Bewertung: 9
Jonathan Levine

Wackness, The - Verrückt sein ist relativ

"Life is hard and it's full of pain and what-not, but we take it 'cause there's great stuff too. And we can do it 'cause we have friends - because we have each other."

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Inhalt

New York 1994: Luke (Josh Peck) beendet gerade die High School und hat einen heißen Sommer vor sich, den er mit dem Dealen von Drogen verbringt. Dadurch lernt er auch Psychiater Dr. Jeffrey Squires (Ben Kingsley) kennen, den er für Therapiestunden mit Marihuana bezahlt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine eigenartige Freundschaft, da beide unzufrieden mit ihrem Leben sind und unter einer Depression leiden. Als Luke das Mädchen Stephanie (Olivia Thirlby) kennenlernt, erlebt er Höhen und Tiefen, denn sie ist nicht nur die Stieftochter von Dr. Squires, sondern auch das erste Mädchen, für das Luke tiefe Gefühle entwickelt.

Kritik

"The Wackness" ist besonders. Das merkt man schon nach den ersten Minuten. Nicht nur die Bilder sind beeindruckend, auch die gesamte Stimmung versetzt einen um Jahre zurück und zeigt das New York der damaligen Zeit. Man ist sofort gefangen und konzentriert sich auf Hauptcharakter Luke. Obwohl von Anfang an klar ist, dass er ein Drogendealer ist, baut man sofort Sympathie für ihn auf und leidet mit ihm. Er ist dieser verlorene Junge, der erwachsen werden möchte und dabei auch keinen Schritt auslassen will, seien es Liebe, Glück, Trauer oder Schmerz. Luke empfindet in diesem Sommer 1994 alle Gefühle, die man empfinden kann und wird dadurch langsam zum Mann. Die Entwicklung von Luke ist schön mit anzusehen und obwohl er Drogen nimmt, raucht wie ein Schlot und Alkohol trinkt, steht man auf seiner Seite, weil Josh Peck hier eine wunderbare schauspielerische Leistung zeigt, die ihm einfach anerkannt werden muss. Hut ab!

Doch nicht nur Luke, auch Dr. Squires ist beeindruckend. Normalerweise mag ich Ben Kingsley nicht wirklich, doch in diesem Film überzeugt er von Anfang bis Ende. Die schräge Art von Dr. Squires wird von Ben Kingsley wunderbar dargestellt und er schafft es, diesen Charakter gleichzeitig komisch, als auch todernst darzustellen. Am Ende tut Dr. Squires einem einfach nur leid, weil sein Leben nur noch den Bach runtergeht. Er gibt seinen Patienten Ratschläge, ermutigt sie und bekommt sein eigenes Leben nicht in den Griff. Doch dafür ist Luke ja da. Die Freundschaft der beiden ist seltsam und doch so nachvollziehbar. Sie sind die Säulen im Leben des anderen, auf den sie sich verlassen können. Die Szenen der beiden beeindrucken sofort und man wünscht sich am Ende nur, dass diese Freundschaft bestehen bleibt, weil sie diese beiden Charaktere bestimmt. Dr. Squires mag zwar ein verrückter Vogel sein, doch er hat großen Einfluss auf Luke. Er hilft ihm dabei, erwachsen zu werden, doch er erkennt am Ende selbst, dass Luke es ist, der auch ihn erwachsen werden lässt und ihn dazu bringt, sein Leben zu akzeptieren. Und die Weise, wie dies geschieht, sollte an niemandem vorbeigehen.

Durch den starken Auftritt der beiden Hauptcharaktere gehen die Nebencharaktere leider etwas unter. Stephanie ist einem zu Beginn zwar sympathisch, doch je mehr sich Luke entwickelt, desto weniger Interesse hat man an ihr. Ebenso wie Kristin Squires, die von Famke Janssen leider nicht überzeugend genug gespielt wird, da sie in diesem Film eher nervt, als dass sie Neugier weckt. Sie ist zwar wichtig für die Entwicklung von Dr. Squires, doch weniger Screentime hätte es auch getan.

Was neben Josh Peck und Ben Kingsley überzeugt, ist die Musik, die einen sofort das Gefühl von New York im Jahre 1994 verspüren lässt. Der Soundtrack bietet Tracks, die perfekt zu den Situationen passen und einen in die damalige Zeit versetzen. Auch wenn man kein Fan von Hip Hop ist, so wird man einsehen, dass die Musikauswahl sehr gelungen ist und spätestens bei "After Laughter (Comes Tears)" von Wendy Rene möchte man den Soundtrack besitzen. Und nicht nur von der Musik, auch von den Kameraeinstellungen ist man angetan. Regisseur und Drehbuchautor Jonathan Levine experimentiert hier, setzt mehrere Effekte ein und überzeugt davon, dass dies ein Independentfilm ist, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Fazit

"The Wackness" ist ein Film, den man sofort weiterempfehlen kann. Er vermittelt einem dieses besondere Gefühl, das man bei großen Hollywood-Blockbustern einfach nicht empfindet. Er ist besonders, überzeugt mit tollen Hauptdarstellern und hat obendrauf auch noch tolle Musik parat. Ich würde sagen: ein Muss für jeden Independent-Liebhaber.

Technische Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Alex Olejnik - myFanbase
23.10.2011

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