Bewertung: 8
John Crowley

Boy A

Jeder Mensch verdient eine zweite Chance.

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Inhalt

Mit Anfang 20 beginnt für Eric Wilson (Andrew Garfield) ein neues Leben in Freiheit. Seine ganze Jugend musste er im Gefängnis verbringen, nachdem er als 13-Jähriger gemeinsam mit seinem besten Freund ein Mädchen getötet hatte. Unter dem Namen Jack Burridge versucht er sich eine normale Existenz aufzubauen, immer mit der Angst im Nacken, dass die Presse ihn aufspürt. Angeleitet von seinem Betreuer Terry (Peter Mullan) findet Jack einen Job und Freunde. Mit Michelle (Katie Lyons) erlebt er sogar die erste Liebe. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln.

Kritik

Dem Film "Boy A" liegt ein wahrer Fall zu Grunde. Im Jahr 1993 töteten zwei zehnjährige Jungen ein Kleinkind und versetzten damit ganz England in einen Schockzustand. Im Jahr 2001 kamen die beiden Täter frei und erhielten neue Identitäten, um sie vor der Sensationsgier der Medien und der Wut der Öffentlichkeit zu schützen. Obwohl der Film in einigen Punkten deutlich von den realen Geschehnissen abweicht, behandelt er genau die Themen und Fragen, die auch den echten Fall umgeben.

Wir lernen Jack als einen sensiblen jungen Mann kennen, der zuletzt als Kind in Freiheit gelebt hat und nun als Erwachsener in die weite Welt zurückkehrt. Viele Erfahrungen, die Jugendliche normalerweise machen, hat er verpasst oder nur begrenzt erfahren. So wirkt er in einigen Momenten auf herzerwärmende Weise naiv und empfindsam. Doch wir wissen natürlich, dass er nicht unschuldig seiner Jugend und seiner wahren Identität beraubt wurde. In Rückblenden sehen wir Jack, damals noch Eric, als einsamen, vernachlässigten Jungen, der sich mit einem seelisch gestörten Gleichaltrigen anfreundet. Die beiden Jungs haben nur einander und beginnen aus Langeweile und Frust mit kleinen Delikten, die schließlich auf schreckliche Weise ausarten. Als Zuschauer würde man den kleinen Eric gerne aufhalten, um den erwachsenen Jack zu retten, doch die Vergangenheit lässt sich nun einmal nicht ändern.

Der Charakter Jack ist ein geradezu schmerzhaft beeindruckendes Beispiel dafür, wie schwierig das Thema Resozialisierung sein kann. Wir haben hier einen jungen Mann, der sich nichts sehnlicher wünscht als ein normales Leben, der sehr warmherzig und sympathisch ist, der aber auch eine Tat begangen hat, die er niemals wieder gut machen kann und für die es im Endeffekt keine Entschuldigung gibt. Er ist nicht mehr der Junge, der er damals war, doch seine Tat bleibt dennoch bestehen. Das Leid, das er verursacht hat, ist endgültig. Wir verabscheuen die Presse dafür, dass sie so hinter Jack her ist, und wir schütteln den Kopf über die Menschen, die Rache an ihm nehmen wollen, doch andererseits kann man ihnen nicht verdenken, dass sie diesen jungen Mann, der einem kleinen Mädchen das Leben genommen hat, für böse halten und ihn härter bestraft sehen wollen. Viele von uns würden ebenso empfinden, oder tun es sogar in dem realen Fall, auf dem die Story basiert.

"Boy A" ist ein intensiver, ruhiger Film, der eine emotionale, zum Nachdenken anregende Geschichte erzählt. Dass dies funktioniert, ohne langweilig zu werden, ist nicht zuletzt Andrew Garfield zu verdanken, der es schafft, den Film zu tragen.

Fazit

"Boy A" ist ein eindringliches, gut gespieltes Drama, das nicht von Spannung, sondern von Intensität lebt.

Maret Hosemann - myFanbase
05.04.2011

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