Bewertung: 8
Pearl Jam, Beastie Boys, Snow Patrol, Interpol

Southside Festival 2007 - Neuhausen ob Eck

So, wie das letztjährige Southside zu Ende ging, fing es dieses Jahr auch gleich an: mit Sturm.

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Leider lief das aber diesmal nicht so glimpflich ab. Die Zeltbühne stürzte zusammen, ein Mensch kam dadurch ums Leben, ein weiterer schwebt in Lebensgefahr. Erschreckend, dass ein Mensch für den Spaß der Festivalbesucher sterben musste. Daher möchte ich auch vorweg mein Mitgefühl ausdrücken und hoffe, dass der schwerverletzte Johanniter wieder gesund wird.

So optimal das Gelände des Festivals auf dem Flugplatzgelände auch geeignet ist, die Anreise ist jedes Mal aufs Neue eine Geduldsprobe. Da denkt man, dass man endlich angekommen ist, steht aber vor Ort noch Stunden im Stau. Wie schön, dass wenigstens mein Zelt schon aufgebaut war, als ich dann endlich auf dem Gelände war.

Am nächsten Morgen war dann erst einmal Dauerregen angesagt, was die ganze Angelegenheit etwas matschig machte. Der Traum eines jeden Festivalbesuchers, und Gummistiefel waren plötzlich an vielen Füßen zu bewundern. Allerdings ließen sich die Leute die gute Laune nicht verderben und passten sich dem Wetter an. So segelten einige im Einkaufswagen sitzend mit Zeltplanen in der Hand über die Landebahn oder veranstalteten Matschknuddeln.

Bis zum Nachmittag war der Spuk zum Glück vorbei und so konnten wir die erste Band, die Schweden von Sugarplum Fairy, richtig genießen. Lustigerweise sind sie leider genau das, was sie nicht sein wollen, nämlich ein weichgespülter, jüngerer Abklatsch von den großen Brüdern von Mando Diao. Ein gewaltiger Sprung war es von dort aus zu den Manic Street Preachers, die gleich in einer ganz anderen Liga spielten. Von Incubus hatte ich mir allerdings mehr erhofft, die habe ich schon in ganz anderer Verfassung gesehen. Noch dazu war der Sound so leise, dass man gar nicht von der Musik umgeben war, sondern von dem Geplapper der Nachbarn.

Schon während der Band wurden Warnungen vor Unwetter eingeblendet, also sind wir schnell zurück zum Zelt um Vorkehrungen zu treffen und zu warten, bis es vorbei ist. Allerdings kam es nie, und so haben wir ganz umsonst die Editors verpasst. Sehr schade, mit dem neuen Album im Gepäck hatte ich sie nämlich noch nicht gesehen.

Stattdessen haben wir die Gunst der Stunde genutzt und uns unter die warmen Duschen gestellt. Dank dem Sturm beim Aufbau waren die dieses Jahr ohne Zelt, es war also eine recht luftige Angelegenheit.

Der zweite Festivaltag begann dann um einiges früher, gerade so bekamen wir noch State Radio mit, von denen ich gerne ein bisschen mehr gesehen hätte. Das erste Highlight waren The Rakes. Dank technischen Problemen konnte der Sänger so richtig sein Entertainer-Talent unter Beweis stellen, aber auch musikalisch bekam man etwas geboten. Die Howling Bells im Anschluss waren auch nicht zu verachten, eine der wenigen Bands mit einer Frau an der Front.

Art Brut waren wie immer klasse und für die frühe Uhrzeit war vorne schon einiges los. Aber bei der Band stimmt auch einfach alles. Bei The Bloom Arm überwog nun allerdings mehr die Unterhaltung, der Sänger stürzte sich des öfteren todesmutig ins Publikum und war sicher der Albtraum eines jeden Securities.

Apropos: die Securities in diesem Jahr waren richtig nett und kompetent, was man leider nicht häufig auf Festivals findet. Und durch das Crowdsurfing-Verbot konnte man die Auftritte der Bands deutlich entspannter genießen.

Auf Höhepunkte muss natürlich auch immer ein Tiefschlag kommen, der mit Satellite Party im Anmarsch war. Da ich an das Konzert von Sänger Perry Pharrell und seine frühere Band Jane's Addiction tolle Erinnerungen habe, waren die Erwartungen richtig hoch. Erfüllt wurden sie in leider überhaupt nicht. Auf einen Mittvierziger in der Midlife-Crisis, der zudem noch beweisen muss, dass er vollkommen hetero ist, kann ich dankend verzichten. Ein wirklich peinlicher Auftritt.

Zum Glück wurde es danach aber wieder schlagartig besser. Porcupine Tree wollte ich schon länger einmal sehen und der Auftritt war wirklich vom Feinsten und eine willkommene Abwechslung. Die Kings of Leon haben sich im Gegensatz zu früher deutlich gesteigert, auch wenn sie mich nicht vollkommen mitreißen konnten. Da fehlt einfach das gewisse Etwas, die Leidenschaft in der Musik.

Die hat man bei Sonic Youth nicht vermisst, obwohl man der langen Zeit, die sie im Geschäft sind, schon Routine und daraus resultierende Langeweile erwarten könnte. Nicht nur wir wollten die Band sehen, auch Steve Hewitt von Placebo hatte sich am Rand der Bühne eingefunden und tat es uns gleich.

Placebo kamen gleich im Anschluss. Zugegeben war mir etwas mulmig vor dem Auftritt, da sie bei Rock im Park letztes Jahr einfach nur gelangweilt und deprimierend waren, nur etwas besser sah es beim Lowlands aus. Doch Überraschung: Brian Molko hat in der Zwischenzeit sein Deutsch aufpoliert, wieder Haare auf dem Kopf und seine Stimmung aufgehellt. Leider war der Auftritt viel zu schnell vorbei, aber das ist eben bei Festivals so.

