Bewertung: 9
Gier, Kerstin

Smaragdgrün: Liebe geht durch alle Zeiten

Der Abschluss der Edelsteintrilogie.

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Inhalt

Gwendolyn ist am Boden zerstört. Warum musste ihr der hinterhältige wie furchteinflößende Graf von Saint Germain auch auf die Nase binden, dass Gideon es von vorn herein drauf angelegt hat, sie in sich verliebt zu machen? Immerhin ist eine verliebte Frau lenkbar und naiv, wie der Graf so schön anmerkte. Gwen könnte sich unter der Bettdecke verkriechen und heulen bis zum geht-nicht-mehr. Da kommen ihre aufmunternde Freundin Leslie sowie Geisterfreund Xemerius gerade richtig, die dem weinerlichen Zimmerbrunnen Gwen wieder auf die Beine und zu neuem Tatendrang verhelfen. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Dem Grafen muss schließlich das Handwerk gelegt und das Geheimnis um den mysteriösen Stein der Weisen, das sich mit Hilfe des Chronographen offenbaren soll, gelöst werden. Wäre da nur nicht der Mistkerl Gideon, auf den sie immer wieder trifft und der ihr Herz stets aufs Neue im Sturm erobert, obwohl es eigentlich (gefühlt) in tausend Splitter zersprungen ist. Wieder einmal zeigt sich, dass wahre Liebe nicht nur durch alle Zeiten, sondern auch ins Herz geht – Happy End nicht ausgeschlossen.

Kritik

Ich habe noch nie erlebt, dass ich einem Buch so sehr entgegen gefiebert habe, wie es bei "Smaragdgrün: Liebe geht durch alle Zeiten", dem letzten Teil der Edelsteintrilogie, der Fall war. Ehrlich gesagt konnte ich es noch nie verstehen, wie Fans sich in lange Warteschlangen vor die Bücherläden drängen und den Fortsetzungen, z. B. von "Harry Potter", hinterher rennen, als gäbe es kein Morgen mehr. Gut, nun kann ich es. Hätte ich nicht zur Arbeit gemusst und meinen Urlaubsvorrat bereits im Sommer aufgebraucht, wer weiß, wo es mich zur frühen Morgenstunde hinverschlagen hätte. Aber so musste ich mich gedulden, wie bereits seit Monaten, da der ersehnte Verkaufsstart von "Smaragdgrün" mehrmals verschoben wurde. Was soll ich sagen? Das Warten hat sich mehr als gelohnt.

Und so heißt es nun ein letztes Mal "Bereit, wenn du es bist", mit einer erneuten Attacke auf die Lachmuskeln. Auch im dritten Band trumpft Kerstin Gier mit spritzigen Dialogen und vielseitigen Charakteren auf, durch die sogar eher uninteressante Textpassagen zu einem echten Hingucker werden – nichts geht über Gwendolyns unerschütterlichen Humor, selbst in schlechten Zeiten. Denn leicht hat sie es wahrlich nicht. Der erste Liebeskummer, ein Meuchelmörder, der ihr nach dem Leben trachtet, und ihre verflixte Verwandtschaft (insbesondere Giftspritze Charlotte), machen ihr das Leben unnötigerweise schwer und versetzen Gwen in Aufruhr. Wie gut, dass beste Freundinnen stets zur Nacht - und Tageszeit erreichbar sind und mit gutem Rat und aufbauenden Worten zur Schadensbegrenzung anrücken.

Es ist einfach nur göttlich und gar nicht mal so realitätsfremd, wenn die verzweifelte Gwen zum Telefonhörer greift und ihre beste Freundin Leslie das gebrochene Herz mit Marzipan vergleicht. Eins muss man schon sagen, die beiden geben ein echt tolles Gespann ab (Gwen und Gideon natürlich auch). Dazu fallen mir spontan die Comicfiguren Clever (Leslie) & Smart (Gwen) ein – nur optisch weit vom Original entfernt. Denn mal ganz ehrlich, ohne die kesse Leslie würde Gwendolyn im Liebeskummer ertrinken und im Dunkeln tappen, was das Geheimnis um den Chronographen angeht. Dafür kann Gwen eher mit Mut und Kreativität glänzen.

