Bewertung: 9
Katie Melua

Katie Melua in Hamburg

Katie Melua steht für einen sanften Mix aus Folk, Jazz und Pop - und nicht mehr? Weit gefehlt! Auf ihrer aktuellen Tour beweist sie gerade ihre Vielseitigkeit auf der Bühne. Das Konzert am Montagabend im Hamburger CCH zeigte, dass die 21jährige Georgierin noch ganz andere Seiten hat, die auf ihren bisherigen Alben nicht annähernd zum Vorschein kamen.

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Mit einer gelungenen Mischung aus ihren eigenen, eher ruhigeren und teilweise nachdenklichen Songs und ausgesuchten Coverversionen hatte sie das Publikum von Anfang an im Griff. Begleitet wurde Katie von einer fünfköpfigen Band, die den Auftritt mit einer breiten Mischung an verschiedenen Instrumenten abrundete. Passend zu den Songs wurden verschiedene Videos, Landschaftsaufnahmen und Illustrationen auf einer Videoleinwand eingespielt, so dass auf eine umfangreiche Lichtshow verzichtet werden konnte.

Den Anfang machten "Shy Boy" und der Hit "Nine Million Bicyles", beides Songs ihres aktuellen Albums "Piece By Piece". Ruhig ging es mit "Blues In The Night" und der aktuellen Single "Spider’s Web" weiter, in der sie davon erzählt, wie schwierig es ist, im Leben zwischen wahr und falsch zu entscheiden.

Nach diesem leisen Einstieg legte Katie Melua ihre Gitarre zur Seite und präsentierte ihren ersten Coversong des Abends. Überraschend rockig gab sie sich zum ergreifenden Bobbie Gentry-Hit "Fancy" aus den 1970ern, ein Lied über ein Mädchen, das von ihrer Mutter zur Prostitution gezwungen wird, und fegte mit schüttelnder Lockenmähne über die Bühne, wie es manch gestandener Rocker nicht besser könnte.

Ruhigere Töne stimmte sie danach mit ihrer wunderschönen Liebeshymne "I Cried For You" an, für dessen Text sie sage und schreibe ein langes Jahr gebraucht hat. Durch Katies glasklare, außergewöhnliche Stimme kam dann auch das Publikum nach diesem kurzen Rockausflug mit "Fancy" langsam wieder runter.

Nach "Belfast (Penguins And Cats)", einem Song über die nordirische Stadt, in der sie in ihrer Jugend fünf Jahre lang gelebt hat, ging es weiter mit dem eingängigen Ohrwurmgaranten "Halfway Up The Hindu Kush". Und wieder war es an der Zeit für ein Cover, diesmal war es "Lucy In The Sky With Diamonds" von den Beatles, dem sie ihre ganz eigene, passende Note verpasste. Eben dieser Song ist es auch, so erzählte Katie äußert redselig, der die Fans so manches Mal in Ohnmacht fallen lässt. Bei einem Konzert in Manchester sei ein Mann zusammengebrochen und vor ihren Augen aus dem Saal getragen worden. Um zur baldigen Genesung besagten Zuschauers beizutragen, wollte sie ihm den nächsten Song widmen, leider ohne vorher einen Blick auf die Setlist zu werfen – als nächstes sollte nämlich "Just Like Heaven" gespielt werden, nicht gerade passend für einen Mann, der soeben in Ohnmacht fiel. Die Lacher des Publikums waren der wegen dieses Fauxpas doch leicht beschämten Katie auf jeden Fall sicher. Viel unangenehmer war ihr jedoch diese offensichtliche Wirkung, die sie auf den einen oder anderen Fan hat.

So sollte es dann auch in Hamburg weitergehen: Der "The Cure"-Hit aus den 1980ern und Titelsong zum gleichnamigen Film "Just Like Heaven" war der nächste Titel, gefolgt von "Thank You, Stars" mit origineller Ukulelenbegleitung.

