Bewertung: 7

Review: #1.01 McNamara / Troy

Nip/Tuck ist die erste Serie dieser Art, die ich geschaut habe. Und damit meine ich nicht Serien über Schönheitschirurgen, denn da war ich bereits von der großartigen RTL- Produktion (und Nip/Tuck-Kopie) "Beauty Queen" mit dem scharfen Carsten Spengemann und dem überaus charmanten Ex-Balko Jochen Horst von erster Minute an gebannt. *g* Aber Nip/Tuck ist eine von den Serien, die schonungslos alles zeigt - nackte Haut, Blut, brutale Gewalt. Da ich eher ein sanftes Gemüt habe (oder besser hatte), war so was früher eher nichts für mich. Na ja, man wird älter und so sind es mit der Zeit mehr Serien dieser Art geworden, da mich dieses Genre, das über den Bereich Drama doch weit hinausgeht, sehr fasziniert. Aber Nip/Tuck wird doch immer die erste solcher Serie bleiben, die mich dermaßen fesseln konnte. Die Serie jetzt nach so langer Zeit mal wieder von vorne zu sehen, freut mich sehr, nachdem Pro7 sie so schmählich behandelt hat, v.a. deshalb, weil ich mich kaum noch an die einzelnen Storys erinnern kann. Manchmal kann ein Kurzzeitgedächtnis eben auch positiv sein…

Wir haben es hier also mit Christian Troy und Sean McNamara zu tun, die beide zunächst klar verteilte Rollen haben. Christian ist der attraktive Aufreißer, der keine Skrupel besitzt und fast nur ans Geld zu denken scheint, während Sean die Rolle des Moralapostels übernimmt, der sich jedoch über die Jahre so sehr in seine Arbeit gestürzt hat, dass er seine Familie vernachlässigen musste. Wie sagt Christian selbst so schön? Er ist der Geschäftsmann und Sean hat das Talent. Aber natürlich ist alles meistens anders, als man auf den ersten Blick zu glauben mag. So lässt sich Sean doch gerne korrumpieren, wenn es für ihn darum geht, eine eigene Praxis aufzumachen, und Christian scheint auf der anderen Seite teilweise interessierter an Seans Familie und deren Wohlbefinden als er selbst.

Es ist lustig zu sehen, wie Christian seine Opfer an der Bar aufreißt. Er lässt aber auch nicht locker. Immerhin scheint die Anmache "Ich bin Schönheitschirurg" dann endlich zu ziehen. Wie furchtbar war es dann, gleichzeitig mit anzusehen, wie Sean und Julia, seine Frau, Sex haben. Einerseits traurig und andererseits extrem hoher Fremdschämfaktor. Sean macht sich beim Zuschauer (und seiner Familie) allerdings auch nicht gerade beliebt, wenn er seiner Frau, die nach zwei Stillzeiten besorgt um ihre Brüste ist, sagt: "Nach dem Gesetz der Schwerkraft sind sie genau da, wo sie in deinem Alter sein müssten." Autsch… Zu Julia kann ich allerdings auch keine großartige Beziehung aufbauen. Irgendwie nervt mich ihre Art, aber vielleicht ändert sich das noch. Piloten sind sowieso meist nicht annähernd so gut, wie die Serie dann später wird. Wenn es eine gute Serie ist…

Die Story um Kimber und Christian sollte uns wohl zeigen, was für ein böser Aufreißer und Geldhai Christian doch ist. Doch Kimber nervte mich mehr, als dass ich Mitleid für sie aufbauen konnte. Irgendwie ist es schon hart, wenn man sich ansieht, wie eine wunderschöne Frau von Kopf bis Fuß mit einem Filzstift vollgemalt wird und an die zehn Operationen empfohlen bekommt. Aber dass Kimber nach der Anmache und dem schnellen Sex wirklich vermutet hat, dass Christian mehr für sie empfindet, grenzt fast schon ans Lächerliche…

Irgendwie konnte ich mit Christian noch am meisten anfangen. Er erschien zwar recht skrupellos, aber als er erfahren hat, dass sein Patient nicht wegen Drogengeschäften auf der Flucht ist, war er doch recht geschockt. Aus den kurzen Flashbacks kann man das Übliche ziehen: Furchtbare Kindheit… Was genau dahinter steckt, ist nicht klar. Wurde er von seinem Vater sexuell missbraucht oder geschlagen. Seine Sensibilität für das Thema könnte auf ersteres schließen lassen. Aber der Rückblick endet, bevor man Genaueres erfahren kann.

