford), der ihn in diese ganze Situation gebracht hat, nicht schon gereicht, ist dieser aufrichte Appell ein Moment, der im Gedächtnis bleibt. Denn genau das macht ihn zu einem wahrhaftigen Ritter oder all dem, wofür ein Ritter stehen sollte. Zumal uns mit Steffon Fossoways (Edward Ashley) Verhalten das komplette Gegenteil vor Augen geführt wird. Für Serienmacher Ira Parker ist Dunks Rede einer der Schlüsselmomente dieser Serie. Er könne sich noch gut daran erinnern, wie sich Peter Claffey auf diese Szene vorbereitet habe und wie nervös er selbst am Set gewesen sei, verrät er im Interview. "Ich wusste, wie wichtig dieser Moment für ihn war. Er war dort ganz allein, er saß auf seinem Pferd und dies war Dunks größter Moment und das mussten wir auskosten." Es sei so eine große Erleichterung gewesen, dass er diese Szene direkt im ersten Versuch perfekt gemeistert habe. "Das hat soviel Druck – vermutlich von der ganzen Serie – genommen. In dem Moment dachte ich: 'Das könnte tatsächlich was werden!'" Und auch Claffey selbst erzählte uns, dass das der Moment sei, auf den er "besonders stolz" sei.

© Steffan Hill/HBO
Co-Star Sam Spruell aka Maekar Targaryen hat im Gespräch mit Pressevertretern verraten, dass es "die simple Moralität ist, die Dunks Charakter verkörpert", die den anderen Figuren wieder vor Augen führe, "was sie aus den Augen verloren haben." Sie werden "mit einer Moral konfrontiert [...], die sie verlassen hat." Ihm habe diese Spannung, die dadurch aufgebaut werde, sehr gefallen. Aus Sicht von Baelor-Darsteller Bertie Carvel liegen die Grundlagen bereits in der Arbeit von George R.R. Martin. "Die Welt, die [er] erschaffen hat, ist zutiefst menschlich." – "Er schreibt über echte Menschen mit Ecken und Kanten, die von Seite zu Seite voller Widersprüche sind." Für ihn sei es daher besonders spannend, wenn die Charaktere aus ihrem Schema ausbrechen.
Genau das passiert in dieser Episode. Man sollte meinen, Baelor Targaryen würde, sollte er überhaupt an dem Kampf teilnehmen, an der Seite seines Neffen Aerion stehen. Doch stattdessen stellt er sich auf Dunks Seite, was wieder sein bereits angesprochenes Rechtsempfinden widerspiegelt. Betrachtet man die Erwartungshaltung an die Targaryens, die sich als dunkle Drachenfürsten präsentieren, so zeigt auch Baelor in diesem Moment seine menschliche Seite. Carvel ergänzt: "So wie jeder, der in eine Familie hineingeboren wurde, muss man sich innerhalb dieses Gefüges einfinden. Dabei ist er eigentlich nichts davon. Er verkörpert zwar diese Werte [...], und ja, ich glaube, er hat eine gewisse Härte. Aber er hat auch Güte und Liebe. Er besitzt Anstand, Ehre, Wahrheit, Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit und ein tiefes Pflichtgefühl, Loyalität, Tapferkeit und Mut – all diese Tugenden, die ich persönlich sehr schätze."

© David Jon/Getty Images for HBO Max
Das zieht sich auch durch andere Figuren wie beispielsweise Raymun Fossoway. Darsteller Shaun Thomas erinnert sich: "Mir gefiel Raymuns Unbeschwertheit und seine Fähigkeit, für das Richtige einzustehen, wenn es nötig war. [...] Er besitzt ein hohes Maß an Menschlichkeit." Das führte uns dazu, ihn zu fragen, warum er glaubt, dass Raymun und Dunk so schnell Freunde geworden sind – so sehr, dass er sogar sein Leben für ihn geben würde.
"Ich glaube, es ist einfach die Tatsache, dass Dunk ihm Zeit schenkt und ihm zuhört, im Gegensatz zu Steffon, der Raymun ständig herabgesetzt und ihn beim Training verprügelt hat und so weiter. Als er Dunk trifft, findet er einen Freund und erkennt das Positive und Gute, das Dunk mit sich bringt. Ich glaube, er genießt es einfach aufrichtig, mit Dunk zusammen zu sein, mit ihm über die Targaryens und solche Dinge zu sprechen. Das verbindet sie die ganze Zeit. Und dann ist Raymun in einer Position, in der er seine wahre Ehre und Loyalität und so weiter unter Beweis stellen muss, was er auch tut, ohne zuviel zu verraten."
Shaun Thomas über die Freundschaft von Dunk und Raymun in "A Knight of the Seven Kingdoms"
Hinter den Kulissen: Das Casting von "A Knight of the Seven Kingdoms"

