Bewertung: 4

Review: #5.09 Cyber-Mobbing

Foto: Alan Cumming, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Alan Cumming, Good Wife
© Paramount Pictures

Nachdem die fünfte Staffel bisher mit guten Episoden nur so aus allen Rohren schoss, legt "Good Wife" mit dieser Folge eine kleine Verschnaufpause ein. Einige Handlungsstränge fühlen sich altbekannt an, während andere gezwungen und albern daher kommen. Nur ein kleiner Ausrutscher vor dem Jubiläum mit der 100. Ausgabe in der kommenden Woche?

Hammer und Maulwurf

Diesem Spiel ist bestimmt jeder von uns schon einmal begegnet: Maulwürfe kommen aus Löchern hervor und man versucht nun, sie mit einem Hammer in ihre Löcher zurückzuschlagen. Das Spiel ist ein Wettbewerb um das Reaktionsvermögen und so lässt sich "Whack-a-Mole" nun hervorragend auf den aktuellen Fall der Woche übertragen, in dem Alicia und Cary einmal mehr auf ihren alten Arbeitgeber in Form von Will und seinem neuen Anwaltskollegen Damian Bolye treffen. Auf einer Webseite entstehen mit einer Geschwindigkeit immer wieder neue Threads (die Maulwürfe), die Alicias Klienten diskreditieren, dass sowohl Alicia als auch Richter Kluger kaum noch mit Einsprüchen und Urteilen (der Hammer) hinterher kommen. Das sorgt im Gericht nicht nur für diebische Freude bei Will, sondern beim Zuschauer auch für einige, herzhafte Lacher, die vor allem durch Richter Kluger hervorgerufen werden. Ansonsten ist das eigentliche Thema des Falls eigentlich gar nicht zum Lachen, wird doch ein unschuldiger Bürger, arabisch-islamischer Abstimmung einfach öffentlich denunziert und als vermeintlicher Attentäter dargestellt, ohne dass sich selbst ein Gericht dagegen verwehren kann. Die Kritik an dem Problem der unkontrollierten Meinungsmache im Internet ist deutlich und die Erkenntnis, dass man dagegen quasi machtlos ist und nur reagieren statt präventiv vorgehen kann, ist einfach nur ernüchternd.

Grundsätzlich war das mitunter also spannend anzusehen, aber irgendwie beschlich mich auch das Gefühl, dies so ähnlich schon früher einmal bei "Good Wife" gesehen zu haben. Spätestens in den Fällen, in denen es um gerichtliche Auseinandersetzungen mit Chumhum ging, gab es schon einige Parallelen zum aktuellen Fall. Immerhin war dies aber der erste Gerichtsstreit, der von Florrick/Agos gewonnen wurde und somit auch für gute Stimmung sorgte. Glückwunsch an Alicia und Co, der erste Erfolg ist geschafft und weitere werden sicher folgen. Für eine gute Szene sorgte außerdem noch der Besuch von Will und Diane in den neuen Büroräumen der Rivalen, die sie aufgrund der spartanischen Ausstattung an ihre eigene Anfangszeit erinnerte. Dieser kleine Nostalgie-Trip zog damit auch eine erneute Parallele zu Alicia und Cary als "the new Will and Diane", das von Cary inzwischen schon mehrfach zitiert wurde. Etwas irritierend empfand ich hingegen die letzte Szene der Episode, als Richter Kluger Alicia per Telefon zum Kaffeetrinken einlud. Im ersten Moment war das überraschend und witzig zugleich, andererseits frage ich mich aber auch, ob das zukünftig noch einmal eine Rolle spielen wird oder lediglich ein kleiner, humoristische i-Punkt auf diese Folge darstellen sollte.

