Bewertung: 7

Review: #7.18 Unbemannt

Foto: Matt Czuchry, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Matt Czuchry, Good Wife
© Paramount Pictures

Machtspiele, Scheidung, Wiedersehen, Überwachung, Übereinkunft, Abschied – Schlagworte, die mir spontan nach dem Anschauen der Folge in den Sinn kommen und die Hauptaspekte dieser Episode auf den Punkt bringen. #7.18 Unmanned verdichtet die übergreifenden Handlungsstränge, lässt mich persönlich aber auch ratlos zurück. Zu Beginn der nun zu schreibenden Review habe ich tatsächlich noch keinen blassen Schimmer, welche Punktzahl am Ende ganz oben stehen wird.

"I don't like it anymore. I like being a lawyer. That can be fun but this isn't. I’m not good at it, not good at looking over my shoulder."

Am spannendsten war für mich jedenfalls das Ränkespiel bei Lockhart, Agos & Lee. Der Leidtragende des Ganzen ist am Ende also wie erwartet Cary. Wobei ich ihm wirklich zugutehalten will, dass er es selbst war, der die Reißleine gezogen hat und damit seinen Abschied aus eigenen Stücken nahm. Der selbst gewählte Abschied zeugt von Größe, kommt er damit doch seiner Zwangsauszahlung zuvor und so kann er immerhin mit reinem Gewissen diesen Lebensabschnitt hinter sich lassen. Seine Worte an Alicia bringen es gut auf den Punkt: er ist Anwalt mit Leib und Seele, ein loyaler Partner, aber niemand, der Spielchen spielen will, um daraus seinen eigenen Vorteil zu ziehen. Nein, seine Ex-Kollegen haben sich da alle nicht mit Ruhm bekleckert und geben allesamt eine arme Figur ab. Da will ich auch keine Ausnahmen machen. Von David Lee kennt man es ja nicht anders, dass er sein Fähnchen stets zu seinem eigenen Vorteil in den Wind hält. Doch während Cary Diane und Alicia noch immer Entgegenkommen signalisiert, indem er beispielsweise der Verlegung von Howards Büro zustimmt, sind es vor allem diese beiden, die ihn und mich persönlich am meisten enttäuschen. Diane war seit Serienbeginn eine große Fürsprecherin von Cary, hat mit ihm auch den schwierigen Prozess gegen ihn durchgestanden und fällt ihm nun so in den Rücken. Das ist mir einfach unverständlich. Bei Alicia ist es fast noch schlimmer. Wiederholt hat Cary ihr die Möglichkeit gegeben, ihn in Dianes Pläne einzuweihen, aber Alicia hat ihn eiskalt auflaufen lassen. Blanker Hohn war da schon fast ihre Danksagung an Cary, weil er für ihre Partnerschaft gestimmt habe. Das muss für Cary der entscheidende Schlag ins Gesicht gewesen sein. Immerhin hat er Alicia gegenüber dann zugegeben, ihre Wahl nicht unterstützt zu haben. Ihr verdutztes Gesicht empfand ich auch nur noch scheinheilig. Trotz aller Kritik an den Figuren will ich aber nicht falsch verstanden werden: das war packend und spannend erzählt. Und in welcher Serie im siebten Jahr nehmen sich die Hauptfiguren derart selbst auseinander? Mir tut es dennoch Leid um Cary, der als Hauptcharakter der ersten Stunde stets mit Füßen getreten wurde. Nur selten durfte er wirklich im Mittelpunkt der Handlung stehen, war er doch meist nur Mittel zum Zweck, der "Stichwortgeber" für andere, um deren Geschichten voran zu bringen. Dass es tatsächlich bis Staffel sechs dauerte, bis er erstmals richtig im Mittelpunkt stand, sagt schon alles. Wie Cary also nun zum Abschied, ohne zurückzublicken, den Flur hinunterschlendert, war wirklich traurig. Die Vorladung zur Anhörung um Peters Prozess könnte uns aber noch einmal ein Wiedersehen mit ihm bescheren. Es wäre wirklich bezeichnend und ein Armutszeugnis, wenn die Autoren Cary in den letzten vier Folgen der Serie keinen weiteren Auftritt verschaffen würden.

"I want a divorce."

Nun ist es also endlich ausgesprochen. Die Lossagung von Peter auch von offizieller Seite war ein langer Weg für Alicia, mitunter auch unverständlich für uns Zuschauer. Aber das Zweckbündnis diente eben nicht immer nur einer Seite. Mit der Zeit wusste auch Alicia, Peter für ihre Ziele einzusetzen. Doch nun scheint sie an dem Punkt angelangt zu sein, an dem sie bereit ist, für sich selbst zu stehen. Ich hatte ja tatsächlich erwartet, dass die Affäre von Alicia und Jason in der Öffentlichkeit auffliegt, aber dann also das Aufeinandertreffen der beiden Männer in Alicias Wohnung. Ein seltsamer Moment und sicher unangenehm für beide Seiten. Wobei ich mich allerdings schon frage, warum Peter überhaupt noch einen Schlüssel für die Wohnung hat? Aber sei es drum. Wieder einmal folgte eine intensive und spannende Szene der Noch-Eheleute. Alicia mit der kurz und knappen Forderung und Peter, der womöglich auch in seiner Ehre verletzt, direkt die alten Geschichten, sprich ihre Affäre mit Will, aufs Tapet bringen musste. Das ist typisch Peter, der am Ende aber auch untypisch damit überrascht, dass er fast kampflos in die Scheidung einwilligt. Seine Bedingung ist nachvollziehbar, steht er doch mit dem Rücken zur Wand und braucht Alicias Unterstützung in der Öffentlichkeit. Der Cliffhanger bleibt uns ihre Antwort schuldig, aber alles andere als ein Nein käme unerwartet und würde ihr Unabhängigkeitsstreben ad absurdum führen.

