Ye Vagabonds

Ye Vagabonds in Esslingen am Neckar

Die irische Folk-Band Ye Vagabonds befindet sich für ihr neuestes Studioalbum "All Tied Together" auf Europa-Tournee und gab dabei auch ein Gastspiel im Kulturzentrum Dieselstraße in Esslingen am Neckar.

Foto: Ye Vagabonds in Esslingen am Neckar (27. Mai 2026) - Copyright: myFanbase/Catherine Bühnsack
Ye Vagabonds in Esslingen am Neckar (27. Mai 2026)
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Die irische Folk-Band Ye Vagabonds, die u.a. bei den RTÉ Radio 1 Folk Awards 2019 mit gleich drei Preisen für das beste Album, den besten traditionellen Track und die beste Folk-Gruppe ausgezeichnet wurde, befindet sich gerade auf einer Europa-Tournee und legte dabei auch einen Stop im schwäbischen Esslingen am Neckar ein. Die Brüder Diarmuid und Brían Mac Gloinn erhielten dabei u.a. Unterstützung von Alain McFadden. Im kleinen aber feinen Kulturzentrum Dieselstraße entstand dabei eine vertraute Atmosphäre zu traditionellen und vornehmlich ruhigen Klängen.

Während der Fokus auf den neuen Liedern von dem 2026 erschienen Album "All Tied Together" lag, durften natürlich auch einige Favoriten der bisherigen Alben nicht fehlen. So ging es direkt mit "On Yonder Hill" los, das auf dem preisgekrönten Album "The Hare's Lament" aus dem Jahr 2019 erschienen ist. Sogleich stehen die mehrstimmigen Harmonien der beiden Brüder im Fokus und entführen einen mit den traditionellen Klängen ihrer Gitarren und einer weiteren Auswahl an Lauteninstrumenten und Harmonikas in eine ruhigere Welt, die den Stress des Alltags sofort abfallen lässt. Auch das sich anschließende "Bacach Shíol Andaí", komplett auf irisch, lässt einen sogleich mitwippen. Es folgte eine ruhige, fast schon schüchterne Begrüßung mit einigen kurzen Erläuterungen zu den beiden gespielten Songs, die für einige Lacher sorgten und damit sofort das Eis brachen. Nun konnte es richtig losgehen und so wurde mit "On Sitric Road" und "The Flood" auch der Übergang zum neuen Album eingeläutet, das wie Brían selbst erklärte, eine Liebeserklärung an ihre jetzige Heimatstadt Dublin sei - auch wenn es eine komplizierte Beziehung sei, wie auch das weitere Konzert noch zeigen wird.

Aufgewachsen sind Brían und Diarmuid Mac Gloinn im irischen County Carlow, das südwestlich der irischen Hauptstadt liegt. Ihre Wurzeln mütterlicherseits liegen jedoch auch ganz im Norden der Grünen Insel in Tyrone und Donegal, was ihre Musik und die Art ihrer Harmonien beim Singen auch erheblich beeinflusst hat. Bei ihnen zuhause wurde Irisch gesprochen, was sich insbesondere auf dem Album "The Hare's Lament" auch wiederfindet. Als Erwachsene leben sie nun in Dublin und so unterscheidet sich ihr neuestes Werk "All Tied Together" auch stilistisch ein wenig von dem Vorgänger. Obwohl sie den traditionellen Klängen treu bleiben, setzen sie sich inhaltlich mit anderen Problemen auseinander. Ihre Songs beziehen sich auf wahre Begebenheiten, Personen und auch Probleme, die sie selbst oder ihr Umfeld in ihrem Leben gehabt haben. Sehr eindrücklich wurde dies in der zweiten Konzerthälfte durch den Song "Mayfly" (dt. Eintagsfliege), der durch eine Freundin inspiriert wurde, die während der Corona-Pandemie obdachlos wurde und mit mentalen Problemen zu kämpfen hatte. Um ihr und allen Betroffenen von psychischen Problemen oder Angehörigen und Unterstützern etwas Hoffnung zu geben, haben sie diesen Song geschrieben.

Das Thema Wohnungsnot, das auch zu der Obdachlosigkeit der besagten Freundin geführt hatte, spielt auch in dem Song "Four Walls" eine Rolle, den Ye Vagabonds kurz zuvor wiedergegeben hatten. Für sie steht das sinnbildlich für die Probleme, die die irische Regierung derzeit verschleppt. So mischte sich also bald auch ein Funken Gesellschaftskritik und Politik in diesen folkigen Abend, der erklärt, warum das Album zwar eine Liebeserklärung an Dublin sei, aber eben auch nicht alles perfekt laufe. Bei Liedern wie "Blue Is the Eye", "Young Again" oder "Cuckoo Storm" hat man die Liebe dafür aber wieder sehr deutlich gespürt.

Die kurzen eingestreuten Anekdoten und Geschichten haben mir sehr gut gefallen und sie haben dem Konzert eine persönliche Note verliehen. Noch schöner wurde es aber, als die Band das Publikum aufforderte mitzusingen. Dafür wurden kurze Textpassagen einstudiert und schon ging es los. In der ersten Konzerthälfte durften wir bei "I'm a Rover" mit einstimmen, in Hälfte 2 wartete in der Zugabe "Long Grass" mit der schönen Idee, dass wir durch das gemeinsame Singen alle in Einklang geraten, was auch wunderbar mit dem Inhalt des Liedes verbunden war, in dem es darum geht, dass es nach einem Streit manchmal einen besonderen Ort braucht, um wieder zueinander zu finden. Was für ein schöner und friedvoller Gedanke, um in die mittlerweile angebrochene Nacht entlassen zu werden.

Fazit

Es braucht keine Verstärker, Trommeln und Geschrei, um Eindruck zu hinterlassen. "Ye Vagabonds" haben einen von sommerlichen Temperaturen geprägten Abend mit ihrer ruhigen Folk-Musik zu etwas Besonderem gemacht. Traditionelle Klänge vermischt mit modernen Geschichten; Liebeserklärungen und Gesellschaftskritik lassen sich fast im selben Atemzug transportieren und im Anschluss gehen alle ein wenig geerdeter und glücklicher nach Hause. Gerne wieder, Ye Vagabonds!

Falls ihr spontan Lust auf ein solches Konzerterlebnis bekommt, habt ihr am 28. Mai in Köln und am 29. Mai 2026 in Hamburg noch die Chance, die Band live zu sehen. Danach zieht sie weiter ins Vereinigte Königreich (alle Tourdaten im Überblick).

Catherine Bühnsack - myFanbase
28.05.2026

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