Bewertung
Howard, Jonathan L.

Johannes Cabal. Totenbeschwörer

Wer Tote wieder zum Leben erwecken kann, ist klar im Vorteil. Wer nur so tut, immer auf der Flucht.

Foto: Copyright: Verlagsgruppe Random House GmbH
© Verlagsgruppe Random House GmbH

Inhalt

Nach dem missglückten Versuch, ein verbotenes Buch zu stehlen, findet sich Johannes Cabal, seines Zeichens Wissenschaftler und Totenbeschwörer, in der Gewalt eines machtgierigen Politikers wieder. In dessen Auftrag soll Cabal den kürzlich verstorbenen Kaiser des Landes wiedererwecken, damit jener eine letzte große Rede halten kann. Cabal erledigt den Auftrag absichtlich mit dem schlimmstmöglichen Ergebnis und nutzt die anschließende Aufregung zur Flucht. Mit falscher Identität schleicht er sich auf ein prachtvolles Luftschiff, das zu seiner Jungfernfahrt aufbricht. Als jedoch kurz nach dem Start ein Mord geschieht und Cabal zu allem Überfluss auf eine Passagierin trifft, die genau weiß, wer er wirklich ist, gerät er in einen gewaltigen Schlamassel.

Kritik

Johannes Cabal zum Zweiten. Der deutschstämmige Wissenschaftler, dessen Lebensziel darin besteht, den Tod zu besiegen, gerät in eine neue Situation, die sich deutlich von seinem vorherigen Abenteuer unterscheidet. Während Cabal im ersten Band noch mit einem grotesken Jahrmarkt durch die Welt gezogen ist, um im Auftrag des Teufels 100 Seelen einzusammeln, versucht er diesmal als Passagier eines Luftschiffes vor einer Regierung zu fliehen, die gerne ein paar Hinrichtungsmethoden an ihm ausprobieren würde.

Die Welt, in der die Abenteuer des Johannes Cabal spielen, ist eine Mischung aus Fiktion und realen Epochen der Menschheitsgeschichte. Die Handlung führt uns in einen Teil Europas, den es in der Realität nie gegeben hat, der aber dennoch viele Parallelen zu echten Staaten aufweist. Zudem ist das nicht näher definierte Jahrhundert, in dem Cabal lebt, von technischen Errungenschaften geprägt, die so ebenfalls nie existiert haben, aber gleichfalls viele Ähnlichkeiten mit uns bekannten Erfindungen erkennen lassen.

Dass sich Cabal an Bord eines imposanten Luftschiffes begibt, welches seine Jungfernfahrt erlebt, weckt natürlich sofort Gedanken an die Titanic – und tatsächlich ergeben sich im Laufe der Handlung eine Reihe von Parallelen zu diesem berühmten Schiff und seinem Schicksal. Von einem romantischen Traummann á la Leonardo DiCaprios Filmcharakter Jack Dawson hat Johannes Cabal aber so gar nichts. Cabal ist ein Kopfmensch, der Gefühle nur als unnötige Komplikation betrachtet. Er handelt immer absolut pragmatisch. Wenn ihm Gewalt als das wirksamste Mittel erscheint, um sein Ziel zu erreichen, dann wendet er diese völlig selbstverständlich an. Genauso selbstverständlich verzichtet er auf Gewalt, wenn sie gerade nicht hilfreich für ihn ist. Man kann Cabal folglich nicht wirklich als Sympathieträger bezeichnen, aber seine Kälte, sein Zynismus und sein Pragmatismus machen ihn zu einer interessanten Figur, die man auf gewisse Weise doch mag. Im Vergleich zu vielen der modernen Fantasy-Helden ist Cabal einfach erfrischend unromantisch, kompromisslos und ehrlich.

Neben den Titanic-Anspielungen erinnern die Geschehnisse an Bord des Luftschiffes auch stark an Agatha Christies Krimiklassiker "Mord im Orient-Expreß". In diesem berühmten, mehrfach verfilmten Roman aus dem Jahr 1934 geschieht bekanntlich in einem Zug ein Mord und sämtliche Fahrgäste sind verdächtig. Die schwere Aufgabe, den Täter zu entlarven, fällt dem mitreisenden Detektiv Hercule Poirot zu. Im Luftschiff ist es selbstverständlich Johannes Cabal, der den Mord aufzuklären versucht und dabei auf eine ähnliche Personenzusammensetzung wie der gute Mr. Poirot trifft.

Man muss kein ausgewiesener Fantasy-Experte sein, um zu bemerken, dass sich der Autor Jonnathan L. Howard diesmal an Vorlagen orientiert hat, die eigentlich nichts mit dem Fantasy-Genre zu tun haben. Johannes Cabals zweites Abenteuer ist mehr ein fantastischer Krimi mit politischen und gesellschaftskritischen Untertönen und weniger ein grotesker Fantasy-Roman. Nicht von ungefähr wird Cabal im Orginaltitel als Detektiv bezeichnet, nicht als Totenbeschwörer oder ähnliches.

Fazit

Ein bisschen vermisst man den grotesken Charme des ersten Teils schon, dennoch ist auch dieser zweite Band um den Wissenschaftler Johannes Cabal überdurchschnittlich unterhaltsam und interessant.

Zur Rezension von Band 1 "Johannes Cabal. Seelenfänger"
Zur Rezension von Band 3 "Johannes Cabal. Das Institut für Angst und Schrecken"

Maret Hosemann - myFanbase
11.04.2011

Diskussion zu diesem Buch