Bewertung: 6

Review: #4.13 Die Sieben-Tage-Regel

Foto: Julianna Margulies, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies, Good Wife
© Paramount Pictures

"Good Wife" ist oft dann am besten, wenn es die Grenzen zwischen den Guten und den Bösen verschwimmen lässt und in Folge dessen nicht umhin kann, zynisch und desillusioniert zu wirken. #4.13 Die Sieben-Tage-Regel ist eine der zynischsten Episoden, die die Serie je produziert hat und eigentlich kommt dabei als Ergebnis auch eine wirklich gute Folge heraus. Nur leider ist der Haupthandlungsstrang rund um Alicia leider auch von einer Annahme abhängig, die in meinen Augen nicht funktioniert und unsere Protagonistin intellektuell unter Wert verkauft.

Die Sache rund um Alicias Beförderung zu Partnerin und wie sie Schritt für Schritt die Motive dahinter herausfand, die alle wenig schmeichelhaft für sie waren, sorgte wirklich für großartige Unterhaltung und der Aufbau war für uns Zuschauer sicher sehr überraschend und dadurch auch befriedigend. Nur leider muss man dafür annehmen, dass Alicia in diese Situation völlig naiv und ohne Vorwissen hineingeht. Für uns Zuschauer, oder zumindest für die von uns, die mit Anwaltsfirmen und Partnerschaftsmodellen nichts zu tun haben, mag dies zutreffen, schließlich zwingen mich gerade Serien wie "Good Wife" aber auch "Mad Men" immer wieder dazu, die Verwaltungs- und Eigentumsmechanismen von auf Partnerschaften basierenden Unternehmen zu recherchieren. Aber das Alicia, die juristisch und auch zwischenmenschlich hochintelligent ist, nichts von den Anteilen, die sie für eine Partnerschaft einbringen muss, ahnt, will mir nicht in den Kopf. Es untergäbt in meinen Augen einfach ihre Integrität und auch ihre Intelligenz, dass sie erst David Lee benötigt, um überhaupt davon zu erfahren, aber auch den Zusammenhang zwischen den finanziellen Problemen der Kanzlei hätte sie von allein erkennen müssen.

Es ist wirklich schade, denn wenn man es genau betrachtet, hängt der komplette Verlauf dieser Episode davon ab, dass Alicia jede einzelne Erkenntnis von Außenstehenden erhält und nicht eine davon selbst erkennt. Und so sehr ich die zwielichtigen Details des Deals als gelungen empfinde, so frustrierend finde ich dabei Alicias Naivität, die einfach komplett out of character ist.

Unabhängig von Alicias Verhalten ist die Grundlage der Entscheidung, sie zur Partnerin in der Kanzlei zu machen und dies unter wenig schmeichelhaften Bedingungen aber eine sehr gute Idee, die sicher zahlreiche Möglichkeiten bietet. Dabei hat mir vor allem Dianes Rede an Alicia am Ende der Folge gefallen, die ihrer Untergebenen noch einmal gehörig den Kopf gewaschen hat und sie auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Ich hätte mir nur gewünscht, der Weg dahin wäre etwas weniger auf Schockmomente ausgelegt und dafür schlüssiger für den so wichtigen Charakter Alicia erfolgt.

All die anderen Aspekte dieser Episode, die in allen Ebenen vom gleichen Zynismus durchzogen waren, konnten mich da schon mehr überzeugen. Besonders Alicias Umgang mit der Gretchenfrage hat mir sehr gefallen. Diese Nebenhandlung lebte vor allem von den kleinen Momenten: Ihrer Genervtheit von Jordan, ihre Gereiztheit während der Wahlkampfveranstaltung bis hin zu ihrem klaren Bekenntnis zum Atheismus. Das ist die Alicia, die sich von niemandem etwas vormachen lässt, die die ihr vorliegenden Fakten mitsamt all den unausgesprochenen Implikationen erfasst und auch schnell interpretieren kann und sich in der Art und Weise verhält, wie sie es für richtig hält.

Nebenher wurde hier auch die Geschichte rund um die Firmeninsolvenz aufgelöst, oder zumindest um weitere fünf Monate vertagt. Bisher hat dieser Aspekt für mich lediglich eine gute Sache hervorgebracht, und dass ist Clarke Hayden. Die Mechanismen der Insolvenz konnten sich zu wenig von der ähnlichen Geschichte in der zweiten Staffel unterscheiden, aber Hayden hat es geschafft, als eigenständiger und interessanter Charakter das "Good Wife"-Universum zu bereichern. Hoffentlich sehen wir ihn einmal wieder, nachdem er nun nicht mehr für Lockhart/Garnder zuständig ist.

Fazit

Es tut mir etwas in der Seele weh, denn diese Episode hat wirklich großartig unterhalten, aber sie hatte doch einige eklatante Schwächen uns so muss ich doch ein paar Punkte abziehen. Nichtsdestotrotz bleibt die Staffel weiterhin auf einem sehr guten Kurs, daran ändert auch dieser kleine Ausrutscher nichts.

Cindy Scholz - myFanbase

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