Bewertung: 6
Ron Clements, John Musker

Küss den Frosch

"I mean I didn't even know frogs had lips. How 'bout a nice firm handshake."

Foto: Tiana & Prinz Naveen, Küss den Frosc - Copyright: Disney
Tiana & Prinz Naveen, Küss den Frosc
© Disney

Inhalt

Ihr Vater hat schon immer davon geträumt, einmal das Inn-Restaurant in New Orleans zu besitzen. Doch bevor er diesen Traum wahrmachen konnte, starb er und nun ist es zum Traum seiner Tochter Tiana geworden, das Restaurant in einer alten Scheune am Hafen der Südstaatenstadt aufzumachen. Obwohl sie seit Jahren mit zwei Kellnerjobs dafür schuftet, reicht das Geld hinten und vorne nicht. Als sie dann aber den großen Auftrag bekommt, ihr selbstgemachtes leckeres Gebäck auf einem großen Kostümball, bei dem auch Prinz Naveen anwesend sein wird, zu backen, scheint ihr Traum wahr zu werden.

Tiana stürzt sich in die Arbeit, doch auch mit dem vielen Geld wird sie bei den Maklern überstimmt und der Traum vom Restaurant scheint so schnell nicht in Erfüllung zu gehen. Einen Tag geben ihr die Makler noch, das restliche Geld zu besorgen. Unmöglich, glaubt Tiana, doch dann begegnet sie den vom Schattenmann verzauberten Prinzen und lässt sich von ihm – mit der Aussicht auf sein Vermögen – breitschlagen, ihn zu küssen. Doch anders als gedacht, wird nicht er zum Prinzen, sondern sie zum Frosch. Nun müssen sie gemeinsam nicht nur vor dem Schattenmann davonhüpfen, sondern auch für Tianas Traum kämpfen und wieder zu Menschen werden...

Kritik

Sie waren einmal das Aushängeschild von Disney. Diese wunderbaren, zu Herzen gehenden Märchen, die mit Musik geschmückt sind und für eineinhalb Stunden den Zuschauer in die Welt einer Prinzessin, eines Dschungels oder irgendwo anders hinbringen. Doch der Film wurde moderner und es schien fast so, als ob die Zeiten der typischen Disney-Märchen abgelaufen sei. Doch war sie das wirklich? Bald begann man bei Disney wohl auch darüber nachzudenken und schon war die Idee da, wieder einen solchen Film zu machen. Doch schon am Anfang der Produktion von "Küss den Frosch" musste sich Disney einiges anhören. Schuld daran war nicht etwa die gezeichnete Machart des Films, sondern deren Prinzessin. Sie war nämlich schwarz. Und schon allein die Tatsache, dass aus einer schwarzen Kellnerin im Film eine wahrhaftige Prinzessin werden soll, sorgte in den Vereinigten Staaten für mächtig Wirbel. Die Diskussionen verebbten jedoch als mit Präsident Obama der erste schwarze Präsident ins Weiße Haus zog. Amerika schien bereit für die erste schwarze Prinzessin in einem Disney-Film.

Es dauerte lange, bis nach den erfolgreichen neuen Animationsfilmen endlich wieder ein gezeichneter 2D-Film mit viel Promotion in die Kinos kam und Jung und Alt begeistern sollte. Schon allein deswegen ist "Küss den Frosch" fast einen Kinobesuch wert. Doch an die großen Werke aus dem Hause Disney beißt sich "Küss den Frosch" zweifellos die Zähne aus. Es ist definitiv nicht so eingehend und emotional wie "Der König der Löwen", nicht so gefühlvoll wie "Die Schöne und das Biest" und kommt auch an andere große Filme nicht heran. Das ist natürlich schade, aber nicht weiter tragisch, da "Küss den Frosch" ganz für sich schon ordentlich unterhält.

Dabei ist es vor allem die sympathische Geschichte, die es schafft, den Zuschauer immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Disney nimmt sich selber wieder einmal nicht so ernst und dreht den guten alten Froschkönig einfach mal um. Anstatt aus dem Frosch einen Prinz zu machen, wird aus der Prinzessin eben mal grad ein zweiter Frosch. Da der Film in New Orleans spielt, dürfen Hexen, Geister und Voodoo natürlich nicht fehlen, dazu noch ein sumpfiger Wald, ein fettes Krokodil, das unbedingt Musiker werden möchte und ein süßes, altes Glühwürmchen, das bei der Lösung des Problems helfen soll. Auch an den Charakteren liegt es nicht, dass "Küss den Frosch" im Gesamtbild nicht vollständig überzeugen kann. Denn die sind allesamt zu liebenswert. Allein schon der Idee, ein fettes Krokodil in einen Disney-Film zu bringen, das lieber ein Mensch wäre, um für sein Saxophonspiel anerkannt zu werden, gebührt Applaus, ebenso wie Glühwürmchen Ray, das verzweifelt nach der Frau fürs Leben sucht und den lieben Fröschen dennoch bei der Beseitigung ihres Problems hilft. Das Gegenstück zu diesen süßen, netten Charakteren ist der klassische Bösewicht in Form des Schattenmannes Dr. Facilier, der mit aller Macht verhindern will, dass auch Naveen wieder ein Mensch wird. Facilier vereinigt dabei all diese typischen Bösewicht-Elemente, was den Film zwar vorhersehbarer macht, aber doch irgendwie typisch für Disney ist.

Die Charaktere sind es also auch nicht, die diesen Film schlussendlich doch nicht vollkommen überzeugen lassen. Es ist die Story. Nach der süßen Idee, aus Tiana ebenso einen Frosch zu machen, scheint es leider so, dass man sich dachte, damit sollte es jetzt gewesen sein. Es wird dann noch ein Bösewicht gezeigt und die beiden Frösche erleben Abenteuer, aber neu oder gar einfallsreich sind diese nicht mehr. Sie bedienen sich teilweise dem typischen Klischee-Denken oder sind einfach schon einmal dagewesene Dinge, die wenig überzeugen können. Auch überraschen kann der Film einen leider nicht mehr richtig. Das Ende hat man sich so sowieso schon gedacht und bis dahin gibt es nur wenige Überraschungen für den Zuschauer.

Dennoch gibt es einige wirklich gute Abschnitte im Film, vor allem die Gesangsteile sind großartig inszeniert und machen Freude beim Zusehen. Da werden gleich mal alle Tiere zusammengetrommelt, um gemeinsam ein Ständchen zu singen und Krokodil Louis legt dazu auf dem Saxophon los. Meistens ein großartiger Spaß. Auch in der deutschen Synchronfassung sind diese Songelemente gar nicht schlecht umgesetzt, wurden mit Roger Cicero und Cassandra Steen ja auch weniger zwei Schauspieler und Synchronsprecher, sondern zwei Musiker für die Parts besetzt. Bei den Songs ist dies natürlich ein Vorteil und die Songteile sind wirklich auch in Deutsch nett anzuhören, weniger jedoch die Dialogteile. Da wäre es wohl empfehlenswert gewesen – wie schon früher – zwei Sprecher einzusetzen und den Songpart vom Sprechpart zu unterscheiden. Zwar versagen alle nicht völlig, aber erfahrenere Sprecher hätten das wohl mit Abstand besser hinbekommen.

Fazit

Trotz dessen, dass "Küss den Frosch" leider nicht perfekt ist, ist der Weg dank des Erfolgs des Films geebnet für weitere Märchen aus dem Hause Disney, die dann hoffentlich besser zeigen, wie schön Disney auch im 21. Jahrhundert noch funktionieren kann.

Eva Klose - myFanbase
05.01.2010

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