Der erste Fall war doch recht schockierend. Zunächst dachte man sich nichts dabei, aber als herauskam, dass Christian dem Mann gerade einen Freifahrtschein für die weitere Ausübung seiner pädophilen Ader verpasst hat, war ich schon geschockt. Was das gezeigte Mädchen betrifft: Hat ihr denn niemand mal erzählt, dass man von Fremden keine Süßigkeiten annimmt? Als ich Perez’ neues Gesicht zum ersten Mal gesehen habe, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Ich bin eindeutig noch zu sensibel für diese Serie, genauso bei den OPs, bei denen ja immer das Faszinierende und zugleich Schockierendste ist, wie detailgetreu sie gezeigt werden. Aber das wird sich sicher bald legen, nachdem ich mehrere dieser Operationen gesehen habe. Interessant war auch, dass Perez’ Bruder erst wirklich ins Grübeln kam, als er selbst erfuhr, dass er eine Tochter erwartet. Anscheinend hat er ziemlich mit sich gerungen, immerhin wartete er bis zur Mitte der OP, bis er ihn erschoss. Allerdings auch irgendwie nervig, dass er Christian und Sean dann die Drecksarbeit überlässt…

Was mir nicht so gut gefallen hat, waren die offensichtlichen Spannungen zwischen Julia und Christian. Okay, Julia kann man vielleicht noch verstehen. Immerhin läuft das Liebesleben mit ihrem Ehemann offensichtlich miserabel. Aber Christian sollte es besser wissen, wo er doch so großen Wert auf Familie zu legen scheint. Wo wir gerade bei Familien sind: Ich finde es wirklich erstaunlich, wie ähnlich sich die beiden Fernsehgeschwister der McNamaras sehen. Das hat man wirklich selten…

Plötzlich rastet Sean aus und will eine eigene Praxis eröffnen. Kann ich nicht wirklich verstehen. Immerhin kennt er Christian doch schon länger und, wenn er es wirklich anders gewollt hätte, hätte er sich auch schon früher dagegen wehren können. Und dem "Sie leben in Miami und sprechen kein Spanisch? Da sollten Sie vielleicht mal einen Kurs belegen." kann ich nur zustimmen. Dass Christian Sean so unbedingt behalten will, finde ich interessant. Die Frage ist nur warum? Hat er Angst, dass er es allein nicht schaffen kann, oder will er ihn wirklich als Freund und Partner nicht verlieren? Aber die Tatsache, dass er sich mit Botox so foltern lässt, scheint doch eher auf letzteres zu schließen, was ich ja ganz schön fände. Die Folterszenen waren auch wieder relativ eklig, wenn auch nicht so schlimm wie die Operationen…

Wenigstens sprechen sich Julia und Sean aus. Es ist schwierig zwischen den beiden. Man kann beide Seiten verstehen. Aber besser man schreit sich an, als so aneinander vorbei zu leben, wie sie es vorher getan haben. Bin gespannt, wie es da weitergeht, nachdem Sean ja sogar ausgezogen ist. Es war auch schön mit anzusehen, wie sich Christian und Sean am Ende geeinigt haben. Die Sache mit dem Schinken und den Krokodilen war wirklich zum Schießen und Mitleid konnte man mit Perez nun wahrlich nicht haben.

Insgesamt für einen Pilot eine recht gute Folge, auch wenn ich mit kaum einem der Hauptcharaktere wirklich warm werden konnte… Deshalb 7 Punkte.

Nadine Watz - myFanbase

Diese Serie ansehen:


ÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "Nip/Tuck" über die Folge #1.01 McNamara / Troy diskutieren.