Bewertung: 9
Gier, Kerstin

Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten

Manchmal ist es ein echtes Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat.

Foto: Copyright: Arena Verlag GmbH
© Arena Verlag GmbH

Inhalt

Die 16-jährige Gwendolyn Shepherd hat's nicht leicht. Glaubte sie stets, ein stinknormales Mädchen zu sein (obwohl sie Geister sieht, was ihr eh kaum jemand glaubt), muss sie nun feststellen, dass sie das mysteriöse Zeitreisegen in sich trägt, das eigentlich ihrer überaus perfekten und begabten Cousine Charlotte vorausgesagt wurde. Ein fatales Missverständnis, wie sich nun herausstellt. Wurde Charlotte bereits seit Jahren mit Fecht-, Tanz- und Geschichtsstunden bombardiert, steht Gwen nun total unvorbereitet da und springt das erste Mal in die Vergangenheit, ohne zu wissen, wie sie wieder zurückkommen soll.

Wieder in die Gegenwart zurückgekehrt, ist natürlich keiner ihrer Verwandten begeistert von der "neuen" Zeitreisenden, die neben zwölf anderen ihrer Art – jeweils in einer anderen Zeit geboren und nach einem Edelstein benannt – als Rubin den Kreis schließen soll. Schließlich gilt es mit Hilfe eines sogenannten Chronographen, mit dem sich die Zeitsprünge kontrollieren lassen, ein bedeutendes Geheimnis zu entschlüsseln, bei dem Gwen nur im Weg stehen würde. Ist das alles nicht schon kompliziert genug für das "gewöhnliche" Mädchen mit dem Hirn einer Erbse, laut Aussage ihrer Tante Glenda, muss sie sich auch noch mit dem arroganten und leider sehr gutaussehenden Stinkstiefel Gideon (elfter Genträger "Diamant") verbünden.

Kritik

Spannung, Humor und Romantik sind die perfekten Zutaten für ein unvergessliches Lesevergnügen. Kommen dazu noch vielseitige Charaktere und ein origineller Plot, ist ein echter Pageturner garantiert. Und genau das bietet "Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten", der erste Teil von Kerstin Giers Edelstein-Trilogie. Mit viel Witz und Charme präsentiert die Preisträgerin des DeLiA-Literaturpreises 2005 ("Ein unmoralisches Sonderangebot") ihren ersten Fantasyroman und wagt sich damit in unbekannte Gewässer. Eigentlich in der Frauenliteratur zu Hause, stellt sie sich diesmal einer überwiegend jungen Leserschaft und jongliert dabei zum ersten Mal mit fantastischen Elementen – und das gekonnt.

Die Idee mit dem lästigen Zeitreisegen ist nicht neu und dürfte den Meisten dank Audrey Niffeneggers Erfolgsroman "Die Frau des Zeitreisenden" ein Begriff sein. Dennoch ist "Rubinrot" anders und bedient sich weitaus fantastischeren Elementen, als es die herzzerreißende Liebesgeschichte zwischen Claire und Henry tut. So sieht Gwendolyn z. B. Geister und ihre Großmutter Maddy hat Visionen. Zudem ist die Liebesgeschichte zwischen Gwendolyn und Gideon anfangs erst einmal zweitrangig bzw. unterhaltsamerer Natur. Taschentücher werden also nur gebraucht, wenn man sich vor Lachen die Tränen nicht verkneifen kann.

Bis zur eigentlichen Liebesgeschichte oder wohl eher nervenaufreibenden Kennenlernphase zwischen Gwen und Gideon dauert es jedoch ein wenig. Zuerst gilt es Gwens Zeitreisegen und ihr Umfeld zu entdecken. An sich erst einmal keine wirklich spannende Sache, würde das alles nicht auf eine so humorvolle und mitreißende Weise erzählt werden. Besonders Gwens beste Freundin Leslie und Geisterfreund James heben das Stimmungsbarometer und stehen der plötzlich gebeutelten Gwen stets zur Seite. Was sie auch gut gebrauchen kann. Immerhin gilt es nicht nur ein großes Geheimnis zu entschlüsseln, welches sich mit Hilfe eines Zeitmessers, dem Chronographen, offenbaren soll. So gibt es zwei Vorfahren, die Gwen und ihrem Zweckverbündeten Gideon stets Steine in den Weg legen sowie den mysteriösen Graf von Saint Germain, dem Gwendolyn ein Dorn im Auge zu sein scheint. Interessant dabei ist, dass der geheimnisvolle Graf, um den sich zahlreiche Legenden ranken, wirklich existiert hat.

Das Beste bei diesem amüsanten Zeitreiseabenteuer ist für mich jedoch (wen überrascht es?) die Gwen und Gideon Konstellation. Es ist schon ziemlich herrlich, wie die beiden sich anfangs so gar nicht riechen können und Gwendolyn berechtigterweise alles zum KOTZEN findet – besonders Gideon, der sie meist als ziemlich blöd und ahnungslos hinstellt. Was Gwen keinesfalls ist. Gut sie ist kein Genie und hat im Gegensatz zu Gideon ihr Leben nicht mit allerhand Mysterien- und Geschichtsunterricht verbracht, dennoch ist sie ziemlich kreativ und mutig. Das wird so humorvoll in Szene gesetzt, dass ich mir das ein oder andere Lachen nicht verkneifen konnte. Einfach nur göttlich! Insbesondere Gwens ständige "Wortlücken", denn Fremdsprachen sind ebenfalls nicht ihr Ding.

Da das Buch vorzugsweise eine junge Leserschaft ansprechen soll, ist der sprachliche Stil (Ich-Erzählperspektive) ziemlich einfach gehalten, so dass sich alles flüssig und locker liest. Eben eine leichte Lektüre zum entspannen und für zwischendurch. (Übrigens nicht nur ich bediene mich gerne der informativen Klammern). In "Rubinrot" findet man sie ebenfalls zu genüge – was mich persönlich überhaupt nicht stört. Das Ende ist da schon viel schlimmer. Es wartet nämlich mit einem unmöglichen Cliffhanger auf, der sich nur schwer verschmerzen lässt. Gerade richtig schön in die Lektüre vertieft und in romantischer Stimmung (seufz), war ich schlichtweg empört. Gemeinheit!

Ein gutes Buch ist wie ein guter Film. Man kann ihn sich hundert mal ansehen (in diesem Fall lesen) und hat immer noch nicht genug. Deshalb hat "Rubinrot" bereits einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal und ist somit stets griffbereit. Mal sehen ob der Film die gleiche Wirkung hat. Gwen und Gideon werden uns in ferner Zukunft nämlich auf der großen Kinoleinwand begegnen und hoffentlich genauso begeistern, wie in den Büchern. Allerdings steckt das Projekt noch in den Kinderschuhen und somit müssen die Fans sich wohl bis mindestens 2012 gedulden. Geduld ist ja bekanntlich eine Tugend und in diesem Sinne ... bitte, bitte lass die Zeit ganz schnell vergehen.

Fazit

Noch nie war eine Wortlücke so charmant, wie in Kerstin Giers "Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten" – ein humorvolles, romantisches und turbulentes Zeitreiseabenteuer. Besonders geeignet für Mädchen, aber auch ein wahres Lesevergnügen für Leseratten fernab der Pubertät. Ein echter Geheimtipp!

Zur Rezension von Band 2 "Saphirblau - Liebe geht durch alle Zeiten"
Zur Rezension von Band 3 "Smaragdgrün - Liebe geht durch alle Zeiten"

Doreen B. - myFanbase
20.10.2010

Diskussion zu diesem Buch