Bewertung: 8
Rob Marshall

Geisha, Die

"Vergiss das nie, Chiyo: Geishas sind keine Kurtisanen und wir sind keine Ehefrauen - wir verkaufen unsere Fähigkeiten, nicht unsere Körper. Wir schaffen eine andere, eine geheime Welt, einen Ort reiner Schönheit." - Mameha

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Inhalt

Japan zu Beginn der 30er-Jahre. Eine regnerische Nacht in einer einsamen Gegend am Meer. Das kleine Mädchen Chiyo (Suzuka Ohgo) und ihre ältere Schwester Satsu (Samantha Futerman) werden von ihrem Vater in die Stadt verkauft - ein letzter verzweifelter Versuch des verarmten Fischermanns, das Leben seiner Töchter und vorallem seiner schwerkranken Frau zu bewahren. Während Satsu an ein Bordell weiterverkauft wird, wird Chiyo dank ihrer außergewöhnlichen blauen Augen von einer Okiya, einem Geishahaus, aufgenommen.

Ab diesem Zeitpunkt verändert sich das Leben des kleinen Mädchens komplett - sie lernt Kürbisköpfchen (Zoe Weizenbaum) kennen, ein weiteres Mädchen, das von ihrer Familie an die Okiya verkauft worden ist. Kürbisköpfchen bringt Chiyo bei, dass sie sich stets demütig verhalten muss: Die Mutter und Chefin des Geishahauses ist eine eiserne Frau (Kaori Momoi), der stets mit größtem Respekt zu begegnen ist. Ebenso kaltherzig ist Hatsumomo (Gong Li), die oberste Geisha der Okiya, die durch ihre Schönheit und ihr Talent eine der erfolgreichsten Geishas des Viertels geworden ist und fast das gesamte Geld für das Haus einbringt. Hatsumomo ist arrogant und aufbrausend und die kleine Chiyo ist ihr ein Dorn im Auge.

Der harte Alltag und die Launen Hatsumomos bringen Chiyo jedoch nicht davon ab, nach ihrer Schwester Satsu zu suchen. Chiyo findet Satsu - und sie schmieden einen Plan: Am nächsten Abend wollen sich die beiden Schwestern an der Brücke treffen und zusammen fliehen, komme was wolle. Doch der Plan schlägt fehl und Chiyo sieht ihre Schwester Satsu nie wieder.

Es wird Sommer. Die Zeit der Kirschbaumblüte. Chiyo steht traurig auf der Brücke, auf der sie Satsu in jener Nacht hätte treffen sollen. Da spricht sie ein gutaussehender Mann an, der Direktor (Ken Watanabe). Er muntert das kleine Mädchen auf und kauft ihr ein Eis - er vermittelt ihr eine Freundlichkeit und Güte, die sie zuvor noch nie erfahren hat. Chiyo sieht die hübschen Geishas an seiner Seite und schwört von diesem Moment an, alles zu tun, um eine Geisha zu werden und so diesen Mann später wiederzufinden. Als er sich verabschiedet, ist das einzige, was ihr von ihm bleibt ein Taschentuch mit seinen Initialen.

Die Jahre vergehen und Chiyo wächst zu einer schönen jungen Frau heran. Ihren Traum, eine Geisha zu werden, hat sie fast schon aufgegeben - doch dann bekommt die Okiya unerwarteten Besuch von Mameha (Michelle Yeoh), der Konkurrentin. Sie will Chiyo zu einer Geisha ausbilden lassen und bietet der Mutter einen lukrativen Handel an: Sie will Chiyo innerhalb von sechs Monaten zu einer Geisha machen. Gelingt ihr das, muss die Okiya Chiyo die Schulden erlassen. Wenn nicht, zahlt Mameha dafür. Die Mutter willigt ein und Chiyo ist überglücklich: Sie darf eine Geisha werden.

Mameha nimmt Chiyo unter ihre Fittiche und bringt dem Mädchen die Kunst des Tanzes, des Gesangs, der Schauspielerei und der Konversation bei - alles, was eine Geisha können muss. Chiyo erhält den Namen Sayuri. Die Ausbildung ist hart, doch in Gedanken an den Direktor meistert Sayuri die Aufgabe: Bald ist sie bereit, eine Maiko zu werden, eine Geisha in Ausbildung. Sayuri zählt dank ihrer Schönheit und ihrer besonderen blauen Augen bald zu den begehrtesten Frauen - was Hatsomomo gar nicht gerne sieht. Stets versucht sie zusammen mit Kürbisköpfchen, die sie gegen Sayuri aufhetzt, die Pläne Mamehas zu durchkreuzen.

