Bewertung: 8
Tom Hooper

King's Speech, The

"They're all idiots!" - "They've been knighted!" - "Makes it official then, doesn't it?"

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Inhalt

Albert (Colin Firth), der Herzog von York und Sohn des Königs von England, stottert, und hat daher große Probleme damit, öffentlich aufzutreten. Es scheint geradezu undenkbar, dass er der künftige König werden könnte. Alberts Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) sucht die Hilfe zahlreicher Logopäden auf, um ihm mit dessen Stottern zu helfen, doch erst der Australier Lionel (Geoffrey Rush), ein ehemaliger Schauspieler und Rhetoriklehrer, der sich durch seine Arbeit mit traumatisierten Veteranen des Ersten Weltkriegs seine logopädischen Methoden selbst aneignete, dringt zu Albert durch. Albert und Lionel werden Freunde und als Alberts Vater stirbt und sein Bruder als erster Thronnachfolger nach kurzer Zeit abdankt, wird Albert König und muss zu Beginn des Zweiten Weltkriegs eine äußerst wichtige Radioansprache an das Volk richten.

Kritik

Keine Frage, Colin Firth ist momentan nicht nur auf seinem Karrierehöhepunkt angelangt, sondern auch der momentan wohl beste Schauspieler, den das Filmbusiness zu bieten hat. Nach der Nominierung für einen Oscar 2010 für seine Rolle in "A Single Man" kommt der Brite lediglich ein Jahr später wieder für die begehrte Trophäe in Betracht. Und während es beim ersten Versuch noch nicht klappte, man aber beileibe nicht überrascht gewesen wäre, wenn er es doch geschafft hätte, ist es im Bezug auf seine Darstellung als King George VI. nun ein wenig anders. Denn der Gewinn der goldenen Statue ist dieses Jahr lediglich Formsache, den Golden Globe hat er bereits dafür erhalten. Colin Firth geht in seiner Rolle als stotternder Herzog von York und schließlich König völlig auf und vollbringt eine Leistung, die nicht hoch genug zu loben ist. Vom Tonfall über die teils recht impulsive Gestik in Verbindung mit dem Bemühen, eine weiterhin kontrollierte Mimik zu behalten, bis über die geradezu schmerzhaften unzähligen Stottereien und Gesprächspausen liefert Firth eine Wahnsinnsperformance ab, die noch in vielen Jahren für Gesprächsstoff sorgen wird – und sich natürlich erst im Originalton voll entfalten kann.

Bereits mit den TV-Miniserien "Elizabeth I." (drei Golden Globes, neun Emmy Awards) und "John Adams" (vier Golden Globes, 13 Emmy Awards) bewies Regisseur Tom Hooper, dass es im Moment wohl keinen geeigneteren Mann als ihn gibt, um historische Stoffe zu verfilmen. Mit der Adaption der wahren Geschichte rund um King George VI. und dessen Stotterprobleme auf die große Leinwand beweist Hooper abermals sein Gespür für Stories, die den Zuschauer fesseln. Dabei könnte es auf den ersten Blick nicht unspektakulärer sein, einen zweistündigen Film über jemanden mit Sprachproblemen zu drehen. Sowohl im historischen Kontext jedoch als auch durch eine überzeugende (wenn auch arg vorhersehbare) Dramaturgie entfaltet die Geschichte eine ganz eigene Dynamik, der man sich nur schwer entziehen kann. Die Aufgabe von King George VI. ist nicht nur, die kurze Regentschaft seines Bruders vergessen zu machen, der sich für eine dreifach geschiedene Frau und gegen den Thron entschied, sondern vor allem im Hinblick auf den Aufstieg Hitlers und den drohenden Zweiten Weltkrieg dem britischen Volk als starke Führerpersönlichkeit zu dienen. Wenn man jedoch bei wichtigen Ansprachen, die die Zuhörer fesseln, überzeugen und zusammenschweißen sollen, stottert oder auffällig viele Pausen einlegt, ist dies mehr als nur kontraproduktiv.

