Bewertung: 7
Whedon, Joss & Moline, Karl

Fray - Future Slayer (Comic)

"I'm just one girl. No big hero, no protector of justice, not even a bona fide one-hudred-percent Slayer."

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Inhalt

In den Slums von New York, irgendwann in der fernen Zukunft, lebt Melaka 'Mel' Fray. Sie führt ein einfaches Leben, hält sich mit Auftragsdiebstählen über Wasser und ahnt dabei noch nichts von ihrer wahren Bestimmung. Irgendwann zuvor im 21. Jahrhundert wurden die Dämonen zusammen mit aller Magie von der Erde verbannt, aber den Vampiren ist es inzwischen gelungen zurückzukehren und so machen sie jetzt Frays Welt unsicher. Ihr Zwillingsbruder Harth wurde bei einem Überfall von Vampiren getötet und dieses traumatische Erlebnis belastet Fray immer noch sehr. Obwohl Fray nicht wie die Jägerinnen des lange vergangenen 20. Jahrhunderts von Träumen und Vorahnungen auf ihre Bestimmung vorbereitet wurde, ist sie doch die neue Auserwählte. Der gute Dämon Urkoon, einer der letzten Mitglieder des mittlerweile weit verstreuten Wächterrates, sucht sie auf und beginnt sie auf ihre Aufgaben und ihren Kampf vorzubereiten. Die beiden entwickeln im Laufe der Zeit ein enges Vertrauensverhältnis, dass ihr neben dem Verhältnis zu ihrer Schwester Erin und ihrer Rolle als Beschützerin für das kleine Mutantenmädchen Loo Halt gibt. Den benötigt sie dringend im schier aussichtslos scheinenden Kampf gegen die Vampire, die unter der Herrschaft des Anführers Icarus stehen.

Kritik

Da Joss Whedon schon immer leidenschaftlicher Comic-Liebhaber war, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Multitalent sich auch selbst mit einem eigenständigen Projekt in diesem Genre probieren würde. So entwickelte er zwischen 2001 und 2003 die achtteilige Reihe "Fray – Future Slayer", die beim Verlag "Dark Horse" monatlich erschien und dann später als Gesamtausgabe veröffentlicht wurde. Obwohl ganz bewusst nicht als Fortsetzung zu seiner Erfolgserie "Buffy - Im Bann der Dämonen" geplant, siedelt Whedon die Handlung von "Fray" doch in dem ihm so gut bekannten Universum an, versetzt aber das Geschehen in die Zukunft um auf neuen und unbetretenen Pfaden zu wandeln. In mehreren Interviews zu diesem Thema hat er zugegeben, dass er es niemals vor hatte die Welt von Fray und die von Buffy Summers miteinander zu verknüpfen, aber schon in der finalen Staffel der TV-Serie führte er dann eines der bedeutendsten und mythischsten Gegendstände aus Frays Welt ein, die magische Sense der Jägerinnen, die das ausschlaggebende Instrument im Kampf gegen das Urböse und die Quelle des Zaubers ist, den Willow anwendet um eine ganze Armee von Jägerinnen zu schaffen. Und im Laufe der achten Staffel, die nach dem Ende der Serie im Fernsehen in Comicform erscheint, kommt es sogar zu einem direkten Aufeinandertreffen der beiden Heldinnen Fray und Buffy.

So sehr sich Whedon also bemühte eine eigenständige Geschichte zu schaffen, letztendlich verschmolz sie doch in seiner groß angelegten Welt und bildet mittlerweile einen festen Fixpunkt im so genannten Buffyverse. Schon allein aus diesem Grund ist "Fray" Pflichtlektüre für jeden Whedon-Fan. Aber auch unabhängig vom großen Ganzen ist Joss Whedon mit seinem ersten Versuch eines Comics ein beeindruckendes Debüt gelungen. Unterstützt von den gelungenen Zeichnungen von Karl Moline schuf er mit Melaka Fray eine weitere unvergessliche Heldin, die alles andere als perfekt, dafür aber umso lebensechter und nachvollziehbarer für den Leser ist. Mel Fray ist schlagfertig, zynisch, verletzbar, willensstark und mit all den körperlichen Fähigkeiten einer Jägerin ausgestattet, und sie zieht einen hinein in ihre perspektivlose, aber dennoch faszinierende Welt. Auch die Nebencharaktere sind durch die Bank weg einfallsreich und interessant und so entwickelt sich eine Geschichte die über verschlungene Pfade und überraschende Entwicklungen verläuft, und die ohne Zweifel Whedons Handschrift trägt. Moralische Sieger gibt es hier nicht und Fray muss im Laufe ihrer Mission nicht nur eine bittere Pille schlucken. Natürlich ist "Fray" kein Comicmeisterwerk wie Alan Moores "Watchmen" oder die "Sandman"-Reihe von Neil Gaiman, aber es ist ein wundervolles, kleines Juwel im vielfältigen Schaffenswerk Joss Whedons, der nicht umsonst nach der Veröffentlichung seines Debüts zeitweilige und in der Szene hochgelobte Autorenposten für die Serien "Astonishing X-Men" und "Runaways" übernahm.

Fazit

Dieser Comic ist jedem Fan von Joss-Whedon-Serien wärmstens ans Herz zu legen und für das Verständnis der Ereignisse in "Time of Your Life" aus Staffel 8 ist er unverzichtbar. Aber auch ohne die Einbettung in Whedons Gesamtwerk ist "Fray" kurzweilige, unterhaltsame und durchaus auch tiefgründige Lektüre.

Cindy Scholz - myFanbase
31.01.2010

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