Bewertung: 6
R.J.Cutler

Wenn ich bleibe

"Isn't it amazing how life is one thing and then, in an instant, it becomes something else. Like here I am, Mia, the girl who thinks about the cello and Adam, and whether I get a stupid letter or not, and just like that..."

Foto: Copyright: 2014 Warner Bros. Ent. Alle Rechte vorbehalten.
© 2014 Warner Bros. Ent. Alle Rechte vorbehalten.

Inhalt

Die 17-jährige Mia (Chloe Grace Moretz) ist eine begabte Cellistin, die vor einer schwierigen Entscheidung steht. Soll sie nach New York an die Juilliard gehen, um der Musik zu folgen oder bei ihrer großen Liebe Adam (Jamie Blackley), dem Frontsänger der Band Willamette Stone, bleiben? Für Mia ist dies die schwerste Entscheidung, die sie sich jemals hätte vorstellen können, bis ein tragischer Autounfall auf eisglatter Straße ihr Leben verändert. Mias Eltern kommen dabei ums Leben und ihr jüngerer Bruder Teddy (Jakob Davies) hat schwere Verletzungen, bei denen sich die Ärzte nicht sicher sind, ob er diese überleben wird. Mia selbst fällt ins Koma und kommt in einen außerkörperlichen Zustand, in dem sie das Geschehene um sich herum wahrnehmen kann. Während ihr früheres Leben vor ihr vorbeizieht, liegt es nun an ihr, ob sie ein Leben als Waise führen und aufwachen möchte, oder ob sie von dieser Welt gehen will.

Kritik

"Wenn ich bleibe" ist eine der zahlreichen Jugendbuchverfilmungen, die im Jahre 2014 im Kino erscheinen. Die Vorlage zu diesem Film entspringt der Feder von Gayle Forman und wurde 2009 im Original erstmals veröffentlicht. Das Buch und dessen Nachfolger wurden zu einem internationalen Erfolg und so war es nur eine Frage der Zeit, bis man auch dieses verfilmen würde.

Mit Chloe Grace Moretz und Jamie Blackley wurden zwei grandiose Darsteller gecastet, die ihre Rollen hervorragend verkörpern. Mia ist eine Cellistin, die gerne klassische Musik hört und ein eher in sich gekehrtes junges Mädchen ist. Aus diesem Grund ist es für sie schwer nachzuvollziehen, weshalb sich der gutaussehende Mädchenschwarm und Indie-Rocker Adam in sie verliebt. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein und das macht sie perfekt füreinander. Man sagt schließlich nicht umsonst, dass Gegensätze sich anziehen.

Moretz wurde durch ihre Verkörperung von des toughen Hit-Girls in "Kick-Ass" bekannt. Dass sie allerdings nicht nur tough sein kann, beweist sie in "Wenn ich bleibe". Überzeugend spielt sie die schwierige, vielschichtige Rolle der Mia und schafft es, dem Zuschauer ihre Gefühlswelt nahezubringen. Man würde meinen, dass es sich bei diesem Film um eine reine Liebesgeschichte handelt, doch es steckt viel mehr dahinter. Mia wird vor eine lebensverändernde Wahl gestellt, wobei Fragen aufgeworfen werden, denen man in so einem jungen Alter am liebsten aus dem Weg gehen würde. Wie wäre es, ein Leben ohne seine Familie zu führen und das restliche Leben als Waise zu verbringen? Kann man einen solchen Verlust wirklich verkraften? Und ist eine erfolgreiche Karriere wichtiger als die erste große Liebe? Mit all diesen Fragen wird Mia konfrontiert und Moretz gelingt es, sich als Mia mit diesen auseinanderzusetzen und sich wirklich in ihren Charakter hineinzuversetzen - und das spürt man beim Zusehen.