Der historische Kontext wird zwar immer wieder geschickt in die Story eingestreut, am Ende konzentriert sich "The King's Speech" aber mitnichten auf politische Abkommen und Verhandlungen, sondern auf King George VI. als Person, die sich nicht ernst genommen fühlt, die aber tief im Inneren weiß, dass sie fähiger ist als viele ihrer Vorgänger auf dem Thron. Sie konzentriert sich darüber hinaus insbesondere auf dessen ungewöhnliche Freundschaft mit seinem Logopäden Lionel Logue, der ihn lediglich "Bertie" nennt. Allein der Umstand, dass Lionel den Herzog und später den König mit dessen Spitznamen anspricht, den er eigentlich lediglich innerhalb der engsten Familie inne hat, zeigt schon, wessen Geistes Kind Lionel ist. Ihm ist auf der einen Seite das übertrieben majestätische Gehabe und das damit bewusste Ausgrenzen ein Dorn im Auge, auf der anderen Seite sieht er sich gleichermaßen als Psychologe, der die Sprachprobleme seiner Patienten nicht nur mit mechanischen Muskelentspannungsübungen lösen will, sondern auch die Ursachen erörtert, die oft tief in die Kindheit zurückreichen. Lionel ist so wunderbar unkonventionell, schrullig und wohl vor allem deshalb so liebenswürdig, dass auch der Zuschauer schnell seinem Charme erliegt. Dabei ist es ein ganz besonderer Verdienst von Geoffrey Rush, dass Lionel keine Sekunde wie eine bloße Karikatur wirkt oder als jemand, der bewusst für Lacher sorgen soll, sondern als ein zutiefst aufrichtiger Mensch, der in seinem Leben zu viel durchgemacht hat, um sich von allen auf der Nase herumtanzen zu lassen, ohne dabei verbittert zu wirken.

Burton-Muse Helena Bonham Carter überzeugt unterdessen in einer der wenigen Rollen der vergangenen Jahre, in der sie nicht komplett abgedrehte Charaktere spielt. Jedoch ist bereits ihr Beitrag zum Film vergleichsweise gering, Guy Pearce als Alberts Bruder ist schon eine Randerscheinung. Das liegt vor allem an der engen Erzählperspektive, die sich bis auf wenige Ausnahmen voll und ganz auf Albert und Lionel konzentriert. Untypisch für Historiendramen wirken auch die eingefangenen Bilder durch die geschickte Nutzung von kleinen Räumen und langen Gängen eher schmal und eng und unterstützen damit den Eindruck von Intimität. Darüber hinaus fungieren sie auch gut und gerne als Übermittler des Gefühls von Enge, unter dem Albert beim Sprechen leidet, an den Zuschauer.

Der Plot ist sowohl durch die historischen Begebenheiten, auf denen er beruht, vorhersehbar, als auch durch die Regeln des Genres. Denn "The King's Speech" ist ebenso auch ein Film über eine ungewöhnliche Freundschaft, über zwei Leute, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, über das gemeinsame Kennenlernen des Lebens des anderen und über sich daraus entwickelnde, geradezu witzige Szenen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Film in der Tat wenig von den vielen anderen Genrevertretern, wie aktuell "Stichtag", wenngleich "The King's Speech" mit Schauspielern komplett anderen Kalibers aufwarten kann und auch nie ins Alberne abdriftet. Dennoch wäre es schön gewesen, noch mehr Filmelemente einzubauen, die versuchen, sich den unweigerlich auftretenden Klischees zu widersetzen. Fernab davon weiß der Film durch eine gewohnt perfekte Optik und Kostümierung zu überzeugen, die einen sofort in das England der 30er Jahre zurückversetzen, die musikalische Untermalung ist wohltuend zurückhaltend und weiß, wann sie dem Geschehen auf der Leinwand den Vortritt lässt.

Fazit

"The King's Speech" erscheint als Film, der alles tut, um die großen Filmawards dieser Welt abzuräumen, und so dominiert er nicht umsonst die diesjährigen Oscars. An Colin Firth und dessen Performance kommt dieses Jahr garantiert niemand vorbei, der Rest des Schauspielensembles steht ihm in nichts nach. Die Kameraarbeit ist exzellent, die Bilder atemberaubend. Wer darüber hinwegsehen kann, dass sich der Plot trotz des historischen Kontexts in vergleichsweise bekannten Gewässern bewegt, wird sich über einen absoluten Top-Film freuen.

Andreas K. - myFanbase
12.02.2011

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