Im Ganzen kann man die zwölfte Zeitreisende Gwen einfach nur gern haben. Chaotisch und schwungvoll stürzt sie sich in jedes Abenteuer und dabei ist eines stets gewiss: sie macht genau das, was man von ihr erwartet, nämlich jede Menge Unsinn. Natürlich nicht zu vergessen der kleine Wasserspeiergeist Xemerius, der irgendwie immer den passenden Spruch parat hat und mich des Öfteren zum Schmunzeln brachte. Schade, dass solche niedlichen Wesen nicht im wahren Leben existieren (oder doch?). Xemerius ist nämlich nicht nur extrem nützlich, sondern auch der beste Freund, den man sich vorstellen kann.

Im Gegensatz zu den Vorgängerbänden bietet der dritte Teil etwa hundert Seiten mehr und fügt die losen Fäden, die in "Rubinrot" und "Saphirblau" entstanden sind, nahtlos ineinander. Einige Szenen aus besagten Büchern werden witzig (wer hat Gideon nur eins über den Schädel gebraten? Herrlich!) und geschickt gelöst, auch wenn sie an einigen Stellen ein wenig berechnend wirken. Andererseits kann man sich des Öfteren überraschen lassen, wenn plötzlich etwas Unerwartetes passiert und man das Gefühl bekommt, die Seiten lassen sich nicht schnell genug umblättern.

Daran ist besonders die Konstellation Gwen und Gideon schuld. Die beiden passen einfach wie die Faust aufs Auge und sorgen mal wieder für gehörig Spaß und Romantik. Tritt Gideon im ersten Drittel des Buches nur sporadisch in Aktion (wo zum Henker blieb er nur?), ist er wenig später nicht mehr wegzudenken. Mit seiner manchmal leicht überheblichen und dann wieder verständnisvollen Art bringt er nicht nur Gwens angeknabbertes Marzipanherz zum Schmelzen (seufz), sondern das zahlreicher Mädchen bzw. Frauen gleich mit. Kein Wunder, dass Gwen bei seinem Anblick stets aufs Neue in Versuchung gerät, obgleich der Mistkerl ihr (unbeabsichtigt) das Herz gebrochen hat. Sei's ihm verziehen.

Wirklich schade, dass es nun vorbei ist. Obwohl mir das Ende nicht wirklich gefallen mag (für meinen Geschmack kam es zu schnell und schwammig) und ich der Meinung bin, dass einige Dinge größerer Aufklärung bedurft hätten (z. B. das Wiedersehen mit Gwens leiblichen Eltern Lucy und Paul), fühlte ich mich von der kompletten Reihe sehr gut unterhalten und hatte jede Menge Spaß an der Sache. Denn Kerstin Gier hat aus einer einfachen Idee eine tolle Buchreihe kreiert, die mit viel Herz und Humor zu überzeugen weiß und (zumindest bei mir) kein Auge trocken ließ. Hoffentlich war das nicht ihr letzter Ausflug in den Phantastik(-Jugend)-Bereich.

Fazit

"Smaragdgrün: Liebe geht durch alle Zeiten" bietet ein gutes Rezept gegen die drohende Winterdepression sowie schlechte Laune (Achtung! Nebenwirkungen in Form von akutem Schlafmangel nicht ausgeschlossen). Eine gehörige Portion Humor, sympathische Charaktere und ein spritziger Spannungsbogen machen den letzten Teil der Edelsteintrilogie zu einem unbedingten MUSS für Fans von Gwen und Gideon – und für jene, die es noch werden wollen. Ende gut, alles gut (darüber lässt sich leider streiten ... macht aber nichts).

Zur Rezension von Band 1 "Rubinrot - Liebe geht durch alle Zeiten"
Zur Rezension von Band 2 "Saphirblau - Liebe geht durch alle Zeiten"

Doreen B. - myFanbase
13.12.2010

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