Bewertung
Jenny Gage

After Passion

"The Great Gatsby. It's a good book. I'd hate to spoil it, but it was all a dream." - "Actually, it was all a lie."

Foto: After Passion - Copyright: Constantin Film
After Passion
© Constantin Film

Inhalt

Für Tessa Young (Josephine Langford) beginnt ein neuer Lebensabschnitt, als ihr erstes Jahr am College startet. Die ruhige Tessa wird von ihrer beschützerischen Mutter Carol (Selma Blair) sowie ihrem festen Freund Noah (Dylan Arnold), der noch die Highschool besucht, begleitet. An der Washington State University angekommen lernt Tessa ihre Mitbewohnerin Steph (Khadijha Red Thunder) kennen, die Carol sofort für einen schlechten Einfluss hält. Tessa gibt sich weniger besorgt und trifft bald darauf Hardin Scott (Hero Fiennes Tiffin), einen Freund von Steph. Zwischen den beiden liegt schnell etwas in der Luft, doch Tessa hält nicht viel von den Spielchen, mit denen sich Steph und ihre Freunde die Zeit vertreiben, weshalb sie Hardin auf Abstand hält. Es dauert jedoch nicht lange, bis es zwischen Tessa und Hardin zu einem Kuss kommt, woraufhin Tessa die Beziehung mit Noah beendet. Als ihre Mutter davon erfährt, dreht Carol Tessa den Geldhahn zu, da sie der Meinung ist, dass Hardin Tessa nur das Herz brechen wird, zudem soll ihre Tochter sich lieber auf das Studium konzentrieren. Tessa will sich von ihrer Mutter nicht bevormunden lassen und bleibt bei Hardin, wodurch sich zwischen den beiden eine intensive Liebesgeschichte entwickelt. Doch der rebellische Hardin ist nicht ganz ehrlich zu Tessa, was jene bald darauf herausfindet.

Rezension

Die Geschichte basiert auf dem ersten Teil der gleichnamigen Romanreihe von Anna Todd und präsentiert sich zu Beginn wie eine von vielen Romanzen. Als Protagonisten haben wir ein junges und unschuldiges Mädchen sowie einen mysteriösen und charismatischen jungen Mann. Dass sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte entwickeln wird, ist sofort klar und auch die Antagonistin Molly kann man sofort identifizieren. Der Film und seine Figuren - allen voran die beiden Hauptcharaktere Tessa und Hardin - erfüllen viele Klischees. Die süße, zerbrechliche Tessa wirkt wie die Unschuld vom Lande, schaut betreten zur Seite, wenn Hardins Blick sie streift und kleidet sich wie ein Mauerblümchen. Hardin dagegen ist der dunkle, geheimnisvolle Grübler, der eine enorm harte Schale hat, dies es für die Heldin der Geschichte nun zu knacken gilt. Dieser Prämisse haben sich schon unzählige Filme bedient, weshalb "After Passion" sich nur schwer von anderen Teenager-/ Collegefilmen absetzen kann.

Auch schauspielerisch gesehen haut einen die Romanverfilmung nicht gerade um. Josephine Langford als Tessa hat mir da noch relativ gut gefallen, da die Charakterzüge von Tessa gut zu ihr passen und authentisch verkörpert werden. Schwerer hat es dagegen Hero Fiennes Tiffin als Hardin, denn irgendwie gelingt es ihm nur selten, Emotionen zu transportieren. Das mag zwar manchmal durchaus passen, da Hardin kein Mensch ist, bei dem man allzu leicht unter die Oberfläche schauen kann, doch das Problem liegt für mich eher daran, dass Fiennes Tiffin das Funkeln in den Augen fehlt. Während Langford mit Blicken sehr viel zu vermitteln weiß und dem Zuschauer die Gefühlslage von Tessa schnell näherbringen kann, wirkt Fiennes Tiffin innerlich tot, da sein Blick häufig vollkommen leer ist. Umso mehr fällt dieser Umstand auf, wenn Hardin dann einmal herzlich lachen kann und endlich ein paar Gefühle aus ihm herausschwappen. Bei ernsten Situationen und ganz besonders in Bezug auf Hardins Vater (Peter Gallagher) fehlt es aber an schauspielerischem Feingefühl. Hardins harte Worte klingen seltsam hohl und seine Mimik ist häufig so versteinert, dass die Figur recht karg wirkt.

Ein Großteil der Handlung ist sehr vorhersehbar und wenn es dann an einen Wendepunkt kommt, fühlt sich die Geschichte plötzlich ziemlich überspitzt an. So ging es mir bei Carols Reaktion, als sie Tessa mit Hardin gesehen hat und auch später dann wieder, als Tessa von Hardins Wette erfuhr. Man hat zu wenig über das Mutter-Tochter-Verhältnis erfahren, um einordnen zu können, weshalb Carol so über reagiert. Ähnlich fremd fühlt sich der Streit zwischen Hardin und Tessa an. Dabei konnte ich zudem nicht recht nachvollziehen, weshalb Hardin nicht zu einer Erklärung ansetzt. War er von seinen eigenen Gefühlen überrumpelt? Sich selbst hatte er diese doch aber schon längst eingestanden, weshalb also nicht dazu stehen? Hardin, der ohnehin schwer einzuschätzen ist, wird durch das mittelmäßige Schauspiel von Fiennes Tiffin noch unleserlicher, als er ohnehin schon sein soll. Da es sich um den Auftakt einer Romanreihe und deren Verfilmung handelt, bin ich von einem offenen Ende ausgegangen. Ich war daher etwas überrascht davon, dass man dem Liebespaar am Ende dann doch schon eine Versöhnung in Aussicht gestellt hat. Dadurch ist mir nicht ganz klar, worum sich die kommenden Teile nun drehen sollen.

Fazit

"After Passion" ist eine Liebesgeschichte mit Auf und Ab wie man sie schon häufig gesehen hat. Sowohl inhaltlich als auch schauspielerisch gibt es keine großen Überraschungen oder grandiose Momente. Dennoch war mir Josephine Langford sympathisch, weshalb ich mir auch die weiteren Teile der Geschichte ansehen werde.

Zur Rezension des zweiten Teils "After Truth"
Zur Rezension des dritten Teils "After Love"


Marie Müller - myFanbase
10.01.2022

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