Bewertung: 6
Phillip Noyce

Catch A Fire

"Mal ganz unter uns, Patrick, die Apartheid hat keine Zukunft. 25 Millionen Schwarze, gerade mal drei Millionen Weiße. Wir sind die Minderheit."

Foto: Copyright: Universal Pictures Germany
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Inhalt

"Catch A Fire" erzählt die wahre Geschichte des Patrick Chamusso (Derek Luke), einem schwarzen, unpolitischen Vorarbeiter in einer Ölraffinerie zur Zeit des Apartheid-Regimes in Südafrika. Sein Leben verändert sich 1980 dramatisch, als er zu Unrecht verhaftet und des Bombenanschlags auf die Raffinerie bezichtigt wird. Der weiße Sicherheitsdienst-Mitarbeiter Nic Vos (Tim Robbins) lässt erst ihn, dann sogar Patricks Ehefrau Precious (Bonnie Henna) brutal foltern. Schließlich erkennt Vos die Unschuld des Mannes und die Anklage wird fallengelassen. Aber Patrick ist nicht mehr derselbe. Er verlässt Precious und die Kinder, um sich dem bewaffneten Widerstand anzuschließen...

Kritik

Apartheid, ein System der Rassentrennung, das für offenen Rassismus, Diskriminierung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit steht. Doch staatliche Gewalttätigkeiten erzeugen bekanntlich Widerstand. "Catch A Fire" schildert, wie ein politisch Uninteressierter zum Folteropfer wird und daraus die Konsequenzen zieht. Für sich, seine Familie und seine dunkelhäutigen Mitbürger. Ein packendes Thrillerdrama, das allerdings in der zweiten Hälfte nur an der Oberfläche des Erzählten kratzt.

In den ersten 25 Minuten lässt sich der Film die nötige Zeit für die Vorstellung seiner Hauptfigur und zeigt zudem nebenbei gänzlich unaufgeregt die Schikanen, welche zum Alltag der schwarzen Bevölkerung gehören. So werden auch Patricks und Nics Lebensumstände einander gegenübergestellt.

Was der fleißige Vorarbeiter unbedingt meiden möchte, sind Scherereien, weswegen er sich vor allem darum bemüht, nicht weiter aufzufallen. Aber trotz jener Haltung wird er verhaftet. Die Verhöre machen die intensivsten Szenen des Dramas aus. Hier beweist Regisseur Phillip Noyce eindrucksvoll, dass statt grafischer Explizitheit nur wenige, kurze Einstellungen ausreichend sind, um eindrucksvoll darzustellen, wie ein Mensch durch Folter seiner Würde beraubt wird. Dass nicht jeder die Tortur überlebt und selbst Kinder verhaftet werden, wird (später) ebenfalls nicht ausgespart. Besonders entsetzlich: Das Recht auf einen Anwalt besitzt keiner der Beschuldigten.

Ab dem Moment, wo Patrick die alles verändernde Entscheidung trifft, gewinnt "Catch A Fire" zusätzlich an Spannung und Action. Doch die Gelegenheit, die reale Widerstandsorganisation Umkhonto We Sizwe intensiver zu beleuchten und den mitunter schmalen Grat zwischen Befreiungskampf und Terrorismus zu thematisieren, wird nicht weiter genutzt, da Noyces Werk deutlich mit den ihr Leben aufs Spiel setzenden Männern und Frauen sympathisiert. Leider verschenkt der Film dadurch ordentliches Potenzial und bringt sich selbst um Tiefe. Umkhonto We Sizwe führte wirklich hauptsächlich Sabotageakte aus und versuchte, die weiße Zivilbevölkerung zu schonen. Dennoch starben laut Angaben durch ihre Aktionen insgesamt 63 Menschen, darunter auch Zivilisten. Ein weiterer Kritikpunkt ist das übertrieben rasche Tempo der letzten Minuten und das abrupte Ende.

Derek Luke verkörpert Patrick auf exzellente Weise und bringt jede noch so kleine Gefühlsregung glaubhaft zum Ausdruck. Beim Mimen des Gegenspielers beweist Oscar-Preisträger Tim Robbins ("Mystic River"), wie er auch den letzten Zwischenton bei der Charakterisierung herausstellen kann. Als Precious gefällt Bonnie Henna.

Fazit

Ein spannend inszeniertes, toll gespieltes Stück Zeitgeschichte, das durchaus hätte komplexer und am Ende stilsicherer ausfallen können.

Maren Langos - myFanbase
08.03.2011

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