Als Headliner des Tages spielten schließlich Pearl Jam. Auf die hatte ich mich riesig gefreut, leider war ich nach 11 Stunden vor der Bühne allerdings schon zu fußlahm um es richtig genießen zu können. Damit war es ja auch noch nicht vorbei, auf der zweiten Bühne gab es zum Abschluss noch die Queens of the Stone Age. So gerne ich die CDs höre, ich werde einfach live nicht mit ihnen warm. Viermal habe ich es nun schon versucht, nie hat es geklappt.

Der Sonntag begann erst einmal mit packen und Auto beladen, leider musste ich schon nachts fahren da ich am Montag zur Arbeit musste. Als erste Band schauten wir uns The Bravery an, die einen guten Einstieg in den musikalischen Tag boten. Von den Films war ich dann doch ein wenig enttäuscht, aber man kann einfach nicht alle Bands gut finden bei der Fülle. Und bisher hielten sich die Flops deutlich in Grenzen.

Also sind wir doch zu The Sounds gegangen. Die waren deutlich besser als im letzten Jahr, schon alleine weil Sängerin Maja ihre One-Woman-Show deutlich zurückgefahren hat. Allerdings bin ich doch enttäuscht, dass sie nie ihr deutlich bestes Lied spielen, "Reggie".

Sonntag war eindeutig noch stressiger als der Vortag, das war Bühnenhopping allererster Sahne. Mit Frank Black ging es danach nämlich schon gleich weiter. Doch nach ein paar Liedern beschloss ich, mir lieber Mogwai ganz anzuschauen. Die waren auch wirklich sehenswert, da sie sich schon allein durch die vielen instrumentalen Songs von den übrigen Bands abheben. Super, was die Band für eine Stimmung erzeugt hat mit ihren Songs!

Modest Mouse dagegen gehörten wieder eher in die Kategorie Enttäuschung. Die CDs haben da eindeutig mehr erhoffen lassen, aber der Auftritt kam ganz gewöhnlich, langweilig daher.
Also lieber ab zu Arcade Fire! Doch oh weh, das war die reinste Zumutung. Keine Ahnung, was den Soundmenschen da geritten hat, aber selbst Korn hatte damals weniger Bass. Daher konnte man auch kaum jeweils die Melodie aus den Liedern heraushören. So kann man einen Auftritt auch vermiest bekommen. Schade.

Von Bright Eyes hätte ich zwar gerne mehr als nur die halbe Stunde gesehen, aber da Bloc Party in meiner Gunst höher stehen, wollte ich lieber mehr von ihrem Auftritt mitbekommen. Der Bass war nur unwesentlich schwächer, aber zum Glück hier nicht ganz so störend wie zuvor.

Nun stand aber endlich mein persönliches Highlight auf dem Programm: Interpol! Was haben wir uns beeilt um noch relativ nach vorne zu kommen. Aber zuvor stand noch etwas anderes auf dem Programm, eine längst fällige Gedenkminute an den verstorbenen Johanniter. Die ganze Crew der Sanitäter kam dazu auf die Bühnen, sowohl bei ihnen als auch im Publikum sah man die Betroffenheit.

Richtig komisch war es, danach wieder zur Tagesordnung überzugehen. Doch die New Yorker schafften es direkt das Publikum in ihren Bann zu ziehen, ohne viele Worte. Schon beim Opener (der ja zuvor ständig in den Pausen auf der Leinwand als Werbung für das neue Album angespielt wurde) kam die Gänsehaut und die ging auch die ganze Zeit nicht mehr weg. Auch hier hätte ich gerne noch mehr gehört, aber zum Glück kommen die Jungs ja im November nach München.

Von Snow Patrol war ich zugegeben in letzter Zeit etwas genervt. Dank Grey's Anatomy kennt sie mittlerweile wohl jeder, denn auch sämtliche Radiostationen dudeln ihre Lieder jetzt hoch und runter. Aber sie waren überhaupt nicht abgehoben (den Song aus dem Spiderman-Film stellten sie schlicht als "New Song" vor) sondern noch genauso sympathisch wie zuvor, nichts hat sich geändert. Außer die nervigen kreischenden Mädels im Publikum.
Etwas nervig war, dass man die Beastie Boys auf der großen Bühne doch sehr deutlich gehört hat. Sehr schade, weil es gegen Ende die Stimmung etwas gestört hat.

Für mich waren Snow Patrol dann auch der Abschluss, denn die Heimfahrt stand ja leider noch an. Nach so einem Festivalwochenende nicht unbedingt das sinnvollste, nachts zu fahren, aber es blieb mir nichts anders übrig.

Mal wieder war das Southside überaus gelungen, vielen Dank dafür, dass durch die vielen Helfer das Festival doch möglich war. Auch finde ich klasse, dass auf die Gegebenheiten so schnell reagiert wurde, z.B. mit Hackschnitzeln in den matschigen Bereichen, damit man ohne die Schuhe zu verlieren das Gelände begehen konnte.
Es war durchweg eine angenehme Stimmung das Wochenende über, für mich ist es einfach das sympathischste Festival in Deutschland, da die Besucher deutlich weniger aggressiv und einfach freundlicher sind als zum Beispiel bei Rock im Park, Rock am See,...

Leider war es das für mich dieses Jahr mit Festivals, aber die nächste Southside-Karte wird auf jeden Fall gekauft!

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Eva Friedenberger - myFanbase
27.06.2007