Bewertung: 7
Tomas Alfredson

Dame König As Spion

"Ich möchte nur eine Information von Ihnen. As, König, Dame, Bube... Smiley."

Foto: Copyright: 2012 STUDIOCANAL GmbH
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Inhalt

Der Geheimagent George Smiley (Gary Oldman) wird nach einem missglückten Geheimauftrag von Jim Prideaux (Mark Strong) samt seines Chefs Control (John Hurt) in den Vorruhestand geschickt. In diesem bleibt er jedoch nicht lange. Er wird vom Ministerpräsidenten selbst zurückgerufen. Anscheinend hat sich ein sowjetischer Spion in den englischen Spionagedienst eingeschleust. Die Aufgabe von Smiley lautet nun, diesem Spion auf die Schliche zu kommen. Bei seinen Ermittlungen stößt er immer wieder auf Hindernisse und erhält selten Einblick in die notwendigen Unterlagen. Zu seiner Unterstützung holt er sich alte Freunde, die ihn bei seiner Suche unterstützen. In seiner ehemaligen Abteilung sind viele natürlich verwundert, weshalb er zurückgekommen ist, doch er kennt noch viele Tricks der alten Schule, weswegen niemand auf die Idee kommt, dass er einem Maulwurf auf der Spur ist...

Kritik

"Dame König As Spion" ist ein guter Film mit einer großartigen Besetzung. Die Verfilmung des gleichnamigen Buches von John le Carré aus dem Jahr 1974 trumpft mit mehreren Größen der aktuellen Kinolandschaft auf. In der Hauptrolle findet sich Gary Oldman ("The Dark Knight Rises") an der Seite von Oscar-Preisträger Colin Firth ("The King's Speech"), dem altbekannten John Hurt ("Melancholia") und Mark Strong ("Black Gold") wieder. Gemeinsam füllen sie diesen zur Denkakrobatik geschaffenen Film allein durch ihre Anwesenheit aus. Sie zeigen als Ganzes eine gute europäische Produktion, die viele Hollywoodstreifen in den Schatten stellt.

Diejenigen Zuschauer, die dem Alter der Darsteller entsprechen, werden sich vermutlich noch sehr gut an die Zeit des Kalten Krieges erinnern, und welche Spannungen dabei kontinuierlich in der Luft lag. Für die meinige Generation, also die kurz vor dem Mauerfall, bleibt dieser Druck und die Nervosität der Zeit nur ein Relikt, welches in den Geschichtsbüchern und Dokumentationen wiedergefunden werden kann. Sie wahrlich zu spüren und zu erleben, vermag keiner mehr. Zum Glück, wohl gemerkt. Aber genau um diese hochgradige Spannung zu vermitteln, mussten solch starke Charakterdarsteller engagiert werden, da dieses Drama nicht mit Action, sondern mit Dialogen punktet. Die einzige Action, wenn man denn davon sprechen kann, erlebt der Zuschauer nur dann, wenn jemand erschossen wird. Damit wird aber gespart, um den Tod als einen unnatürlichen und beklemmenden Akt hinzustellen, welcher bei Menschen, die ihn miterleben müssen, zu Entsetzen und Trauer führt. Die hierfür wichtige Rolle wurde mit Mark Strong in der Rolle des Spions Jim Prideaux mehr als gelungen vergeben. Die innere Zerrissenheit von Prideaux und die Schrecken dieser psychisch anstrengenden Zeit werden dabei von Strong sehr realistisch gespielt.

An sich findet man in dem Film nichts vor, was in heutigen Spionagefilmen wie denen mit James Bond oder Jason Bourne gezeigt wird. Die Spione sitzen alle gemeinsam in ihrem schalldichten Raum, besprechen die Vorkommnisse der letzten Tage und treffen Entscheidungen, die dann letztlich von anderen ausgeführt werden. Es ist kein Duell mit Fäusten, sondern ein Duell der Geisteskraft, welches nur derjenige gewinnt, der alles im Blick behält und trickreich agiert. Der Hauptcharakter Smiley, der durch Gary Oldman ausgezeichnet verkörpert wird, schafft es in smarter, britischer Manier eben alles im Blick zu behalten, und kommt dem Maulwurf in kleinen Schritten auf die Fersen.

Was dem einen an Tomas Alfredsons Inszenierung gefallen kann, könnte für den anderen aber durchaus eine zweistündige, geballte Ladung Langeweile bedeuten. Wer sich auch nur kurzzeitig nicht auf den Film konzentriert, könnte in diesen Sog von Passivität geraten, und dadurch das Ganze verabscheuen. Es wäre daher ratsam, sich tatsächlich die Zeit zu nehmen, und dieses Charakterschauspiel zu genießen.

Fazit

Ein guter Spionagefilm, der zurückhaltend agiert, dafür aber die Spannung der Zeit gut einzufangen vermag.

Ignat Kress - myFanbase
09.08.2012

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