Der Neue

Die Expansionspläne von Lockhart/Gardner verlangen offenbar nach einer Nachbesetzung der offenen Posten, die durch die Gründung von Florrick, Agos & Associates entstanden sind. Das wäre meiner Meinung nach eigentlich gar nicht nötig, gibt es mit der Spaltung in zwei Kanzleien doch wirklich genügend Konfliktpotential und Charaktere sowieso. Will zeigt sich bei der Suche nach einem geeigneten Kandidaten einmal mehr von seiner immer stärker ausgeprägten, unkonventionellen Seite, als er dem zwielichtigen Damian Boyle den Vorzug gibt und damit zunächst auch seine Partner vor vollendete Tatsachen stellt. Letzten Endes bleiben aber nur Diane und Kalinda mit ihren Zweifeln zurück. Wobei es mir gerade im Fall von Diane gut gefällt, dass sie ihren Prinzipien treu bleibt und Damian gegenüber eine gewisse Skepsis aufrecht erhält, deren mögliche Berechtigung sie von Kalinda genauer untersuchen lassen will. Aufgrund dessen Vergangenheit und seiner ungewöhnlich, ausgefallenen Art des Umgangs mit Fällen und Klienten, wird es hier sicher noch zu einigen Überraschungen kommen. Bei seinem ersten Auftritt hinterließ er bei mir allerdings (noch) keinen wirklich positiven Eindruck. An überschüssigem Selbstvertrauen mangelt es ihm schon einmal nicht und sein machohaftes Auftreten sorgt auch nicht gerade für steigende Sympathien. Da müssen die Autoren auch ein wenig aufpassen, dass sie ihre Charaktere nicht zu sehr überzeichnen. Ich habe nichts gegen eine zwielichtige Figur, aber etwas feinsinniger kann man diese durchaus anlegen. Ein Paradebeispiel ist da für mich immer David Lee, bei dem diese Gratwanderung doch bestens funktioniert. Damians High-School-Streich mit dem geklauten Mobiliar bei Florrick/Agos fand ich dann auch ziemlich albern und zudem unrealistisch. Welche Möbelpacker tragen schon Hemdsärmel und Anzughosen? Zumal Damian auch noch Howard Lyman dabei hatte, der ja nun wirklich bekannt sein sollte, wenn sich Alicias neue Kanzlei wirklich nur aus ehemaligen Angestellten von Lockhart/Gardner zusammensetzen sollte. In Kalinda und ihren Nachforschungen könnte Damian aber noch seine Meisterin finden. Ein Dämpfer wäre ihm schon jetzt wirklich zu wünschen.

Eli und Jackie Reloaded

So sehr ich Jackie und Eli auch gerne in gemeinsamen Szenen sehe, es fühlte sich dieses Mal leider nur wie eine weitere Variante beziehungsweise einem neuen Aufguss altbekannter Streit-Muster an. Das sorgte zwar durchaus für witzige und unterhaltsame Dialoge, ich würde mir jedoch etwas mehr Beschäftigung für Jackie wünschen, als lediglich als Stolperstein für Eli zu fungieren. So fiel es wieder einmal auf, dass Peter in dieser Folge durch Abwesenheit glänzte, obwohl dieser Handlungsstrang sehr wohl auch eine Präsenz von ihm möglich gemacht hätte. Schließlich ist Jackie nun einmal seine Mutter und die drohende Offenbarung der Affäre seines Vaters hätte durch seine Anwesenheit noch besser zu Geltung kommen können. Letztendlich hätte es aber auch nichts daran geändert, dass die ganze Story ein wenig erzwungen und fremd wirkte. Über Peters Vater wissen wir bislang kaum etwas, aber ausgerechnet eine Affäre mit der nun ins Auge gefassten Kandidatin für das Richteramt am Supreme Court kam dann doch etwas zu gelegen. Der einzig interessante Aspekt im Zusammenhang mit dieser Story war für mich die Parallele von Jackie und Alicia, die eben durch die Affäre ihrer Männer eine (mir) bislang unbekannte Gemeinsamkeit bekommen haben. Wie immer kann man sich bei Jackie auch nie ganz sicher sein, wie es in ihrem Inneren aussieht und inwiefern sie die Affäre ihres Mannes heute noch immer verletzt. Insofern spielt auch sie vielleicht nur die "Good Wife". Ihre vermeintliche Verbitterung und mögliche Rache hat aber vielleicht auch das falsche Ziel, schließlich war es doch ihr Mann, der sie damals betrogen hat.

Fazit

Mit Folge 99 von "Good Wife" nimmt sich die zuletzt qualitativ steil nach oben zeigende Entwicklung der fünften Staffel eine hoffentlich nur kleine Auszeit und kann sicher bereits in der Jubiläumsfolge der kommenden Woche wieder überzeugen. Leider fühlte sich in dieser Episode mit dem Fall der Woche und dem Gerangel von Jackie und Eli vieles doch zu sehr bekannt und wiederholend an. Zudem wirkte der Humoreinsatz häufig doch recht aufgesetzt, was der eigentlichen Drama-Serie bisher doch stets eleganter gelang. Auch die neue Figur des Damian Boyle konnte nicht auf Anhieb Sympathien gewinnen. Angesichts der bislang aber äußerst überzeugenden Season, ist ein kleiner Ausrutscher nach unten aber durchaus zu verschmerzen.

Jan H. – myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "Good Wife" über die Folge #5.09 Cyber-Mobbing diskutieren.