Bewertung: 8
Stephen Frears

Lady Henderson präsentiert

Wer will Bob "Super Mario" Hoskins nackte Blöße sehen? Jeder, der das will, und sich dabei auch noch super unterhalten lassen möchte, kann das ab dem 22.06.2006 in "Lady Henderson präsentiert" tun. Ach ja, Judi Dench spielt auch mit.

Foto: Copyright: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Inhalt

Nie wieder soll ein junger Soldat in den Krieg ziehen, ohne vorher mindestens eine Frau nackt gesehen zu haben. Das ist das "geheime" Motto von Laura Henderson (Judi Dench). Laura Henderson ist Witwe und sie ist sehr reich. Sie könnte sich jetzt einen jüngeren Liebhaber suchen. Sie hat ja viel Geld… Oder sie könnte häkeln… Was Witwen halt so tun… Sie entschließt sich allerdings etwas Außergewöhnliches mit ihrer Zeit anzufangen. Den Leuten etwas zu geben. Die Lady kauft das Windmill Theatre in Soho (kleine Notiz: in Soho lässt Nick Cave seine Anzüge schneidern) und lässt es komplett durchsanieren.

Jetzt braucht es nur noch einen kompetenten und erfahrenen Manager. Der jüdische Vivian Van Damm (keine Frau, kein Van Damme, sondern Bob Hoskins) ist ihr Auserwählter. Man kann sagen, die beiden Exzentriker Van Damm und Mrs. Henderson waren sich von Anfang an sympathisch. So wird zum Beispiel das "r" im Namen der Revuetruppe "die Millerettes" konsequent ausdiskutiert. Ein guter Streit sollte auch niemals unterbrochen werden! Van Damm will sämtliche künstlerischen Entscheidungen selber treffen. Im Prinzip trifft Van Damm überhaupt alle Entscheidungen… Er möchte etwas Neues erschaffen. Rund um die Uhr Theater. Das setzt sich auch eine Weile durch, bis das Konzept kopiert wird.

Laura hat aber soviel Geld, sie gibt nicht auf. Sie fordert von allen Mitarbeitern mehr Mut. Sie will, dass die Akteure von nun an nackt auf der Bühne stehen. Ein ganz schön dickes Ei, im England der 30-40 Jahre. Natürlich gibt das Probleme mit der Zensur. Henderson kommt aus den feinsten der feinen Kreise und kennt den Zensierapparat Lord Cromer höchst persönlich. Mit ein wenig "Schmackes" lässt sich der Lord überreden. Die Mädels dürfen sich aber nicht bewegen. Sie müssen wie Gemälde sein… Gerade fängt es mit der Fleischeslust an, schon geht der zweite Weltkrieg auch schon los. Wer Bomben mit Brüsten verwechselt, hat in seinem Flieger definitiv einen Tagtraum. Brüste tun nämlich niemanden weh. Darum blieb das Windmill Theatre (später wird die Legende Peter Sellers hier seine Anfänge feiern) auch während des Krieges geöffnet.

Kritik

Die Geschichte von Laura Henderson ist eine wahre Geschichte. Mit "Lady Henderson präsentiert" ist ein wunderbar kleines Filmchen entstanden. Der britische Pop Idol Gewinner "Will Young" gibt hier sein Kinodebüt in einer Nebenrolle als schwuler Sänger. Im Prinzip spielt er damit zwar sich selbst, aber er spielt an der Seite von Judi Dench und Bob Hoskins. Im Grunde ist das schon sehr beachtlich. In Deutschland wäre so etwas nicht möglich. Alexander Klaws an der Seite von Silvester Stallone in "Rambo 4 – Nur die stärksten Überleben". Undenkbar! Auch die hübsche Kelly Reilly (ist auf den Plakaten ganz groß drauf) ist mit ihrer Rolle des "ich verliebe mich in alle Männer, darum bleibe ich auf der Bühne lieber die unantastbare Jungfer" superbst besetzt. Wenn sich so eine schöne Frau nur in Wirklichkeit so schnell verlieben könnte… Achso, stimmt ja, ist ja eine wahre Geschichte… Judi Dench und Bob Hoskins, zwei Leinwandgötter. Die beiden haben schon Filme gedreht, da waren nicht mal die Eltern von Alexander Klaws geboren. Dench und Hoskins, sie zanken sich, sie versöhnen sich, sie spielen perfekt. Judi Dench wurde dieses Jahr auch als beste Hauptdarstellerin für die Rolle der Laura Henderson für den Oscar nominiert.

Das Set des alten Englands hat seinen ganz eigenen Stil - den "normalen" Stil der 30-40 Jahre und einer Art "Leichtigkeit" des Krieges. Wenn England bombardiert wird, die Kamera über die Stadt schwenkt, der Himmel schwarz- orange gefärbt ist und Laura Henderson auf dem Dach ihres Theaters steht, hat das was poetisch – pessimistisch – optimistisches.

Fazit

Ein Film, leichtfüßig und zugleich schwer. Ein kleines Musical und ein kleines Drama. Der Film unterhält mit besten englischem Humor. Absolut empfehlenswert! Zur Winterzeit hätte dieser Film vielleicht noch mehr Leute in die Kinos ziehen können. Im Winter wird aber sicherlich die DVD im Handel erhältlich sein. Ein kleiner vorab Weihnachtstipp.

René von Bork - myFanbase
18.06.2006

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