Bewertung: 7
Derek Cianfrance

Blue Valentine

"Als Kind machten mir zwei Dinge Angst: Die Gefahr eines Atomkriegs und dass sich meine Eltern scheiden lassen. Der Film ist ein Resultat der zweiten Angst." - Regisseur und Co-Autor Derek Cianfrance über "Blue Valentine"

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Inhalt

Die Beziehung zwischen Dean (Ryan Gosling) und Cindy (Michelle Williams) begann einst als leidenschaftliche Affäre aus der Liebe wurde. Die beiden heirateten, obwohl Dean bewusst war, dass Cindy wahrscheinlich nicht von ihm, sondern ihrem Ex-Freund Bobby (Mike Vogel) ein Kind erwartete. Nun, nur wenige Jahre später, hat sich das Paar in grundverschiedene Richtungen entwickelt. Er neigt zu Impulsivität und lässt sich im Leben treiben, sie ist vernunftorientiert und organisiert. Neben den unterschiedlichen Sichtweisen der Eheleute hat die Routine des Alltags jegliche Romantik erstickt. Verzweifelt bucht Dean eine Nacht in einem Motel. Es ist wohl die letzte Chance, die Partnerschaft noch zu retten.

Kritik

Derek Cianfrances "Blue Valentine" handelt von den großen Gefühlen, die im Laufe der Zeit innerhalb einer Beziehung auftreten können, womit nicht nur die Liebe, sondern auch ihr Gegenteil gemeint ist. Stets ist die Kamera unglaublich nah dran am Leben von Dean und Cindy. Intimität ist hier das Stichwort. Präzise Beobachtungen des Alltags vermitteln Authentizität. Die Erzählweise ist unchronologisch, Szenen von Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich ab. Ein Film, der sich in seiner Inszenierung und langsamen Erzählweise nicht den Sehgewohnheiten vieler heutiger Zuschauer unterwirft. Und dessen Entstehungsgeschichte tatsächlich elf Jahre benötigte.

Bereits 2003 bemühte Cianfrance sich vergeblich um die Realisierung des Projektes, wobei schon damals Michelle Williams zu diesem Zeitpunkt erst 21 Jahre alt als Hauptdarstellerin fest eingeplant war. 2005 stieß Ryan Gosling dazu. Aber erst vier weitere Jahre später konnte der Film finanziert werden und die insgesamt 30 Tage währenden Dreharbeiten begannen. Das fertige Werk erhielt von der Motion Picture Association of America (MPAA) aufgrund einer freizügigen Sexszene schließlich das gefürchtete NC-17-Rating (bedeutet: nicht freigegeben unter 18 Jahren). Für den Verleih ein Albtraum, denn nur wenige Kinos nehmen mit einem solchen Rating bewertete Filme in ihr Programm auf. Doch auch dann ist es vielen Medien nicht gestattet für deratig gekennzeichnete Filme öffentlich zu werben. Letzendlich hatte "Blue Valentine" Glück. Die zuständige Verleihfirma, die Weinstein Company, fechtete die Entscheidung der MPAA erfolgreich an und erreichte so die Herunterstufung auf ein R-Rating, ohne dass dabei Kürzungen vorgenommen wurden.

"Blue Valentine" ist keine leichte Kost, geht es hier doch um das mögliche Ende einer früher so zärtlich-verliebten Beziehung. Wie es konkret so soweit kommen konnte, wird nicht geschildert. Dafür wird der Zuschauer Zeuge mehrerer Ereignisse im Leben von Dean und Cindy, in der Vergangenheit wie der Gegenwart. Die konsequente Schilderung von vermeintlichen Banalitäten (die allerdings nicht nur rückblickend die Figuren facettenreich charakterisieren) dürfte sicherlich nicht jedem gefallen. Für dieses Ehedrama muss man wirklich Geduld aufbringen. "Blue Valentine" erscheint durchaus überlang und ist nicht gerade unanstrengend. Wer sich jedoch auf den Film einlässt und Zugang zu ihm findet, wird mit schauspielerischen Leistungen außergewöhnlicher Intensivität belohnt, welche dafür sorgen, dass das Publikum die Emotionen des Paares nicht nur anhand von Gestik und Mimik erkennt, sondern förmlich von ihnen mitgerissen wird und glaubt, jene selbst zu spüren. Dies macht "Blue Valentine" zu einer Wucht von Film.

Michelle Williams wurde völlig zu Recht für einen Oscar nominiert, der ihr ebenbürtige Ryan Gosling bedauerlicherweise nicht. Ihrem Spiel zuzuschauen, ist fasznierend. Sie überzeugen ebenso als völlig glückliches wie zerstrittenes Paar.

Fazit

Ein wenig überlang wirkendes und in seiner Erzählweise nicht unanstrengendes Ehedrama, das den Zuschauer, der Zugang zu ihm findet, mit krasser emotionaler Wucht trifft. Dies ist auch der starke Verdienst der beiden erstklassig agierenden Hauptdarsteller.

Maren Langos - myFanbase
01.07.2011

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