Bewertung
Kate Nash

My Best Friend Is You

Kate Nash kann einem ehrlich gesagt ganz schön auf die Nerven gehen. Nicht genug, dass sie mitunter einen äußerst fragwürdigen Geschmack an den Tag legt. Nein, zu allem Überfluss muss sie neuerdings auch noch einen auf zickiges Kollegenschwein machen und ungeniert den Faulpelz raushängen lassen. Trotzdem – falsch: deshalb! – gibt's für das neue Album eine grundsolide 8/9. Wie das zusammenpasst? Immer schön der Reihe nach...

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Lässt der Geschmack von Kate Nash tatsächlich zu wünschen übrig? Zweifelsohne! Zumindest, wenn man bedenkt, auf welche Art und Weise im Vorfeld der Veröffentlichung von "My Best Friend Is You" die Werbetrommel gerührt wurde. Schlimm genug, dass als Vorbote ausgerechnet das im Vergleich zum Rest des Albums bestenfalls mittelprächtige "Do-Wah-Doo" auserkoren wurde. Dass Kate Nash dann aber auch noch ein Video dazu dreht, wie es trashiger nicht sein könnte, stellt selbst die Geduld ihrer loyalsten Anhänger auf eine harte Probe. Im Nachhinein betrachtet, könnte dies aber auch bloß Teil eines perfiden Plans der ausgefuchsten Britin sein: Erst die Erwartungen bewusst senken bzw. in die falsche Richtung lenken, und dann mit einem "Made of Bricks"-Nachfolger überraschen, den ihr so vermutlich kaum jemand zugetraut hätte.

Ist es zulässig, in Bezug auf Kate Nash das Wort "Faulpelz" in den Mund zu nehmen? Auf jeden Fall! Erst lässt sich die gute Dame knapp drei Jahre Zeit mit der Veröffentlichung ihres zweiten Albums, und dann packt sie in Form von "Don't You Want To Share The Guilt?", "I Hate Seagulls" und "Pickpocket" gleich noch einen Haufen bereits bekannter B-Sides und Live-Favoriten drauf. Unverschämt? Nein, gut so! Ewig schade wäre es gewesen, wenn diese wunderbaren Lieder jenen Leuten, die prinzipiell keine Singles kaufen und/oder bislang keines ihrer Konzerte besucht haben, vorenthalten geblieben wären. Da soll noch jemand behaupten, faule Engel taugen weniger als fleißige Teufel.

Darf man Kate Nash ruhigen Gewissens als Zicke bezeichnen? Sie lässt einem gar keine andere Wahl! Ähnlich wie Kollegin Florence Welch ("Lungs"), die ihren Konkurrentinnen in Sachen Männer die Augen im Schlaf auskratzt, fährt die offenbar nicht minder von Eifersucht geplagte Miss Nash mit Vorliebe ihre Krallen aus. In ihrem Fall wird allerdings nicht nur jede potentielle weibliche Rivalin unverzüglich als "bitch" abgestempelt, sondern gleich auch noch dem Mann an ihrer Seite präventiv versichert, dass sie sich für den Fall eines Fehltritts seinerseits bereits 100 schmerzhafte Racheakte zurechtgelegt hat. Autsch! Gleichzeitig macht Kate Nash jedoch auch keinen Hehl daraus, dass sich hinter dieser harten Schale durchaus ein weicher Kern verbirgt. "You said you'd lend me anything, I think I'll have your company" beteuert sie gleich im Opener und erobert damit, jede Wette, die Männerherzen im Sturm.

Bleibt abschließend noch zu klären, ob Kate Nash wirklich ein Kollegenschwein ist? Tja, auch diesem harschen Vorwurf wird sie sich wohl nicht entziehen können. Denn anstatt sich damit zufrieden zu geben, ohnehin schon mit dem niedlichsten aller Akzente gesegnet zu sein, stellt sie auf ihrem neuen Album gleich noch eine ganz Reihe von Mitstreiterinnen musikalisch in den Schatten. Während das großartige "I Just Love You More" eine unmissverständliche Kampfansage an Karen O und PJ Harvey ist, bekommt bei "Pickpocket" Kollegin Regina Spektor vorgeführt, wie sie auf "Far" hätte klingen müssen, um dem Hörer mehr als ein müdes Lächeln abzuringen. Und spätestens, wenn es dann im "Mansion Song" verbal so richtig zur Sache geht (Liz Phairs famoses "Exile In Guyville" lässt grüßen), erweckt selbst Schandmaul Lily Allen ("It's Not Me, It's You") im direkten Vergleich den Anschein eines handzahmen Kätzchens. Ganz schön gnadenlos, die Dame! Ziemlich stark, die Scheibe!

Fazit

"My Best Friend Is You" mag zwar insgesamt kein makelloses Popalbum sein, stellt aber, wenn man die künstlerische Weiterentwicklung gegenüber dem Debüt mit in Betracht zieht, einen großen Schritt in eben diese Richtung dar. In Ermangelung der Fähigkeit, es besser auf den Punkt zu bringen, als es den geschätzten Kollegen von der SPEX gelungen ist, sei an dieser Stelle das nachfolgende Zitat erlaubt: "Eine Extrem-gute-Laune-Platte, mit anderen Worten: eine der Platten, für die eigentlich mal Majorlabels erfunden wurden, damit sie weltweit richtig groß machen, was weltweit richtig groß gehört." Genau so ist es nämlich.

Anspieltipps

Don't You Want To Share The Guilt?

I Just Love You More

Mansion Song

Later On

Pickpocket

Artistpage

KateNash.co.uk

MySpace-Profil

Tracks

1.Paris
2.Kiss That Grrrl
3.Don't You Want To Share The Guilt?
4.I Just Love You More
5.Do-Wah-Doo
6.Take Me To A Higher Plane
7.I've Got A Secret
8.Mansion Song
9.Early Christmas Present
10.Later On
11.Pickpocket
12.You Were So Far Away
13.I Hate Seagulls
14.My Best Friend Is You (Hidden Track)

Willi S. - myFanbase
11.05.2010

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