The Men

The Men in der Arena, Wien

Obwohl sie ihren ungewöhnlichsten Song "Candy" nicht spielten, nahmen sich The Men am Sonntag in Wien die Zeile "could sing a thousand songs" daraus zu Herzen: Gefühlte 1000 Songs, Elemente und Spielarten des Rock stopften sie in ihren fiebrigen Auftritt.

Foto: The Men - "New Moon" - Copyright: Sacred Bones Records
The Men - "New Moon"
© Sacred Bones Records

Dass sie einst als Punkband starteten und sich erst langsam in immer abwegigere Gefilde vortasteten, kommt bei Live-Auftritten ihnen und vor allem auch dem Publikum zugute: So etwas wie eine Warmspiel-Phase scheint ihnen völlig fremd zu sein, von der ersten Minute an geht's offensichtlich um die Wurst. Zu fünft zusammengepfercht auf einer Mini-Bühne wechseln sie mühelos, aber stets mit größtem Einsatz die Genres – wie man es auch vom aktuellen Album "New Moon" (Cover links) kennt: Beginnend mit einer noisigen Beinahe-Hardcore-Nummer gehen sie ohne Luft zu holen in eine cleane, klassische Rocknummer über, um kurz darauf, passend zu den grungigen Outfits, irgendwo in Richtung Grunge und Postpunk abzubiegen.

Weil jeder ans Mikro darf und alle gleichberechtigt sind, macht das Ganze natürlich noch mehr Spaß: Während der Eddie-Vedder-Lookalike im Dylan-Shirt rechts außen die Textzeilen ins Mikro brüllt und der andere Eddie-Vedder-Lookalike links außen engagiert in die Mundharmonika pustet, fotografiert Nick Chiericozzi in der Mitte seelenruhig das Publikum mit einer Retro-Kamera, die er für solche Zwecke wohl stets in der Hemdtasche verstaut hat.

Gleich zu Beginn eines Instrumentals fällt plötzlich die gesamte Beleuchtung aus und The Men spielen den Song im Finstern zu Ende – obwohl das Stück kaum dafür geeignet ist, zücken manche das Feuerzeug. "We beat the system", merkt Chiericozzi danach an – sichtlich erleichtert, als er wieder etwas sieht. Daraufhin wird noch mehr Gas gegeben – der "Bird Song" wird so zum groovenden Highlight, während sich das Dampfwalzen-Stück "The Brass" leider in zu vielen Noise-Schichten verliert.

Entsprechend dem Status von "Open Your Heart" als Vorzeige-Werk der Band beschließen die New Yorker den Abend krachend mit "Turn It Around" und "Open Your Heart", nachdem sie vorher schon völlig verschwitzt quer durch das Publikum einen Abgang versuchten. Zwei Tage später lese ich, dass sie bereits an neuem Material für ihr fünftes Album arbeiten: Mögen sie mit einem Haufen verquerer, wild zusammengewürfelter Songs wiederkommen!

Setlist
??? / Dark Waltz / Without a Face / Another Night / Electric / I Saw Her Face / Different Days / Freaky / Bird Song / Night Landing / The Brass / Pearly / Turn It Around / Open Your Heart

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WeAreTheMen.Blogspot.com

Stephanie Stummer - myFanbase
07.04.2013