Bewertung: 9
Coldplay

Viva la Vida or Death and All His Friends

Das Vorgängeralbum "X&Y" verkaufte sich mit 11 Millionen Einheiten erneut wie geschnitten Brot. Der dritte Volltreffer in Folge, was eine Sensation darstellt und auch mir bedeutet das Album nach wie vor sehr viel. 2007 wurde Mithilfe des Koproduzenten Brian Eno, welcher die Band zusammenschweißte, der Sound der Band weiterentwickelt. Für den LP "Viva la Vida or Death and All His Friends" wurde das Gemälde "Die Freiheit führt das Volk" von Eugène Delacroix als Coverbild außerdem genutzt. Es verspricht ein künstlerisch kreatives Werk. Doch kann sich der erst gewonnene Eindruck halten und in der Musik widerspiegeln?

Foto: CD Coldplay - "Viva la Vida or Death and All His Friends" - Copyright: Warner Music Group/Parlophone Label Group
CD Coldplay - "Viva la Vida or Death and All His Friends"
© Warner Music Group/Parlophone Label Group

Mit "Life in Technicolor" startet man in hübscher Weise mit einem Instrumental ins Album. Von dem Song gibt es jedoch einen Part 2 jener als Singleauskoppelung inklusive Gesang seine Runden drehte. Der Song "Cemeteries of London" ist mit schönem Chorgesang und zurückhaltend arrangiert worden, sorgt dazu gleich für eine bestimmte Atmosphäre, jene mit dem melancholischen und melodisch-verschachelten Track "Lost!" weiter ausgebaut wird. Dieser Song enthält dazu viel Schwung und wird live besonders stark von den Jungs zur Geltung gebracht. Inklusive des Hip-Hop ähnlichen Beats, den aufgedrehten Gitarren- und Orgelklängen, lässt sich "Lost!" nicht ganz als Ballade einstufen. Trotz der schweren Synthies, die das Tempo entschleunigen. Textlich geht es mit Zeilen wie "You might be a big fish in a little pond. Doesn't mean you've won. 'Cause along may come. A bigger one. ... And you'll be lost..." ganz anders zu, so wie man es oft auf dem Vorgängerwerk "X&Y" zu hören bekam. Nämlich kämpferisch mit der klaren Ansage, dass, wenn du nicht derjenige bist, der sich als große Liebe erweist, dann gibt es wohl noch einen viel größeren Fang für mich. "Lost!" gibt im Gesamtbild diese zwar betrübte aber auch kämpferische, selbstbewusste Sichtweise bestens zum Ausdruck. Das Lied gibt einem Energie anstatt, dass es einen in die Knie zwingt. Es eignet sich also gut dazu zu hören, wenn man gerade im Liebeskummer steckt.

"42" führt einen dann auf eine falsche Fährte, beginnt doch der Song dermaßen sanft und balladig, so gibt es plötzlich die Wendung, die Gitarren drehen auf und der Song treibt besonders durch das markantere Schlagzeug ordentlich nach vorne. So was gefällt mir immer gut, wenn Kontrast ein Lied richtig aufleben lässt. Das Gaspedal wird wieder losgelassen, denn kurzzeitig läuft gemütlich der nächste Track "Lovers in Japan/Reign of Love" an, bei dem der Teil "Lovers in Japan" erneut mit vielen Synthies ausgestattet wurde. Dadurch und durch die Melodie wirkt der Songteil jedoch etwas langgezogen und kann mit den bisherigen starken Stücken nicht ganz mithalten. "Reign of Love", der direkt an diesen Track mit angehängt ist, gefällt mir als sanfte, minimalst mit Instrumenten, eigentlich nur mit Orgelklängen, unterlegte Ballade wieder sehr gut. Da kommt wieder ganz die alte Stärke von Coldplay durch, nämlich durch weniger mehr zu erzeugen. Es ist einfach schön, wenn man diesen Kontrast mit einbringt, weil das Album so vielseitiger erscheint.

