Bewertung: 7
Philippe Haïm

Secret Defense

Ein guter Agent ist kein Mensch, er ist die perfekte Waffe.

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Inhalt

Der französische Geheimdienst versucht, Anschläge einer islamistischen Terrorgruppe zu vereiteln. Dabei setzten sie das Leben junger Agenten aufs Spiel. So gerät auch die junge Studentin Diane (Vahina Giocante) in die Fänge des skrupellosen Alex (Gérard Lanvin), der sie als Agentin zur Terrorbekämpfung ausbilden lässt. Währenddessen trifft der vom rechten Weg abgekommene Pierre (Nicolas Duvauchelle) im Knast auf eine Gruppe islamistischer Kriminellen und findet in ihnen Freunde. Er ahnt nicht, dass sie ihn als Mitglied ihres Terrornetzwerkes anwerben und lässt sich immer mehr von ihnen manipulieren. Der Geheimdienst kommt ihnen auf die Spur und auch Diane und Pierre treffen aufeinander.

Kritik

"Secret Defense" ist ein französischer Politthriller von Regisseur Philippe Haïm aus dem Jahre 2008. Der Film lief nie im Kino, sondern wurde direkt auf DVD veröffentlicht, die Darsteller sind weitgehend unbekannt und der Regisseur war ebenfalls noch nicht an großen Filmproduktionen beteiligt. Diese Fakten sprechen nicht unbedingt für den Film, aber man sollte ihm eine Chance geben, denn manch einer wird in diesem Film ein Juwel finden und andere werden ihn nach ein Mal ansehen wieder vergessen.

Was für den Film spricht und eigentlich schon das Beste an "Secret Defense" ist, sind die Hauptfiguren. Der Wechsel zwischen Pierres und Dianes Lebensgeschichte ist flüssig gelungen. Beide Handlungsstränge um die Charaktere sind spannend anzusehen und gut gemacht, wobei die Geschichte um Diane einen Tick liebvoller und intensiver gestaltet ist. Regisseur Philippe Haïm hat ein gutes Auge für Detail bewiesen und beiden Charakteren Tiefgründigkeit eingehaucht, so dass sie in jeder Minute glaubhaft wirken. Beide kommen in ein intrigantes Netzwerk, bestehe es aus Terror oder aus Geheimdienst, und die zwei jungen Menschen werden mit der Ausweglosigkeit und ihren Gefühlen konfrontiert. Dabei bekommen sie von den Außenstehenden keine Hilfe und werden wie Schachfiguren benutzt. Besonders bei Diane merkt man deutlich, dass der Geheimdienst sie ausnutzt und nicht als menschliches Wesen betrachtet. Es ist eine Stärke des Films, das Leben der Agenten glaubhaft darzustellen, denn meistens werden in Spionagethrillern die Agenten, wie zum Beispiel James Bond oder Ethan Hunt, gewollt zu Helden. Doch in diesem Politthriller haben sich weder Pierre noch Diane den Weg ausgesucht und man fiebert mit ihnen bis zum Schluss mit.

Auch wenn die Darsteller, zumindest für mich, alle unbekannt waren, haben sie großartige Arbeit geleistet. Vor allem die Hauptdarstellerin Vahina Giocante hat mich positiv beeindruckt. Auch die Synchronisation ist perfekt, so dass man überhaupt nicht merkt, ob nun vor einem amerikanischen oder französischen Film sitzt.

Die Handlung ist voller Verwirrungen und Verstrickungen. Der französische Geheimdienst ist auf der Jagd nach einem islamistischen Terrornetzwerk und bereit, das Leben seiner Agenten dafür zu riskieren. Wer sich aber am Anfang viel Spannung und Action verspricht, wird leider enttäuscht werden. Zwar hat die Story sehr viel Potential und könnte durchaus actionreich sein, aber Philippe Haïm hat einen anderen Weg für seinen Film eingeschlagen und man könnte sagen, er hat den typisch französischen gewählt. Statt große Explosionen und Verfolgungsjagden zu inszenieren, geht er den Film mit Ruhe und Sorgfalt an. Viele stille Szenen regen zum Nachdenken an und die Handlung kommt nur langsam vorwärts. Die Geschichte ist spannend, keine Frage, aber dadurch, dass man zu wenig aus den Szenen macht, geht enorm viel Spannung verloren und manchmal wirken einige davon etwas langatmig. Gut gelungen ist dennoch die Musik, die vollkommen mit den Szenen verschmilzt. Oftmals lässt der Regisseur die Szenen auch ohne Musik stehen, was abermals für emotionale Bilder sorgt. Ebenfalls positiv sind die zum Schluss aufgeklärten Wendungen und Überraschungen, die man nicht geahnt hätte. Es ist tatsächlich eine Frage des Geschmacks, ob man nun Hollywood-Produktionen oder diesen französischen Film bevorzugt, aber man sollte "Secret Defense" durchaus die Chance lassen, sich zu beweisen und so mal einen etwas anderen, interessanten Politthriller zu sehen.

Fazit

"Secret Defense" ist ein guter französischer Politthriller, der sich von den typischen amerikanischen Hollywood-Produktionen unterscheidet. Dennoch ist er nicht perfekt, denn mehr Spannung hätte durchaus nicht geschadet. Trotzdem kann man sich den Film ruhig anschauen.

Tanya Sarikaya - myFanbase
27.06.2010

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