Bewertung: 5
Bradley Parker

Chernobyl Diaries

"Kommen sie, wir helfen ihnen."

Foto: Copyright: 2012 Warner Bros. Ent.
© 2012 Warner Bros. Ent.

Inhalt

Das Pärchen Natalie (Olivia Dudley) und Chris (Jesse McCartney) als auch deren vor kurzem Single gewordene Freundin Amanda (Devin Kelley) bereisen die Metropolen Europas und landen irgendwann bei Chris' Bruder Paul (Jonathan Sadowski) in Kiew. Dieser schlägt den dreien vor, noch bevor sie weiter nach Moskau reisen, einen Ausflug zum Kernreaktor-Unglücksort Tschernobyl, zu machen. Sie willigen der Unternehmung ein und begeben sich gemeinsam zu dem Tour-Guide Juri (Dimitri Diatchenko), welcher noch zwei weitere Touristen gefunden hat Zoe (Ingrid Bolsø Berdal) und Michael (Nathan Phillips). Auf dem Weg nach Prypjat werden sie von den Soldaten in die abgesperrte Zone nicht hineingelassen, was Juri aber nicht weiter stört, denn er kennt noch einen weiteren Weg um in die Stadt zu kommen. Sie erreichen die Stadt im Glauben sie hätte niemand gesehen. Spätestens bei der Rückfahrt müssen sie den Preis für ihren Wagemut bezahlen.

Kritik

Das Reaktorunglück in Tschernobyl von vor über 25 Jahren, kam durch das Reaktorunglück in Fukushima Daiichi von 2011 nach einer langen Zeit wieder ins Gespräch der Allgemeinheit. Sowohl von den Medien als auch von den Filmschaffenden wurde das Thema ab einem gewissen Punkt totgeschwiegen. Einen halbwegs interessanten Film über oder um Tschernobyl gibt es bis dato nicht wirklich, und so dachte vermutlich auch "Paranormal Activity"-Erfinder Oren Peli, als er sich an einen Horrorfilm-Drehbuch setzte und anfing zu schreiben. Über die Verwirklichung des Streifens machte er sich anscheinend weniger Gedanken. Die Hauptsache darin bestand, es sollte billig produziert werden, und die größtmögliche Aufmerksamkeit erlangen. Diese zwei Punkte konnte die Produktionsfirma Alcon Entertainment, die schon immer für Produktionen der etwas anderen Art wie "Fremd Fischen" bekannt geworden sind, sichtlich erfüllen.

Die Story arbeitet nach einem ganz bekannten Schema, welches schon im Film "Quarantäne" von 2008 gut zu beobachten war. Eine wackelige Kamera begleitet mehrere Personen, die unbeabsichtigt in eine Katastrophe laufen, und keinen Ausweg finden, als sich den Zombies/Monstern/unbekannten Entstellten zu stellen. Das gute an solchen Filmen ist natürlich, das dadurch ein enormer Spannungsgrad geschaffen wird, welcher aber leider in den meisten Fällen ins Nichts führt. Hier geschieht dies natürlich auch, und so weiß der Zuschauer schon vorweg, das am Ende ein unbefriedigendes Gefühl zurückbleiben wird. Ein unbefriedigendes Gefühl in dem Sinne, das trotz der kurzweiligen Unterhaltung von nicht einmal eineinhalb Stunden, niemand weiß wieso, weshalb, warum, wer, wie und was hier Jagd auf Touristen und Menschen im Allgemeinen macht. Lediglich bleiben einem vereinzelte Schreckmomente im Gedächtnis und eine sonst gut angelegte Szenerie, mit anständigen visuellen Effekten, die den Reaktor auch mal in einer etwas anderen Form zeigen, als es in Wirklichkeit aussieht. Schließlich wurde das Ganze in Serbien und nicht in der Ukraine gedreht.

Was bei einem solchen Low-Budget-Film erstaunlich ist, sind die durchweg gut gecasteten Schauspieler, allen voran Jesse McCartney und Devin Kelley, die trotz ihrer schwach ausgearbeiteten Charaktere eine unglaubliche Authentizität schaffen, die sonst nur in wenigen Horrorfilmen entsteht. Ihre Zusammenarbeit wirkt in allen Punkten glaubhaft, und die brüderliche Beziehung zwischen Paul und Chris wird durch einen besonders starken Moment seitens Jonathan Sadowski unmissverständlich verdeutlicht, als er krankhaft vor Sorge alleine seinen Bruder in völliger Dunkelheit suchen möchte und nur durch eine auf ihn gerichtete Pistole davon abgebracht werden kann. Es ist aus diesem Gesichtspunkt schon schade, dass diese Kombination aus guten schauspielerischen Fähigkeiten und Teamarbeit, in einem solch plump angelegten Film zu sehen ist.

Fazit

Ohne Frage ist dies der wohl erste ernst gemeinte Film über Tschernobyl, jedoch mit zu wenig Inhalt und Schockern, die dem Zuschauer das Fürchten lehren und dabei zeitgleich eine gute Unterhaltung bieten soll. Es bleibt einem vielleicht irgendwann das Herz stehen vor Spannung, nur einen Anfall von Hysterie erzeugt dies wahrlich nicht.

Ignat Kress - myFanbase
26.06.2012

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