© David Jon/Getty Images for HBO Max
Im Rahmen der Premiere von "A Knight of the Seven Kingdoms" und dem Launch von HBO Max in Deutschland hatten wir die Gelegenheit den Cast auch zu ihrem Casting zu befragen. Da jede Neuigkeit um die Entstehung der "Game of Thrones"-Spin-Offs einen Medienwirbel und entsprechend große Vorfreude bei den Fans ausgelöst hat, durfte man davon ausgehen, dass die Schauspieler*innen im Rahmen des Castings zu einer gewissen Geheimhaltung verpflichtet wurden. Sam Spruell und Daniel Ings haben uns Einblicke gegeben, wie sie Teil der Welt von Westeros wurden und wem sie zuerst von ihrem Casting verraten haben. Lest hier den kompletten Dialog der beiden:
Sam Spruell: Ich habe zu der Zeit bei 35° Hitze auf Teneriffa gearbeitet, als mein Agent angerufen hat und meinte: "Du hast ein Meeting mit Ira [Parker] und er möchte, dass du eine Rolle in dieser Neuauflage von 'Game of Thrones' spielst." Ich meinte nur: "Super!" Ich saß schwitzend in diesem Wohnwagen in der Hitze, hatte den ganzen Tag vor der Kamera gestanden und habe nur versucht, mich zusammenzureißen, während wir über diese Welt gesprochen haben. Ich wusste also, um welche Rolle es geht, ich kannte die Welt und es war eigentlich ein sehr offenes Meeting. Ich denke, es herrschte eine Art Einverständnis darüber, dass Ira daran interessiert war, dass ich [diese Figur] spiele. Sowas macht es immer einfacher. Aber ich glaube, es lag auch daran, dass wir eine Art einvernehmliches Gespräch geführt haben, in dem wir uns einig darüber waren, wer dieser Charakter ist; also all die Dinge, über die ich schon gesprochen habe, dass er kein wirklich guter Vater ist, die Spannungen innerhalb der Familie zwischen ihm und seinem Bruder, die Eifersucht dort, die reduzierten Privilegien und das Akzeptieren dieser Veränderungen. Er ist einfach nicht gut darin. Es gab also viel zu diskutieren und es war ein sehr zielführendes Gespräch, das damit endete, dass er mich fragte: "Möchtest du es machen?" Und ich meinte: "Ja, ich bin dabei." Und natürlich insbesondere, als er meinte, ich müsste einen Bart tragen. Ich erwiderte: "Großartig! Ich liebe einen Bart."
Daniel Ings: [lacht] Das war's. Das war der entscheidende Punkt!
Spruell: Das war's! Und dann habe ich zuerst meinem Sohn davon erzählt und mein Sohn war absolut begeistert. Ich mache viel andere Arbeit, an der er überhaupt nicht interessiert ist, andere Rollen, andere Projekte, aber bei dieser hat er Luftsprünge gemacht. Es war also sehr schön, ihm davon zu erzählen.
Ings: Ja, ich wusste auch, dass ich für [diese Serie] vorspreche, als ich mich mit Ira getroffen habe. Ich wusste selbstverständlich über "Game of Thrones" Bescheid, aber ich hatte die Serie noch nie gesehen. Und dieser Charakter wurde als Mischung zwischen Captain Jack Sparrow und Ernest Hemingway beschrieben.
Spruell: [lacht] Oh, klar!
Ings: Und ich dachte nur: "Ich habe keine Ahnung, wie das zusammen passt." Aber eins wusste ich: "Ich bin arrogant genug, diese Rolle spielen zu wollen." Und das hat mir wirklich Kopfzerbrechen bereitet. Ich kann beide Seiten sehen, aber wie kommen sie zusammen? Aber ich wusste einfach, dass ich diesen Typ spielen will, der als "Captain Jack Sparrow trifft Ernest Hemingway" beschrieben wird. Und alles, was ich brauchte, stand im Drehbuch, glaube ich, als ich es dann gelesen hatte. Wir haben einige Szenen vom Ende der Serie gelesen und ich hatte das Gefühl, dass ich den Rhythmus des Ganzen hören konnte, den Humor und die Leichtfertigkeit. Dieser Charakter hatte etwas von einer schelmischen Unbekümmertheit, die mir besonders gut gefiel, weil sie so lebendig wirkte. Und ich glaube, die erste Person, der ich davon erzählt habe, war wahrscheinlich meine Frau.
Spruell: [lacht] Ja, ich meine, ich habe es meiner Frau und meinem Sohn natürlich zusammen erzählt.
Ings: Hast du das also?
Spruell: Ja, vielleicht war sie auch im Zimmer nebenan.
Ings: Soso.
Spruell: Und dann kam sie und meinte: "Oh, du hast es bekommen." Und ich meinte: "Ja."
Ings: Also, meine Frau und ich haben inzwischen die Original-"Game of Thrones"-Serie gesehen und sind nun beide große Fans. Und es war so wie dieser Meme von Leonardo DiCaprio in "Once Upon a Time... in Hollywood", wo er so macht [zeigt immer wieder mit dem Finger]. Es gab so viele Momente, in denen ich meinte: "Oh, das ist der Urenkel meines Charakters." – "Da kommt mein Charakter her." Da sind so viele kleine Easter Eggs. Ja, das war cool. Wir sind jetzt beide...
Spruell: Du bist engagiert!
Ings: Oh, ich bin sowas von engagiert. Ich bin komplett drin.
Sam Spruell und Daniel Ings über ihr Casting für "A Knight of the Seven Kingdoms"
Falls ihr weitere Einblicke des Casts von "A Knight of the Seven Kingdoms" in die einzelnen Folgen bekommen möchtet, schaut nächste Woche wieder vorbei, wenn wir genauer auf Episode 5 der "Game of Thrones"-Serie blicken. Bis dahin könnt ihr bereits die ersten vier Folgen exklusiv bei HBO Max streamen.
Die Serie "A Knight of the Seven Kingdoms" ansehen:
Catherine Bühnsack - myFanbase
Zur "A Knight of the Seven Kingdoms"-Interview-Übersicht
Kommentare
Meistgelesen
Aktuelle Kommentare
03.02.2026 14:55 von Daniela
News: Catherine O'Hara mit 71 Jahren verstorben
Mich hat diese Nachricht auch sehr getroffen. Ich hatte... mehr




12.02.2026 02:03 von Catherine
Episode: #2.22 Spiel mit dem Feuer (Buffy)
Hallo L, es tut mir wirklich sehr Leid, dass dich die... mehr