Doch auch wenn Jamie Blackley einen fantastischen Adam mimt, stimmt die Chemie zwischen ihm und seiner Schauspielkollegin Chloe Grace Moretz einfach nicht. In ihren jeweiligen Rollen überzeugen sie, allerdings funktionieren die beiden zusammen nicht wirklich gut. Man kann nicht mal genau festlegen, woran das liegt, aber der Funke springt nicht über, was sehr schade ist. Der Film sollte vor Emotionen übersprudeln, doch bis auf einige wenige rührende Momente wird in dieser Hinsicht nichts ausgelöst. Die Zuschauer sollten sich in den Rückblenden gemeinsam mit Mia in Adam verlieben, doch geklappt hat das bei "Wenn ich bleibe" leider nicht. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Blackley ein einzigartiger und zudem sehr hübsch anzusehender britischer Schauspieler ist, der ein bewundernswertes musikalisches Talent besitzt. Dafür Hut ab.

Regisseur R.J. Cutler ist es sehr gut gelungen, eine Balance zwischen dem Hier und Jetzt und Mias früherem Leben zu finden. Die Rückblenden werden gezielt eingesetzt und sind auch so konzipiert, dass man als Zuschauer nicht durcheinander kommen kann. Man weiß durch fließende Übergänge sofort, dass nun etwas Vergangenes kommt. Dieser Aspekt bleibt positiv in Erinnerung, da es viele Filme gibt, wo dies nicht hundertprozentig funktioniert und man teilweise verwirrt zurückgelassen wird. Desweiteren ist es gut gelungen, die Nebencharaktere so in den Handlungsverlauf einzubringen, dass sie ihre Daseinsberechtigung verdienen. So zum Beispiel die beste Freundin von Mia, Kim, die von Liana Liberato verkörpert wird. Sie taucht nur an wenigen Stellen im Film auf, doch kann man schnell eine Verbindung zu ihr aufbauen und man weiß, dass sie Mia liebt, egal ob sie sich für das Leben oder den Tod entscheiden wird. Es ist sehr schön zu sehen, dass hier Nebencharaktere so gezielt eingesetzt werden, dass sie nicht in den Hintergrund rücken, sondern sich in das große Ganzen fügen und einen wichtigen Beitrag für die Handlung leisten. Das gilt auch für die betreuende Krankenschwester Ramirez, die Mia während ihres Komas nicht von der Seite weicht und ihr Mut zuspricht. Auch wenn diese Rolle eine sehr kleine ist, schafft sie es doch, einen sehr zu berühren.

Als Literaturverfilmung ist "Wenn ich bleibe" sehr gut gelungen, da der Film sich sehr nahe an der Vorlage orientiert und nur wenige Belanglosigkeiten abgeändert wurden. Allerdings ist es schade, dass die großen Gefühle nicht aufgekommen sind, wodurch der Funke einfach nicht überspringen will, egal wie oft man den Film Revue passieren lässt. Einen kleinen Zusatzpunkt gibt es von mir für den Soundtrack, in dem sehr viel Liebe zum Detail steckt. Schauspieler Jamie Blackley hat eigens im Tonstudio die Songs seiner Filmband Willamette Stone aufgenommen und Hand aufs Herz die Songs sind große Klasse. Indie-Rock gekoppelt mit klassischer Musik und den sanften Tönen von Künstlern wie Tom Odell sollten jedes Herz erwärmen. Meiner Meinung nach macht die passende Musik einen großen Teil eines Films aus, weshalb es nicht fair wäre, diese nicht nochmal hervorzuheben. Ein Soundtrack zum Verlieben und rauf und runter Hören.

Fazit

Auch wenn die Verfilmung des Romans von Gayle Forman aufgrund des fehlenden Funken meine Erwartungen nicht erfüllen konnte, handelt es sich doch um einen sehenswerten Film, der bis ins Innerste geht und Fragen über das Leben aufwirft, die man sich unter normalen Umständen nicht stellen würde. Eine rührende Moretz und ein bezaubernder Blackley runden das Ganze so ab, dass man auf jeden Fall einen Blick riskieren sollte. Ob man dafür allerdings wirklich ins Kino gehen muss, ist fraglich.

Sanny Binder - myFanbase
15.09.2014

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