Bewertung: 9
Tegan and Sara

Hey I'm Just Like You

Derzeit touren Tegan and Sara mit einer ungewöhnlichen Konzertreihe: Lesung trifft Gig, denn parallel zu "Hey I'm Just Like You" sind ihre Memoiren "HIGH SCHOOL" erschienen. Das neue Album ist wie eine Vertonung dieses Werks.

Foto: Tegan and Sara - "Hey I'm Just Like You" - Copyright: Warner Music Group
Tegan and Sara - "Hey I'm Just Like You"
© Warner Music Group

Wirklich ruhig ist es um Tegan and Sara nicht geworden, wenn auch das letzte, achte Studioalbum "Love You To Death" schon wieder vier Jahre zurückliegt. Dazwischen waren die kanadischen Zwillingsschwestern damit beschäftigt, ihr legendäres Album "The Con" als Coveralbum "The Con X: Covers" neu aufzulegen und ihre Memoiren zu schreiben. "HIGH SCHOOL" ist nun fast zeitgleich mit dem neuen Longplayer "Hey, I'm Just Like You" erschienen. Die Entstehungsgeschichte von Buch und Album: unzertrennlich. Denn die zwölf Tracks stammen aus der Zeit, in der Tegan und Sara Quin neben der Schule anfingen, Songs zu schreiben.

Ohne Umschweifen steigt "Hey, I'm Just Like You" sofort ein: "Hold My Breath Until I Die" ist dank der Ausstattung mit melancholischen Synths eine Eighties-Powerballade geworden – und schreckt dennoch nicht vor einer Kombination mit Akustikgitarren zurück. Überhaupt spielt das Duo sich munter durch jedes Genre – "You Go Away And I Don't Mind" ist mindestens drei verschiedene Popsongs in einem. Das krasse Wechseln zwischen den Soundrichtungen gelingt Tegan and Sara wunderbar.

Verantwortlich im Studio in Vancouver war dafür ein ausschließlich aus Frauen bestehendes Team unter der Leitung von Produzentin Alex Hope. Mal wird das Drumcomputergewitter aus "Keep Them Close ‘Cause They Will Fuck You Too" zum trabenden Beat, mal treibt "Don‘t Believe the Things They Tell You (They Lie)" so voran, bis der Wechsel zu einem schwermütigen Westerngitarrensolo erfolgt. Der Titelsong wiederum ist lockerleicht und lässt, ebenso wie die erste Single "I'll Be Back Someday" und "We Don't Have Fun When We're Together Anymore", die Nacht durchtanzen.

Und dann ist da noch dieser Song, der überlagert ist mit Symbolik. Wuchsen all die Lieder an den Erfahrungen, die die Musikerinnen sammelten seit dem ersten Niederschreiben, fragt "Please Help Me" in schöner Harmonie und mit solider Akustikgitarre: "What if I become all the horrible things I said I'll never be?" "I Know I'm Not The Only One" birgt ebenfalls die Art von Vorausschauen, die man vielleicht nur in der tiefen Nacht oder beim Hören während des Sonnenaufgangs hat: "I wonder if someday we're just gonna be a memory?" Das vierjährige Warten auf einen neuen Lebenssoundtrack hat sich also gelohnt. "All I Have To Give The World Is Me" gibt eindringlich durch: "You don't have to change" – und endet kraftvoll und so direkt, wie das ganze Album begonnen hat.

Fazit

"And I say 'Hello, hello, hello – I'm right here'" – mit nur einem Satz ist klar, was Tegan and Sara mit uns machen: Die Angst der Teenagertage zurückholen, weil sie auch im Erwachsenenleben noch relevant ist. Und das macht dieses Album so mächtig.

Anspieltipps
I Hold My Breath Until I Die
Hey, I'm Just Like You
I'll Be Back Someday
We Don't Have Fun When We're Together Anymore

Tracks

1.I Hold My Breath Until I Die
2.Hey, I'm Just Like You
3.I'll Be Back Someday
4.Don't Beleive The Things They Tell You (They Lie)
5.Hello, I'm Right Here
6.I Don't Owe You Anything
7.I Know I'm Not The Only One
8.Please Help Me
9.Keep Them Close 'Cause They Will Fuck You Too
10.We Don't Have Fun When We're Together Anymore
11.You Go Away And I Don't Mind
12.All I Have To Give The World Is Me

Simone Bauer - myFanbase
31.10.2019

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