Bewertung: 6
Baltasar Kormákur

Contraband

"Ich war so stolz auf dich, als du ausgestiegen bist."

Foto: Copyright: 2012 Universal Pictures Germany
© 2012 Universal Pictures Germany

Inhalt

Chris Farraday (Mark Wahlberg) ist in Schmugglerkreisen eine Legende. Doch seine kriminelle Karriere hat er schon seit geraumer Zeit beendet. Längst hat er sich mit seiner Ehefrau Kate (Kate Beckinsale) und den zwei gemeinsamen Söhnen häuslich niedergelassen. Doch nachdem sein Schwager Andy (Caleb Landry Jones) ein Drogengeschäft vermasselt, zwingt dessen skrupelloser Boss Tim Briggs (Giovanni Ribisi) Chris nun, Andys Schulden zu begleichen und das zu tun, was er am Besten kann: schmuggeln.

Mit Unterstützung durch seinen besten Freund Sebastian Abney (Ben Foster) stellt Chris notgedrungen eine Crew auf die Beine, darunter ist auch sein Jugendfreund Danny Raymer (Lukas Haas). Der Plan ist, mit dem Schiff nach Panama überzusetzen, um Millionen Dollar an Falschgeld in die USA zu holen. Alles soll unter dem wachsamen Blick des Schiffkapitäns (J.K. Simmons) über die Bühne gehen, der schon viele abenteuerliche Erfahrungen mit Chris' Vater gemacht hatte - und den jüngeren Farraday nun umso misstrauischer im Auge behält.

Kritik

Die US-amerikanische Stadt New Orleans trägt eine lange Geschichte mit sich herum, und ist tragischerweise erst durch eine verheerende Katastrophe, die sich vor gerade einmal sieben Jahren ereignet hat, weltberühmt geworden. Damals wurde die Stadt von dem Hurrikan Katrina heimgesucht. Dabei wurden nicht nur große Teile der Stadt überflutet, sondern die gesamte Infrastruktur kam für Monate zum Erliegen. Was dies für die leidtragende Bevölkerung zu bedeuten hatte, möchte ich hier gar nicht weiter erläutern. Wofür sich die Bewohner damals aber entschieden haben, ist umso beachtlicher. Anstatt die Stadt aufzugeben, begannen sie damit, weite Teile wieder aufzubauen, egal, ob es sich dabei um Armenviertel oder gehobene Nachbarschaften handelte. Das Resultat können Kinogänger in diesem Schmugglerfilm sehen, ohne dabei Angst bekommen zu müssen, dass es sich hierbei um ein Kunstfilm über eine Stadt handelt.

Warum ausgerechnet New Orleans als Hauptort gewählt wurde, ist leicht zu beantworten. Es gibt dafür nämlich zwei Gründe: Der erste Grund sind die verantwortlichen Studios, die sich nie zu fein sind, pompös aufzutreten, dafür aber gerne mit dem Geld knausern. Mit New Orleans und ihren Behörden hatte das Studio leichtes Spiel. Genehmigungen wurden schnell erstellt, die Menschen spielten gerne in einem Hollywoodfilm als Statisten mit und gewünschte Einheiten, wie beispielsweise die Zollbeamten, waren omnipräsent. Der zweite Grund war die Lage der Stadt selbst. Am Mississippi-Delta liegend und mit einem großen Hafen ausgestattet, bietet New Orleans die ideale Ausgangssituation, welche der Film gesucht hat. Denn der hauptverantwortliche Regisseur, der Isländer Baltasar Kormákur, drehte diese Geschichte zum zweiten Mal. "Contraband" ist lediglich eine Adaption des isländischen Originals "Reykjavik Rotterdam", bei welchem Kormákur selbst Schauspieler und Produzent war. Es ist daher nicht verwunderlich, weshalb es in dieser US-Massenversion keine Verschnaufpausen gibt, und viele Dinge einfach nur stimmig und flüssig verlaufen.

Ein weiteres Plus, neben dem Einfühlvermögen des Regisseurs, ist der ausführende Produzent dieses Filmes. Es ist die Actionfilmberühmtheit Mark Wahlberg, die das letzte Mal vor zwei Jahren im Film "The Fighter" vor der Kamera stand. Wahlberg bereicherte sich die letzten zwei Jahre als erfolgreicher Produzent an den Serien "How To Make It In America" und "Boardwalk Empire". Als geeignete Besetzung für ein gemeines Actiondrama genügen seine Fähigkeiten allerdings immer noch aus, was aber nicht bedeutet, dass diese in irgendeiner Art und Weise herausstechen. Wie schon in "The Fighter" wird er durch die Rolle eines anderen überdeckt. Nur ist es diesmal kein Batmanverschnitt aka Christian Bale, sondern der oft unauffällige Giovanni Ribisi ("Avatar Aufbruch nach Pandora"). Ein aufgeblasener Muskelprotz wäre womöglich auch zu viel gewesen, und ein Kampf Wahlberg versus Mukkiemann sähe ein wenig unrealistisch aus. Ribisi versteht es, sich in die Rolle eines drogendealenden Unterweltboss einzuleben. Das zeigt er nicht nur durch seine geniale Mimik und Gestik, sondern auch durch die ihm vorgegebenen Dialoge, welche er durch seine Sprachgewandtheit auf eine besonders schauderhafte Art wiedergibt.

Auch wenn die Storyline dieses Filmes eine ernste ist, bleibt genügend Zeit für kleine Späße, was dem ganzen eine sympathische Wirkung verleiht, denn durch großartige Explosionsszenen trumpft dieser Film nicht. Es gibt lediglich zwei Szenen, die einen Actionfan zum Schwitzen bringen können. In einer Szene wird ein ganzes Containerschiff manipuliert, welches ungebremst auf den Hafen von Panama-City zusteuert, und in der anderen Szene wird versucht, einen Geldtransporter aufzuhalten und anschließend zu flüchten. Dass dabei einige auf der Strecke bleiben, ist dann nur noch die logische Schlussfolgerung. Wer hierbei keine Spannung verspürt, der wird dies dann zumindest bei der Zusammenarbeit zwischen Beckinsale ("Everybody's Fine") und Foster ("The Mechanic") zwangsweise müssen, die nicht nur in Gewalt mündet, sondern auch in einer anderen Form texanischer Beerdigungm à la Tarantino.

Fazit

Ein gelungenes Actiondrama mit beklemmend realistischen Inszenierungen, aber auch einer gehörigen Portion Ironie.

Ignat Kress - myFanbase
23.02.2012

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