Bewertung: 7
Terry McDonough

Ein Abenteuer in Raum und Zeit - Die Geschichte von Doctor Who beginnt genau hier

Im Jahre 2013 feierte die BBC-Kultserie "Doctor Who" ein wichtiges Jubiläum, ganze 50 Jahre wurde sie da bereits ausgestrahlt und mittlerweile ist sie erfolgreicher als je zuvor. Zeit für die BBC, auf die Anfänge zurück zu blicken und mit dem Fernsehfilm "Ein Abenteuer in Raum und Zeit" den turbulenten Anfänger der Kultserie ein Denkmal zu setzen.

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Inhalt

1963 benötigt die BBC für ihr Vorabendprogramm eine dreißigminütige Serie, die möglichst alle Generationen ansprechen sollte und so die ganze Familie vor dem Bildschirm bannt. Der Dramachef des Senders, der extravagante und einfallsreiche Sydney Newman (Brian Cox) möchte unbedingt eine eigene Science-Fiction-Serie für diese Lücke entwerfen und entwickelt die Grundzüge der Serie "Doctor Who". Dann beauftragt er die junge Produzentin Verity Lambert (Jessica Raine) mit diesem ambitionierten Projekt. Lambert ist damit die erste Frau in einer solchen Position in ganz England und nimmt sich der Herkulesaufgabe an. Einen wichtigen Baustein für "Doctor Who" findet sie in William Hartnell (David Bradley), den Hauptdarsteller der Titelrolle.

Kritik

"Ein Abenteuer in Raum und Zeit" ist mit Leib und Seele Dokutainment. Der Film ist von "Doctor Who"-Fans für "Doctor Who"-Fans gemacht und auch wenn die erzählte Zeitgeschichte wirklich faszinierend ist, kann der Film nicht als eigenständiges Werk betrachtet werden. Für einen Zuschauer, der noch nie "Doctor Who" geschaut hat, gibt es hier sicher nicht viel zu entdecken, dafür fehlt vor allem den Charakteren zu viel Tiefe und Handlungsspielraum, der über die zu erzählenden Fakten und die festen Zeitpunkte der Geschichte hinausgeht. So ist Verity Lambert als erste Produzentin der BBC eine wirklich spannende Figur, aber wir erfahren keinerlei Details über sie, was nichts mit "Doctor Who" zu tun hat. Und da ist sie neben William Hartnell noch die am besten ausgearbeitete Figur des Filmes. Aber für "Doctor Who"-Liebhaber bietet der Film trotz dieser Schwäche, die wohl hauptsächlich der doch arg kurzen Laufzeit von 83 Minuten geschuldet ist, doch einiges an Unterhaltungswert, Informationen und dem Langzeitzuschauer sicherlich viel Nostalgie, während die Fans der jüngeren Generation ganz neue Aspekte ihrer Lieblingsserie entdecken können. Da wären zum einen die schieren Fakten, angefangen mit der Tatsache das bei "Doctor Who" die erste Frau als Produzentin innerhalb der BBC tätig war, ebenso wie der erste aus Indien stammende Regisseur. Zwar schneidet man die enorme Tragweite dieser Tatsachen nur an und deutet Themen wie Sexismus und Rassismus nur ganz, ganz beiläufig an, aber man erkennt doch, wie progressiv "Doctor Who" doch von Beginn an war.

Die ganz große Stärke hat der Film aber im Darsteller des ersten Doctors gefunden, denn David Bradley verkörpert den ersten Schauspieler des Doctor, der damals ja noch nicht als Nummer 1 einer langen Reihe, sondern als der einzig wahre geplant war, herzergreifend. Vor dem Hintergrund, wie William Hartnell an die auf dem Papier vielleicht auch manchmal alberne klingende Rolle herantrat und ihr Würde und damit eine enorme Bedeutung verliehen hat, bis zu seinem bitteren Rücktritt. Hartnell erhält die bei den anderen Figuren vermisste Charaktertiefe sowohl vom Drehbuch, aber ganz besonders von David Bradley.

So ist besonders die zweite Hälfte des Films wirklich gelungen, denn hier konzentriert sich die Nacherzählung des "Doctor Who"-Mythos ganz auf William Hartnell und seinen Werdegang als der Doctor. Während der erste Teil von "Ein Abenteuer in Raum und Zeit" noch eher auf die Macher hinter der Kamera fokussiert ist, besonders auf Verity Lambert und den Regisseur Waris Hussein. Mit der Zeit nimmt aber Hartnell immer mehr Raum ein und so gehören ihm auch die finalen Augenblicke des Films. Schön ist dabei, dass er mit der ersten Regeneration des Doctors und wie es dazu kam einen würdigen Kulminationspunkt seiner Storyline erhält, der besonders in seiner stillen Trauer über den Verlust dieser ikonenhaften Rolle den Zuschauer wirklich sehr rühren kann. Verity Lambert erhält einen solchen wichtigen Abschiedmoment leider nicht, sie verlässt nach zwei Dritteln der Geschichte "Doctor Who" für einen neuen Job, von dem wir leider weder erfahren um welchen es sich handelt, noch wie es ihr dort ergeht. Das ist etwas schade, und gehört mit der Tatsache, dass die Darsteller-Companions der frühen Tage hier leider auch sehr wenig Screentime und inhaltliche Relevanz erfahren, zu den größten Schwächen dieses Fernsehfilms.

Diese Schwächen können die auf der DVD enthaltenen Specials aber doch ein wenig ausgleichen. Denn dort kommen besonders die Nebenfiguren der ereignisreichen Hintergrundgeschichte wie die frühen Companions des Doctors zu Wort und erzählen über ihre Erfahrungen am Set, aber auch über ihr Verhältnis zum legendären William Hartnell. So führt einen die allererste Begleiterin des Doctors, Carole Ann Ford durch ein Making-Of des Films und man lernt so die vielen Details und Referenzen zum Original noch etwas besser zu schätzen. Die beiden Features, die sich zum einen noch einmal mit dem besonderen Stellenwert von William Hartnell, zum anderen eben mit der Entstehunggeschichte des Films befassen, bilden damit das Herzstück der DVD-Extras und werden durch einige interessante Szenenausschnitte, die entweder aus dem Film herausgeschnitten wurden und dort nur im Hintergrund zu sehen waren, ergänzt.

Fazit

"Ein Abenteuer in Raum und Zeit" ist für jeden "Doctor Who"-Liebhaber, ob Fan der ersten Stunde oder der zweiten Generation nach der Wiederbelebung des Franchises in den vergangenen Jahren eine wunderbare Ergänzung, zu den Original-DVDs zur Serie. Die 85 Minuten, die man dem Film widmet sind gut investiert und glänzen besonders durch ganz viele Liebe zur zu Grunde liegenden Serie und durch großartige Schauspieler. Zuschauer ohne "Doctor Who"-Vorwissen werden "Ein Abenteuer in Raum und Zeit" aber wohl nicht viel abgewinnen können.

Technische Details

Erscheinungstermin: 25. Juli 2014
FSK: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: ca. 83 Min.
Bildformat: 16:9 - 1.77:1
Sprache (Tonformat): Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch

Cindy Scholz - myFanbase
05.10.2014

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