Bewertung
Howard, Jonathan L.

Johannes Cabal. Seelenfänger

Ein Jahr, 100 Seelen und ein Jahrmarkt der besonderen Art.

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Inhalt

Für seine Forschungen über den Tod hat der Wissenschaftler Johannes Cabal einst seine Seele an den Teufel verkauft. Um diesen Deal wieder rückgängig zu machen, geht er eine Wette mit dem Höllenfürsten ein: wenn es Cabal gelingt, innerhalb eines Jahres 100 Seelen zu ernten, erhält er seine eigene Seele zurück. Als Werkzeug soll ihm ein grotesker Jahrmarkt dienen, doch da Cabal keine Ahnung von menschlichen Vergnügungen hat, braucht er die Hilfe seines Bruders Horst, eines Halbvampirs, der die letzten Jahre in einer Gruft gefangen war. Auf seiner Seelenjagd kommen Cabal unter anderem ein geistesgestörter Magier, ein unscheinbarer Serienkiller und ein kluger Ex-Polizist in die Quere – und so richtig fair spielt der Teufel auch nicht.

Kritik

"Seelenfänger" ist der erste Band von Jonathan L. Howards Trilogie über den deutschstämmigen Wissenschaftler Johannes Cabal, der den Tod erforschen und besiegen will. Da Cabal zu dem Schluss gelangt ist, dass die Verscherbelung seiner Seele nicht die gewünschten Resultate erzielt, lässt er sich auf eine Wette mit Satan höchstpersönlich ein und muss nun innerhalb eines Jahres 100 andere Menschen dazu bringen, ihre Seelen zum Teufel zu schicken. Im allerwahrsten Sinne des Wortes.

Einen Zahn muss man den potentiellen Lesern gleich von Anfang an ziehen: die Abenteuer des Johannes Cabal sind nicht dem derzeit so populären Genre der Urban Fantasy zu zuordnen. Urban Fantasy zeichnet sich in der Regel durch ein Umfeld aus, das stark an die reale, alltägliche Welt erinnert, jedoch mit phantastischen Elementen vermischt wird. Beispiele lassen sich zahlreiche nennen, wie die "Vampire Diaries" und die "Twilight"-Saga von Stephenie Meyer. Jonathan L. Howard zeichnet dagegen eine comichafte Fantasywelt mit Gestalten von groteskem Äußeren und nicht minder bizarrem Verhalten, die allen Naturgesetzen spotten und schauerliche Slapstick-Einlagen darbieten, wenn ihnen zum Beispiel diverse Körperteile abhanden kommen. Man bräuchte schon Kostümdesigner, Maskenbildner und Special-Effects-Künstler von beeindruckendem Format, um "Seelenfänger" zu verfilmen.

Der Roman spielt in einer Zeit, die es so nie gegeben hat. Einerseits werden reale historische Ereignisse wie der Erste Weltkrieg angedeutet und als schon längst vergangen benannt, so wie auch Personen der Geschichte, beispielsweise Al Capone, als bereits verstorben erwähnt werden, doch andererseits ist nie von technischen Errungenschaften wie Fernsehen, Autos, Computer oder Handys die Rede. Dafür tauchen viele Elemente auf, die an das 19. Jahrhundert oder das frühe 20. Jahrhundert erinnern. Die Abenteuer des Johannes Cabal spielen in einer Welt, die wie eine Mischung aus verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte wirkt. Vielleicht geben die beiden Fortsetzungen darüber noch mehr Aufschluss.

Johannes Cabal ist auch ein großes Stück davon entfernt, ein typischer Romanheld zu sein. Der Mann hat schließlich keine Seele mehr. Dementsprechend lernen wir ihn als kalten, zynischen Kopfmenschen kennen, der mit Konzepten wie Romantik, Freundschaft und Fröhlichkeit wenig anfangen kann. Für ihn zählt nur sein Ziel, das er unbeirrt verfolgt. Selten einmal blitzt bei ihm echtes Mitgefühl auf. Von ihm als Sympathieträger zu sprechen wäre daher ziemlich überzogen, doch er überzeugt als interessante, düstere Figur mit schwarzem Humor.

Spannung ist nicht das Hauptcharakteristikum dieses Romans, da Cabal zumeist nicht lange braucht, um ein Problem zu beseitigen. Es ist das Szenario als Ganzes, mit diesen absonderlichen Figuren und der düsteren, altmodischen Atmosphäre, das zu überzeugen weiß.

Fazit

Der Auftakt zu Jonathan L. Howards Romantrilogie bietet eigenwillige Unterhaltung für all jene Fantasyfans, die mal wieder etwas anderes als Urban Fantasy lesen wollen.

Zur Rezension von Band 2 "Johannes Cabal. Totenbeschwörer"
Zur Rezension von Band 3 "Johannes Cabal. Das Institut für Angst und Schrecken"

Maret Hosemann - myFanbase
31.05.2010

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