Bei einem Treffen sieht Sayuri schließlich den Direktor wieder, doch Sayuri soll sich nicht um ihn, sondern um dessen besten Freund Nobu (Kôji Yakusho) kümmern. Sayuri beginnt zu verstehen, dass das Leben einer Geisha nicht dazu bestimmt ist, sie dem Direktor näher zu bringen, sondern vielmehr dazu, sie von ihm und ihren Träumen wegzubringen...

Kritik

"Eine geheime Welt, einen Ort reiner Schönheit" - das ist es, was Rob Marshall aus dem Kinosaal macht. Der Zauber dieser geheimen Welt der Geishas umhüllt den Zuschauer, bringt ihn zurück in das Japan der 30er- und 40er-Jahre und zwar mit einer Intensität, die nach dem Film noch so lange anhält, dass man nur schwer wieder in die Gegenwart zurückfindet.

Die Kulissen, die Kostüme, die Musik und die Darsteller - zusammen erzählen sie eine wunderbare Geschichte, die sowohl historische Fakten vermittelt als auch die Gefühle einer Frau zeigt, die in einer Welt voller Schönheit gefangen ist und die wahre Schönheit des Lebens, die Liebe, trotzdem nicht erfährt. Zhang Ziyi ist nicht nur perfekt geeignet für die Rolle dieser schönen, etwas naiven und zugleich starken Sayuri, sondern bietet dem Zuschauer dank ihres Talents auch ein Spektakel japanischer Tanzkunst.

Sehr überzeugend sind auch Michelle Yeoh und Gong Li, besonders letztere verkörpert die Rolle der arroganten, launenhaften und innerlich verbitterten Hatsumomo unglaublich überzeugend. Hatsumomo als Intrigantin und Feindin Sayuris ist verurteilt zur eindimensionalen Antagonistin - doch Gong Li gibt dem Charakter eine Tiefe, die so weit reicht, das man als Zuschauer, trotz der Böswilligkeit Hatsumomos, tatsächlich Mitleid mit ihr bekommt.

Doch trotz der guten Leistungen der drei chinesischen Schauspielerinnen Zhang, Gong und Yeoh sind es gerade ihre Landsleute, die den Film als "Schande" bezeichnen: In China wurde "Die Geisha" in den Kinos verboten, die Staatsverwaltung hielt den Film für zu "kompliziert und heikel" für das chinesische Publikum, man befürchtete zudem anti-japanische Unruhen. Doch Japan wiederum kann sich mit dem Film anfreunden: Mit den Vorurteilen der Welt gegenüber den Geishas konnte Rob Marshall weitgehend aufräumen. Der Film macht klar, dass Geishas keine Prostituierten waren, sondern vielmehr lebende Kunstwerke, Frauen von unglaublicher Schönheit und Grazie, die die Leute unterhielten. Trotzdem bleibt sicher so manch ein Zuschauer zurück, der - abgeschreckt von der Andersartigkeit der japanischen Kultur - entweder neue Vorurteile entwickelt oder sich einfach damit abfindet, dass die Kulturen eben verschiedenartig sind.

Fazit

Für Liebhaber der asiatischen und besonders der japanischen Kultur ist dieser Film sicherlich ein Muss: Mit einer Länge von 145 Minuten mag der Film einigen als zu lang erscheinen, doch er schafft es, über die gesamte Zeitspanne hin zu unterhalten. Hervorragende Schauspieler, Bilder und Musik entführen den Zuschauer in eine wunderschöne und gleichzeitig fremde Welt. Tränen sind so gut wie garantiert.

Doch Achtung: Wer nichts mit Asien und Japan am Hut hat, dem sei von dem Film abgeraten. Um "Die Geisha" richtig zu genießen, ist ein bisschen Interesse für das Thema nötig - ansonsten wird der Film langweilig.

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Maria Gruber - myFanbase
28.02.2006

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