Apropos Peters Prozess: auch hier nimmt die Handlung langsam Fahrt auf. Mitunter fällt es mir zwar schwer, all den Irrungen und Wirrungen zu folgen, aber indem man nun Eli auch unter Einbindung von Marissa unter Druck setzt, wird es wirklich interessant zu sehen sein, inwiefern dieser tatsächlich gegen seinen Schützling aussagen wird. Es war auf jeden Fall völlig richtig von Eli, sich anwaltlichen Rat zu suchen und nicht einen Alleingang zu starten. Wenn Alicia nicht durch ihre noch auf dem Papier existierende Ehe befangen wäre, hätte er sicher sie gewählt, aber Diane ist in diesem Fall nur die logische Konsequenz. Das befeuert außerdem einmal mehr die interne Auseinandersetzung in der Kanzlei, da Diane nun zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Jetzt wird alles darauf ankommen, ob und wie die Staatsanwaltschaft den angebotenen Deal annehmen wird. Ein Duell Peter gegen Eli vor Gericht wäre aber sicher noch einmal ein grandioser Höhepunkt zum Serienabschluss.

"I guess you were right I never should have left. – No, I wasn't right."

Mit dem Auftritt von Caitlin D’arcy als gegnerische Anwältin im Fall der Woche zeigt "Good Wife" wieder einmal was seine ganz besondere Stärke ist, die Kontinuität bei den Nebenfiguren. Hier muss man jederzeit mit einem Auftritt rechnen, den man gar nicht auf dem Schirm hatte. So erging es mir dieses Mal mit Caitlin, denn da musste ich tatsächlich erst einmal nachsehen, wie lange das eigentlich schon zurück lag. Und Staffel drei ist ja nun wirklich schon eine Weile her. Entgegen ihrer damaligen Ankündigung, sich ins Familienleben zurückzuziehen, ist sie also in den Beruf des Anwalts zurückgekehrt. Eine taffe Gegnerin für Alicia und Diane, die sich all ihrer Tricks bewusst ist. Aber kein Wunder, sie hat von den besten gelernt und wer dazu die Nichte von David Lee ist, der hat es garantiert faustdick hinter den Ohren. Allerdings war es auch schade, dass dieses Verwandtschaftsverhältnis überhaupt nicht thematisiert wurde. Wenigstens einen Halbsatz gegenüber David hätte man in der Kanzlei fallen lassen können. Der Fall an sich, war aber wieder einmal hochaktuell, liest man inzwischen doch regelmäßig von Drohnen, die eben nicht nur die Nachbarschaft überfliegen, sondern zum Beispiel auch den Flugverkehr gefährden. Mir ist jedoch unverständlich, warum man diesen Fall unbedingt wieder mit Reese Dipple in Verbindung bringen musste, denn seitdem Oliver Platt eine Rolle in Dick Wolffs Chicago Universe Serien bekleidet, fand sein Charakter nur noch namentliche Erwähnung und geht im allgemeinen Kanzleiwirrwarr eher unter. Wenn es also nur dazu dienen sollte, mit Alicia und Diane zwei der Top-Namen gemeinsam vor Gericht zu sehen, dann von mir aus. Das finale Urteil zeigt einmal mehr auf, dass in Bezug auf Drohnen dringend Gesetze von Nöten sind. Der Richter hatte quasi gar keine andere Wahl, als den Freispruch zu erwirken. Seit langem mal wieder eine Niederlage für Lockhardt, Agos & Lee. Am Ende bleibt in Bezug auf Caitlin noch die Erkenntnis, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Anwalt eine schwere Bürde ist. Das hat auch Alicia am eigenen Leib erfahren müssen.

Fazit

Keine Frage, die Folge war spannend erzählt, die fortlaufenden Handlungsfäden verdichten sich zunehmend. Es war eine unterhaltsame Sache. Doch dabei bleiben nicht alle Charaktere positiv in Erinnerung. Die Machtspiele in der Kanzlei sind ein Armutszeugnis von Alicia und Diane gegenüber Cary, der mit diesem womöglich letzten Auftritt, trotz Hauptfigur, einen armseligen Abschied erhalten hat. Eine finale Bewertung fällt daher schwer. Der hohe Unterhaltungswert übertrifft in meinen Augen jedoch das mitunter kritikwürdige Verhalten der Akteure, so dass ich am Ende doch sieben Punkte vergeben kann.

Jan H. – myFanbase

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