Bewertung: 7
Patricia Rozema

Mansfield Park

"Life seems nothing more than a quick succession of busy nothings." – Fanny Price

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Inhalt

England um die Wende zum 19. Jahrhundert: Fanny Price (Frances O‘Connor) wird aus ihrem armen Elternhaus zu ihren reichen Verwandten, der Familie Bertram, geholt. Dort wird sie mit ihren Cousinen Julia (Justine Waddell) und Maria (Victoria Hamilton) erzogen, aber von allen Verwandten wird ihr immer wieder deutlich gemacht, dass sie die arme Verwandte ist. Besonders Mrs. Norris (Sheila Gish), eine weitere Tante von Fanny, nutzt jede Gelegenheit, um Fanny dies deutlich zu machen und sie zu erniedrigen. Einzig mit ihrem Cousin Edmund (Jonny Lee Miller) versteht sie sich blendend, der sie zum Schreiben ermuntert.

Die Jahre gehen ins Land und Fanny ist erwachsen geworden. Neue Nachbarn, Mary (Embeth Davidtz) und Henry Crawford (Alessandro Nivola), ziehen ins Pfarrhaus und mit ihnen kommt viel Trubel in die kleine gelangweilte Gesellschaft. Gerade von Henry Crawford sind sämtliche Damen – bis auf Fanny – schwer begeistert, während sich Edmund in Crawfords elegante und weltgewandte Schwester Mary verliebt. Als Fanny Onkels (Harold Pinter) nach einer langen Reise, bei der er seine Kolonien besucht hat, zurückkehrt, soll nun auch Fanny in die Gesellschaft eingeführt und erfolgreich verheiratet werden, was Fanny gar nicht behagt. Als schließlich Henry Crawford um Fannys Hand anhält und sie den Antrag nachdrücklich zurück weist, wird sie auf Mansfield Park nicht mehr akzeptiert und sie kehrt zu ihren Eltern zurück. Nach einigen dramatischen Ereignissen kehrt Fanny aber nach Mansfield Park zurück, wo sich einiges ändern wird…

Kritik

Die Story hat etwas von Aschenputtel: Ein armes Mädchen lebt bei den bösen Verwandten und bekommt nach vielen Prüfungen und Schicksalsschlägen endlich ihren "Prinzen". Ob Jane Austen beim Verfassen ihres gleichnamigen Buches an dieses Märchen gedacht hat, ist stark zu bezweifeln. Das Buch gilt eher als Jane Austens satirischstes Werk und diesem trägt der Film leider nicht immer Rechnung. Einige Figuren hätten wesentlich komischer herüberkommen können, um ihre Eigenschaften besser zu betonen.

Was die Hauptfigur Fanny betrifft, so zeigt die Filmhandlung eine starke Frau, die immer wieder versucht, eben dieses zu verbergen, weil es sich für eine Frau von damals nicht geschickt hat. Frances O'Connor wirkt toll in dieser Darstellung, aber es ist ein sehr moderner und auch feministischer Blick, der auf die Figur der Fanny geworfen wird. Die Textpassagen die Fanny alias Frances O'Connor im Film laut vorliest und an ihre Schwester Susan (Sophia Myles) gerichtet sind, stammen aus der Feder von Jane Austen, so dass es so wirkt, als ob die Regisseurin Patricia Rozema versucht hat, in der Figur von Fanny auch Jane Austen als Schriftstellerin zu würdigen. Überhaupt fällt sehr auf, dass der Film sehr moderne Züge trägt: Deutlich wird die Sklavenhaltung in den Kolonien in Übersee thematisiert und kritisiert, genauso wie die Rechtlosigkeit von Frauen und auch fällt die Freizügigkeit auf, mit der die Affäre zwischen Fannys Cousine Maria und Henry Crawford gezeigt wird. Ja bis hin zum Opiummissbrauch von Lady Bertram (Lindsay Duncan) wird nichts verhehlt. Dadurch gewinnt die Handlung eine andere Tiefe und verharrt nicht nur an der Oberfläche.

Ein weiteres Merkmal dieses Films ist die Kameraführung: Der Blick der Kamera schwenkt immer mal umher und zeigt Bilder, die mit der Handlung nichts zu tun haben – in diesen Momenten wird die Handlung nur durch die Sprache der Darsteller weiter vorangetrieben. Bei besonders gefühlsbetonten Momenten wird hier immer mit einer Slow-Motion gearbeitet. Diese sicherlich tollen und interessanten Techniken der Filmkunst lenken manchmal etwas zu sehr ab, weil man sich fragt, was diese Kameraführung mit der Handlung zu tun hat.

Fazit

Eine durchaus gelungene, modernere Verfilmung von Jane Austens Roman. "Mansfield Park" bleibt mehr durch die historischen Kostüme und Szenenbilder in der Historie des 19. Jahrhunderts verhaftet, als dass es sich durch die Filmhandlung zeigt.

Miriam Ahrenholz - myFanbase
24.02.2010

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