Yuri-Anthologien: Viele lesbische Manga auf einmal!

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Es ist schon obskur: In Japan boomen die Geschichten über sich küssende Jungs. Dabei ist es allerdings gängig, dass diese Manga von Frauen gezeichnet werden – für Frauen. Das Ganze nennt sich "Yaoi" und findet eine riesige Anhängerschaft. Männerliebende Männer lassen in der Regel davon die Finger – richtig schwule Geschichten sind eine winzige Sparte. Das lesbische Pendant heißt "Yuri" – und ist ebenso von Frauen für Frauen. Auch eine winzige Sparte, aber wenigstens realistisch, da die Macherinnen oft queer sind (wie zum Beispiel "Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit" von Kabi Nagata).

Männer, die auf Lesbenaction stehen, werden in sogenannten "Girls Love"-Animes fündig. Als Frauenliebende Frau lernt man schnell, das man davon besser die Finger lässt. Hier sind die Mädchen extrem jung, sehen aber aus wie Pornodarstellerinnen. Plots gibt es kaum.

Die Yuri-Manga sind auf dem deutschsprachigen Markt immer noch rar gesät. Neben den großen Titeln wie "Bloom Into You" findet man viele Geschichten, die zwar gehypt werden, aber immer einen schalen Beigeschmack haben ("Citrus" und "NTR" sind zwar rasend beliebt, haben aber toxische Elemente). Und: Sie spielen alle auf der High School, der japanischen Oberschule. Dennoch wächst die Zahl von Yuri-Anthologien und hier geht es auch gelegentlich um Frauenliebe zwischen Erwachsenen! Wir haben uns zwei für euch herausgepickt.

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"Mädchen in all ihren Farben" von Miman erschien im November 2019 bei Tokyopop. Dort gibt es auch Mimans Yuri-Serie "Café Liebe" zu erstehen. Während dort auf alle typischen Mädchenschulklischees gesetzt wird, geht es so nur in der ersten Kurzgeschichte in "Mädchen in all ihren Farben" weiter. Hauptfigur Mei hatte bereits eine Beziehung mit einer älteren Mitschülerin. Als diese ihren Abschluss machte, endete die Beziehung jäh – und Meis Gefühle erkalteten. Man könnte sagen: Typisch Japaner. Das Gesicht wahren – und eben die ganze Sache mit der Mädchenschule. Man nennt das auch "Class S" und dies ist wohl nicht nur in Mangas zu finden: Japanische Schülerinnen sammeln durchaus ihre ersten Erfahrungen untereinander.

Das wird sogar einigermaßen gebilligt, solange danach eben ein Mann geheiratet wird. Man könnte auch sagen: So macht man sich für den Mann fit. Im Falle dieser sehr zügigen Kurzgeschichte geht es aber anders aus. Ein Glück!

Eine weitere Mädchenschulgeschichte dreht sich um die elegante Desugi und die neue Kiritani. Das nächste Klischee tritt in Kraft: Man trifft sich auf den Schuldach, wie man es in asiatischen Geschichten gerne tut. Trübsinn schwingt hier ebenso mit wie in vielen der insgesamt acht Stories. Dafür ist der Shorty über eine Liebe im Leichtathletikclub albern und süß, aber mit offenem Schluss.

Und dann wäre da noch Kanna: Sie wartet auf ihre Teenagerzeit und wirkt doch noch wie ein kleines Kind, vor allem im Vergleich zur besten Freundin Mon-chan. Als sie wegen eines Regenschauers einen Unterschlupf suchen, kommt es dazu, dass Mon-chan Kanna streichelt. Oftmals werden solche Szenen im Yuri ausgespart. Selbst Kussszenen gibt es nicht allzu häufig, umso schöner ist also diese zärtliche Illustration! Kanna, die auf dem Matsuri, dem sommerlichen Fest, keine Liebespaare beobachten möchte, kommt zu ihrem ersten Kuss und einem leidenschaftlichen Liebesgeständnis. Für die beiden geht es sogar mit einem zweiten Teil in "Mädchen in all ihren Farben" weiter. Und dann wären da noch Mizuki und Honoka ("Sie kommt mit dem Verschluss von Getränkedosen nicht zurecht."). Wer sich fragt, warum man auch oft in Serien darüber streiten kann, ob es sich tatsächlich um Liebespaare oder reine Freundschaften handelt (siehe auch "Revue Starlight", wo eigentlich im Grunde alle gay sind), bekommt die Zweifel direkt serviert: "Freundinnen schenken sich doch ab und zu selbst gemacht Kekse." Ja, und manchmal schwören sie sich dann eben doch die ewige lesbische Liebe!

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Der Verlag Altraverse veröffentlicht die Yuri-Reihe "Éclair", die bereits fünf Bände umfasst. Der erste Band erschien 2018. Nicht alle Geschichten darin sind einwandfrei, so musste Altraverse ebenso zuletzt eine Kurzgeschichte zensieren, weil ein Kuss zwischen einer Schutzbefohlenen und einer weitaus älteren Figur stattfand. In "Éclair" selbst gibt es da auch eine unzensierte Variation: Nachhilfelehrerin Karen mag "Menschen aus anderen Zeiten, die bedeutende Leistungen vollbracht haben und schon tot sind" und merkt daher die Zuneigung ihrer Schülerin nicht. Diese küsst immerhin von selbst ihre Lehrerin, nicht umgekehrt. Wer diesen Altersunterschied nicht sehen kann, der überspringe "intro" von Chihiro Harumi. Und dann wäre da noch "Menschliche Emotionen" von Shuninta Amano, wo sich Arbeitskolleginnen im Café – die perfekte Kanayama und die tollpatschige Mizushima – näher kommen. Eine ziemlich beleidigende Story overall, aber dafür gibt es auch harmonische Shortys wie "Die Friseurin" mit Chika und Kaoru, ein liebenswerter One-Shot von Uta Isaki mit einer beinahe haarsexuellen Hauptfigur.

Im chaotischen "Das Glück kommt mit einer Wunde" wünscht Tori sich von ihrer Angebeteten angefasst zu werden, aber die steht nur auf ihr Klavier. Shiori Nishio steigt gleich bei "Tränen und unschuldige Gefühle" mit wilder Knutscherei ein. Diese kommt nicht ohne Spuckenfäden aus, leider. Und leider spielt ebenfalls Übergriffigkeit eine Rolle. Außerdem kommt Homophobie vor – Frauen mit Frauen, das sei doch "notgeil".

Ob realistisch oder nicht, zu tief in der Klischeekiste oder authentisch: Immerhin eben all diese Geschichten Frauenliebenden Frauen in Japan ein Gesicht. Manchmal vielleicht ein "bedrohliches", wenn beispielsweise wieder eine Schülerin auf eine Erwachsene steht (denn "intro" ist nicht die einzige Geschichte mit dieser Handlung), aber es ist ein Anfang.

Simone Bauer - myFanbase

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