Bewertung: 4
Emmanuelle Bercot, Jean Dujardin, Michel Hazanavicius, Gilles Lellouche, uvm.

Männer und die Frauen

"Die Frauen haben sich total verändert, sind viel freier. Auf jeden Fall geht diese Gleichberechtigung den Bach runter. Eines Tages betrügen sie uns und wir müssen treu sein."

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Inhalt

In "Männer und die Frauen" verkörpern Jean Dujardin und Gilles Lellouche in verschiedenen Kurzfilmen unterschiedliche Charaktere, die alle eines gemeinsam haben: Sie betrügen ihre Ehefrauen. Fred (Dujardin) und Greg (Lellouche) sind beide verheiratet, ziehen nachts aber durch die Clubs und haben One Night Stands am laufenden Band; auf einem Seminarwochenende versucht der verheiratete Laurent (Dujardin) vergeblich, fremdzugehen; Eric (Lellouche) hat eine Affäre mit der viel jüngeren und unberechenbaren Inès (Clara Ponsot); das Ehepaar Olivier (Dujardin) und Lisa (Alexandra Lamy) gesteht sich eines Nachts gegenseitig seine Affären; und in einer bunten Runde der "Anonymen Untreuen" versucht eine Frau, sexsüchtige Männer zu kurieren.

Kritik

Jean Dujardin und Gilles Lellouche sind zwei bekannte Größen im französischen Kino und kennen sich seit Jahren. Während ersterer in Frankreich mit den "OSS 117"-Komödien berühmt wurde und dann 2011 durch seine oscarprämierte Glanzleistung in "The Artist" zu weltweitem Ruhm kam, kennt man Lellouche aus "So ist Paris" oder auch "Kleine wahre Lügen", in dem er bereits neben Dujardin zu sehen war. In "Männer und die Frauen" ist das Duo nicht nur in den Hauptrollen zu sehen, Dujardin und Lellouche waren auch die Köpfe hinter der Filmidee und betätigten sich mit anderen Kollegen als Drehbuchschreiber. Herausgekommen ist ein wildes Sammelsurium an Kurzfilmen, die alle mit der Thematik Untreue zu tun haben und diese aus einer ganz spezifisch männlichen Perspektive betrachten, dabei aber nur selten wirklich zum Lachen bringen.

In fünf Segmenten verkörpern Dujardin und Lellouche abwechselnd Männer, die entweder versuchen, untreu zu sein, oder schon seit langem untreu sind. Zu ersterer Kategorie zählt der von Dujardin dargestellte Laurent, ein ganz furchtbar nerviger Zeitgenosse, der auf einem Seminar in einem Hotel unbedingt flachgelegt werden will und dabei extrem dämlich handelt. Auch wenn Dujardin mit Monobraue ein äußerst amüsanter Anblick ist, so bietet diese Episode einen sehr langatmigen und wenig interessanten Einstieg in den Film. Erst mit dem zweiten Segment, passenderweise als "Lolita" betitelt, da es um die Affäre zwischen einem Mann mittleren Alters und einer blutjungen Studentin geht, kommt zumindest ein bisschen Schwung in den Film, vor allem, da man mit Eric erstmals einen Protagonisten vor sich hat, dem man etwas abgewinnen kann und der nicht wie ein totaler Depp handelt.

Das ist nämlich eine der großen Schwächen des Films: Die Protagonisten sind fast durch die Bank größte Unsympathen, von ihrem biologischen Fortpflanzungstrieb gelenkt, die ohne derart charmante Darsteller wie Dujardin und Lellouche absolut unerträglich wären. Mit Ausnahme des besagten Eric und vielleicht noch Olivier hat man es mit arroganten, rücksichtslosen und fast schon frauenfeindlichen Männern zu tun, die allesamt der Überzeugung sind, dass es völlig in Ordnung ist, seine Frau zu betrügen. Auch wenn versucht wird, dieses Machogehabe durch das Segment mit den "Anonymen Untreuen" ein wenig in die Schranken zu weisen, so schlägt dies doch kläglich fehl und man bleibt mit dem Eindruck zurück, dass das Thema Untreue weder differenziert noch wirklich lustig behandelt wird. Vielmehr kratzt der Film nur an der Oberfläche, bietet keinerlei echte Emotionen und ist am Ende ziemlich belanglos.

Neben der durchaus gelungenen "Lolita"-Sequenz überzeugt eigentlich nur ein Kurzfilm wirklich und das ist der über den Ehestreit zwischen Olivier und Lisa angesichts der Enthüllung, dass Olivier einmal vor Jahren fremd gegangen ist. An der Seite von Dujardin spielt hier keine Andere als seine Ehefrau Alexandra Lamy, was sich auf dem Bildschirm auch bemerkbar macht: Hinter dieser Geschichte stecken Feuer, Leidenschaft, tiefe Enttäuschung und Frustration. Hier offenbart der Film, was man alles aus dem Thema hätte machen können. Mit der unausgewogenen Mischung aus Drama und Komödie jedenfalls tut sich der Film keinen Gefallen, da so nie ein kohärentes Gesamtbild entsteht. Einmal ist er bis zum Gehtnichtmehr absurd (siehe Fred und Greg oder die "Anonymen Untreuen"), dann ist er plötzlich todernst. Und gerade die hirnverbrannte (und in seiner Übertreibung fast schon wieder urkomische) Endsequenz in Las Vegas zeigt, dass Dujardin und Lellouche aus dem Film lieber eine durchgehende Komödie hätten machen sollen.

Fazit

Trotz seiner zwei tollen Hauptdarsteller ist "Männer und die Frauen" ein äußerst dürftiger Film, der aufgrund seiner fragmentierten Erzählstruktur nie eine richige Wirkung entfaltet und nie weiß, ob er nun komödiantisch oder ernsthaft sein will. Für eine Komödie sind es viel zu wenig Lacher, für ein Drama nimmt sich der Film viel zu selten die Zeit, die wahren Ursachen und Konsequenzen der Untreue zu betrachten. Schade.

Maria Gruber - myFanbase
14.03.2013

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