Zu den Highlights des Abends gehörten die beiden Titelsongs ihrer Alben "Call Off The Search" und "Piece By Piece" (wie auf dem Album von sanften Geigenklängen begleitet), die wohl auch jene Zuschauer kennen dürften, die an diesem Abend den Weg ins CCH nur als Begleitung gefunden haben.

Mit dem gelungenen Cover "19th Nervous Breakdown", dem "Rolling Stones"-Hit von 1966, sah man dann wieder eine sehr rockige Katie, die das Publikum auch noch beim "Canned Heat"-Klassiker "On The Road Again" nach dem Wechsel von Gitarre zum Tamburin im Griff hatte und zum Mitklatschen animierte. Passend dazu folgte der schnellste Song ihres ersten Albums: "Crawling Up A Hill", erneut sehr passend mit eindrucksvollen Bildern auf der Videoleinwand begleitet.

Als vorletztes Stück kündigte Katie Melua einen ihrer Lieblingssongs aus den 1990ern an, allerdings ohne den Titel zu verraten. Es vergingen einige Klänge, bis das Publikum erkannte, dass es da gerade "Spaceman" vom One Hit Wonder "Babylon Zoo" präsentiert bekam. Offensichtlich war der Song in Vergessenheit geraten, umso besser, von Katie eine eindrucksvolle Neuinterpretation geliefert zu bekommen, die mit dem Original auf jeden Fall mithalten kann.

Nach der wunderbaren Gänsehautballade "The Closest Thing To Crazy", ihrem ersten Hit, verabschiedeten sich Katie und ihre fünf Musiker von der Bühne, doch ließen sich für die Zugabe nicht lange bitten. Eine extralange Version von "Mockingbird Song" ihres Erstlingswerks machte den Anfang.

Dann wurde es ruhig. Die Musiker verließen die Bühne und Katie saß mit ihrer Gitarre auf einem Hocker ganz alleine im Spotlight. Natürlich war klar, welcher Song nun folgt: "Faraway Voice", eine Hommage an Katies Vorbild, der viel zu früh verstorbenen Folk-Legende Eva Cassidy und der erste Song aus eigener Feder überhaupt, noch während des Musikstudiums in London geschrieben. Katie sang den gefühlvollen Song mit glasklarer Stimme und ohne auch nur einen falschen Ton, und sorgte so für Gänsehaut unter den Zuschauern. Viel zu früh ging nach diesem Höhepunkt des Abends leider das Licht in der Halle an und der Zauber war vorbei.

Insgesamt ein wirklich gelungener Abend mit einer gutgelaunten, sympathischen und stimmlich perfekten Katie Melua und einer tollen Mischung aus den für sie so typischen Songs im Pop/Folk/Jazz-Stil und hervorragend und außergewöhnlich interpretierten Coverversionen großer Künstler. Gefehlt hat einzig und allein das Cure-Cover "Love Cats", ein Song, mit dem Katie 2004 bei den Brit Awards gemeinsam mit Musikerkollege Jamie Cullum überraschte und das sie auch auf ihren Solokonzerten gerne zum Besten gibt. Zu finden ist dieser Song auch auf ihrer Live-DVD "On The Road Again" unter Pianobegleitung ihres Produzenten Mike Batt. Den Zuschauern im CCH wurde der Genuss dieses Songs leider nicht gegönnt.

Setlist
Shy Boy / Nine Million Bicycles / Blues In The Night / Spider's Web / Fancy / I Cried For You / Belfast (Penguins And Cats) / Halfway Up The Hindu Kush / Lucy In The Sky / Just Like Heaven / Thank You Stars / My Aphrodisiac Is You / Call Off The Search / Piece By Piece / 19th Nervous Breakdown / On The Road Again / Crawling Up A Hill / Spaceman / The Closest Thing To Crazy

Zugaben: Mockingbird Song / Faraway Voice

Sandra G. - myFanbase
30.03.2006