Bewertung: 5
John Madden

Eine offene Rechnung

Wieso sind sie wieder aufgetaucht?

Foto: Copyright: 2011 Universal Pictures Germany
© 2011 Universal Pictures Germany

Inhalt

Wir schreiben das Jahr 1965. Die drei Agenten Rachel Singer (Jessica Chastain), Stephan Gold (Marton Csokas) und David Peretz (Sam Worthington) erhalten vom Mossad den Auftrag, einen in Berlin lebenden Konzentrationslagerarzt ausfindig zu machen, und ihn nach Israel zu bringen, damit dieser vor ein Kriegsgericht gestellt werden kann. Der Nazi-Arzt Dieter Vogel (Jesper Christensen) hat sich im Ostteil der Stadt eine neue Existenz als Frauenarzt aufgebaut. Das Examinieren erfolgt ohne Probleme, nur das Herausschaffen aus der DDR wird für die drei zu einem Problem.

1997 befinden sich Rachel Singer (Helen Mirren), Stephan Gold (Tom Wilkinson) und David Peretz (Ciarán Hinds) im Rentenalter, lassen sich aber für die damaligen Geschehnisse in Berlin von einem ganzen Volk feiern. Rachels Tochter Sarah (Romi Aboulafia) schreibt sogar ein Buch über die drei, welches zu einem Bestseller wird, doch plötzlich tauchen Dokumente auf, die das Leben der drei auf den Kopf stellen, und sie dazu zwingt, eine noch offene Rechnung zu begleichen.

Kritik

"Eine offene Rechnung" ist kein Film für jeden, denn es ist ein Agenten-Drama in seinen tiefsten Wurzeln, das keinen Wert auf große Actionspektakel wie beispielsweise "James Bond" legt, sondern auf einen Konflikt zwischen Meinungsverschiedenheiten und zwischenmenschlichen Beziehungen. Auch ist es ein Film über die Verarbeitung von traumatischen Situationen einer ganzen Generation und zur Bestätigung ihrer Taten in Folge schlimmer Ereignisse. Dabei geraten besonders all jene Szenen zum Vorschein, die sich in den 60er Jahren abspielen. Diese Szenen verlangten ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und außerordentlich gute schauspielerische Leistungen.

Dieser Verpflichtung stellten sich Jessica Chastain ("The Tree of Life"), Marton Csokas ("Vergissmichnicht") und der ambitionierte Sam Worthington ("Kampf der Titanen"). Allesamt haben sie mindestens einen Szene, wo sie ihr Können brillant zur Schau stellen. Bei Chastain sind es sogar zwei. Ihre Darbietung als Patientin in Doktor Bernhardts Behandlungsraum und eine kleine Szene, wo sie in den durch Feuerwerkskörper beleuchteten Nachthimmel Berlins schaut. Csokas' Klavierspiel ist ziemlich erheiternd, insbesondere da er als Jude "Deutschland, Deutschland über alles!" zum Besten gibt. Worthingtons Wutausbruch, als Dieter Vogel zum ihm sagt: "Warum glaubst du, war es so einfach, ein ganzes Volk zu vernichten? Warum nur vier Soldaten notwendig waren, um Tausende von euch zu kontrollieren? Weil ihr schwach seid, weil ihr unwürdig seid zu existieren...", bleibt dem Zuschauer dabei ebenso gut im Kopf erhalten.

Diese drei Schauspieler tragen den Film, und nicht, wie es anders dargestellt wird, die Oscarpreisträgerin Helen Mirren, obwohl auch sie eine relativ eindrucksvolle Darbietung abliefert. Dennoch sind einige Szenen für das jüngere Publikum nicht unbedingt nachvollziehbar. Relativ schnell erkennt der Zuschauer auch, worauf dieser Film hinausläuft, wodurch die Entscheidung, sich diesen Film angesehen haben zu müssen, einfach fällt. Er muss nicht angesehen werden. Das Warten auf eine Free-TV-Ausstrahlung würde in diesem Fall genügen.

Fazit

Gute Schauspieler, eine schöne Inszenierung und in gewissen Maßen kein leicht verdauliches Thema. Dagegen stehen eine schnell erkennbare Storyline und langatmige Momente. Ein Besuch im Kino ist hier kein Muss, auch wenn der Film einen sehenswerten Charakter hat.

Ignat Kress - myFanbase
18.09.2011

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