"Yes" ist ziemlich sperrig und speziell, überzeugt als Song dennoch, da man hier gespannt der Melodie und den Instrumenten folgt. Chris Martin steigert sich mit seinem Gesang zunehmend und bringt so mehr und mehr Leben in den Song. In "Yes" hängte man dann nochmals ein weiteres Stück, den Hidden Track "Chinese Sleep Chant" direkt mit an, das aus raueren Gitarren und vielen Synthies besteht, die den Track atmosphärisch abrunden.

"Viva la Vida" gilt mittlerweile als einer der größten Singlehits der Band, ein sehr ergreifender Song, der sich sofort in die Gehörgänge schleicht und Wohlgefühl verursacht. Der Track sticht durch die Melodie und diesen abgehakten geschwungenen Orgelklängen aus dem Album hervor. Hier mischt man auch sämtliche weitere Soundelemente gekonnt zusammen, was Chris Martins Stimme gut untermalt. Am auffälligsten dürften hier jedoch die Glockenklänge im Hintergrund sein, die mit eingebunden wurden. Textlich wird bei Auszügen wie beispielsweise "People couldn't believe what I'd become. Revolutionaries wait. For my head on a silver plate. Just a puppet on a lonely string. Oh who would ever want to be king." der Verdacht wach, dass der Titel des Liedes eher zynisch gemeint ist. Es würde mich interessieren, auf welches geschichtliche Ereignis und welche Figur sich der Text bezieht.

"Violet Hill" ist das andere Stück, welches man gut von dieser LP kennt, wurde es doch als die Leadsingle auf den Markt geworfen. Es fiel mir damals sofort auf, da der Song eine mir damals unbekannte Seite der Band zeigte. Zuvor setzten sie nicht so markant rauere Gitarren ein und rockten so dermaßen ab. Dazu bietet die ruhige Einleitung, die einem klar macht „jetzt kommt gleich was“, eine gute Vorlage für die Strophen. Der Track ist auch eine der stärksten Nummern auf der vierten LP der Jungs. Beim folgenden Song "Strawberry Swing" ist es immer so, dass ich gleich das Coverbild dieses Albums vor Augen habe, wenn ich das Intro und das Dudelsack-Geräusch u.a. im Hintergrund höre. Die Atmosphäre ist richtig fesselnd und der Song wirkt wie vom Soundtrack zum Film "Braveheart". Was wiederum zum Coverbild passt, welches Aufruhr, Krieg aber auch Sinnlichkeit ausstrahlt und künstlerisch schön zur Geltung kommt. "Death and All His Friends" klingt soundtechnisch keinesfalls so düster, wie es der Titel vermuten lässt. Nein, der Song kommt ziemlich lebendig und heiter rüber, und fasziniert zudem erneut durch die effektive Instrumentalisierung und schließt mit dem verknüpften Hidden-Track "The Escapist" gekonnt den Kreis zum Opening der LP.

Fazit

Mein bisheriger Favorit unter den Album-Veröffentlichungen von Coldplay. Die LP wirkt durchgehend stimmig, verspielt, frisch und zeigt keine wirkliche Schwäche auf. Dazu sind mit den Songs "Lost!", "Viva la Vida", "Violet Hill", "Strawberry Swing" und "Death and All His Friends" sehr starke Stücke mit an Board. Nach "Parachutes", dem Debütwerk, haben Coldplay nochmals die eigene Messlatte sehr hoch gelegt.

Anspieltipps
Cemeteries of London
Lost!
Viva la Vida
Violet Hill
Strawberry Swing
Death and All His Friends

Artistpage
Coldplay.com

Tracks

1.Life in Technicolor
2.Cemeteries of London
3.Lost!
4.42
5.Lovers in Japan/Reign of Love
6.Yes(inkl. Hidden-Track "Chinese Sleep Chant")
7.Viva la Vida
8.Violet Hill
9.Strawberry Swing
10.Death and All His Friends(inkl. Hidden-Track "The Escapist")

Samuel W. - myFanbase
20.05.2014

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