Bewertung: 6
Jérôme Salle

Largo Winch - Tödliches Erbe

"I do not do my invincibility tattoo for just anyone. The last man I did it for got shot in the head as he stepped out of here. Some business over a girl. He stopped the bullet with his teeth. I have another one who stepped on a land mine. Not a scratch on him..."

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Inhalt

Der Milliardär Nerio Winch (Miki Manojlovic) wird in Hongkong ertrunken aufgefunden. Schnell stellt sich heraus, dass dies kein Unfall war, sondern dass Shareholder ihre Finger im Spiel hatten. Es besteht die Gefahr, dass die W Group, Imperium von Nerio Winch, von anderen Firmen übernommen wird, denn Nerio hat keine Familie, und dementsprechend keinen Erben. So zumindest offiziell bekannt. Nerio jedoch hatte ein Geheimnis. Er adoptierte ein Kind aus seiner alten Heimat, und zog ihn über die Jahre auf, ohne dass es jemand mitbekommen hat, selbst engste Vertraute. Ein Problem gibt es noch, bevor der Erbe sein Schicksal antreten kann: Er sitzt in einem Gefängnis im Amazonas fest. Kann dies ein Zufall sein?

Kritik

Was hat uns James Bond 2006 gelehrt? Es gibt nicht mehr den einen großen Feind, dessen Bedrohung lebensgefährlich ist, sondern es stehen hinter einer Person weitere, und ein Mensch kann auf Anhieb nicht alles durchschauen oder es überhaupt nie verstehen. "Largo Winch" ist zwar nicht die französische Antwort auf den britischen Geheimagenten, obwohl die Macher keinen Hehl daraus gemacht haben, Verbindungen oder Ähnlichkeiten nicht versehentlich eingefügt zu haben (Miss Pennywinkle = Monneypenny), dafür ist er aber mindestens genauso lässig und stark in Aktion auftretend wie sein Vorbild.

Das Vorbild im Film ist jedoch nicht das Vorbild im Original. "Largo Winch" ist nicht eine einfache kurzweilige Produktion aus unserem Nachbarland, sondern eine über viele Jahre durchdachte Roman- und Comicfigur von Jean Van Hamme. Aus diesem Grund stand die Produktionsfirma in der Pflicht, einen geeigneten Hauptdarsteller zu finden, der das verkörpert, was Van Hamme sich erdacht hat, und Millionen von Fans sich vorgestellt haben. Die Wahl fiel auf den in Deutschland geborenen, französischen Humoristen und Schauspieler Tomer Sisley, dem seine baltische Abstammung sicherlich geholfen hat. Diese Wahl war eindeutig die richtige. Schwer, sich vorzustellen, wie Largo mit einem anderen Gesicht aussehen würde, geschweige denn wie seine Anmut in Aktion auftreten würde, wäre es nicht die von Sisley. Der Erfolg spricht auch für sich, denn ein zweiter Teil wurde schon in Auftrag gegeben, und wird 2011 in die französischen Kinos kommen. Fraglich ist weiterhin, ob er auch hierzulande eine Chance erhält. Der erste Teil bekam diese Chance eben nicht. Die Produzenten mussten sich damit zufrieden geben, hier ein DVD/Blu-ray-Release auszuhandeln.

An der Seite von Tomer Sisley stehen die Britin Kristin Scott Thomas und der Tscheche Karel Roden, welche in den Spitzenpositionen zweier Konzerne stehen, und ein Machtspiel ausüben, in dem das Leben von Menschen fast keine Rolle spielt. Das wichtigste bei solchen Machtspielen ist, dass jeder Spieler genau wissen sollte, wem er vertrauen kann, und wem nicht. Ein ungeschriebenes Gesetz im Kapitalismus, Vertrauen, ist die Lektion, die in diesem Film gelehrt wird. Der Zuschauer lernt dies gemütlich auf seiner Couch, Largo muss es schmerzlich erfahren. Kein Wunder also, dass zum Ende selbst die langjährigsten Freunde in den Kreis der Verdächtigen fallen.

Was ziemlich untypisch für französische Produktionen ist, ist, dass das eigene Land nicht in den Fokus gerät, sondern ganz Hollywood-like das aufstrebende China, beziehungsweise Hongkong mit seinen vielen Skyscrapers, und somit der perfekte Schauplatz für ein Duell der Giganten und Investoren. Als Kontrast wird einem der Balkan mit seinen schönen und auch hässlichen Seiten gezeigt.

Fazit

Ein actionreiches und dramaturgisch gut ausgeglichenes Werk von Jérôme Salle, der einen erfolgreichen Spatenstich legen konnte für eine hoffentlich erfolgreiche Serie. Dieser Film zumindest erweckt einen positiven Eindruck.

Ignat Kress - myFanbase
21.08.2010

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