Bewertung: 4
Til Schweiger

Zweiohrküken

"Da, da oben liegt meine Kacke bei ihr aufm Nachttisch!"

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Inhalt

Zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils ist der Beziehungsalltag in das Leben von Ludo (Til Schweiger) und Anna (Nora Tschirner) getreten. Das heißt, es gibt viele kleine Streits über Nichtigkeiten und als dann noch Annas Ex-Freund Ralf (Ken Duken) plötzlich wieder auftaucht und sich in die Wohnung von Ludo und Anna einquartiert, und Ludos alte Bekannte versucht, Ludo um den Finger zu wickeln, beginnen erst die richtigen Probleme, die das Beziehungsglück der beiden stark gefährden...

Kritik

Wenn ein Film großen Erfolg an den Kinokassen hat, dann wird er fortgesetzt. So läuft das in der Filmbranche. Das ist ja nicht unbedingt grundsätzlich schlecht, denn es gibt durchaus Filme, bei denen die Fortsetzung den ersten Teil sogar noch übertrifft. Doch grundsätzlich ist dies leider nicht der Fall und auch bei "Zweiohrküken", der Fortsetzung des riesigen Kinoerfolgs "Keinohrhasen" aus dem Jahr 2007, muss man leider feststellen, dass die Fortsetzung dem ersten Teil in wirklich allen Belängen deutlich unterlegen ist.

Das fängt schon beim Humor an: War es beim ersten Teil noch sympathisch-liebenswerter Witz, der zwar teilweise auch unter die Gürtellinie ging, es aber nie wirklich übertrieb, ist es beim zweiten Teil ein zottiger, primitiver, hart an die Schmerzgrenze gehender Humor, dessen Hauptthemen die Länge des männlichen Genitals, Intimrasur, Körbchengrößen oder in der wohl schlimmsten Szene des gesamten Films das Endprodukt des menschlichen Stoffwechselvorgangs sind. Wurde eine solche Art von Humor im ersten Teil noch dosiert und passend eingesetzt, dominiert er nun fast den gesamten Film.

Das Hauptthema ist aber der Beziehungsalltag. In Zeiten von Leuten wie Mario Barth, dessen Lebensaufgabe es ist, von nichts anderem als den klischeehaften Vorstellungen von Mann und Frau zu berichten, hat man langsam wirklich genug von diesem stereotypisierten Möchtegernhumor, der uns die Unterschiede zwischen Mann und Frau vermitteln will. Hatte der erste Teil noch die richtige Balance zwischen Heiterkeit und Ernst gefunden, klappt das hier überhaupt nicht. Wirkliche Emotionen wollen nie aufkommen, da Schweiger durchweg auf Holzhammeremotionalität setzt, bei der leere Strände gezeigt werden und dabei ein neumodern-schnulziger Liebessong im Hintergrund abgespielt wird.

Auch die Nebendarsteller erreichen nicht mal im Ansatz die Klasse des ersten Teils: Waren es im ersten Teil noch genial-abgefahrene Auftritte von Jürgen Vogel als er selbst, Armin Rohde, als zu gekokster Spaßbär oder Wolfgang Stumph als fieser Taxifahrer, sind es hier Uwe Ochsenknecht als recht amüsanter Flirtlehrer und Heiner Lauterbach als betrunkenes Partyhäschen, die beide vereinzelnd zwar überzeugen können, nie aber die Klasse der Nebenfiguren des ersten Teils erreichen.

Ganz schlimm wird es aber bei den neu eingeführten Freunden von Ludo und Anna, die an Plattheit und Klischeehaftigkeit kaum zu überbieten sind. Ludos alte Freundin ist ein vollbusiges Dummchen und Annas alter Freund, der plötzlich wieder auftaucht, ist ein schleimiger Weltenretter. Im Grunde genommen sind diese beiden alten Freunde nur jeweils das genaue Gegenteil der Hauptfiguren, eingeführt, um Unruhe zu stiften. Doch aufgrund der Schablonenhaftigkeit der Figuren sind diese kaum ernst zu nehmen und strapazieren stattdessen die Nerven des Zuschauers.

Insgesamt ist "Zweiohrküken" also eine riesige Enttäuschung und eine völlig unnötige Fortsetzung einer guten, runden, sympathischen deutschen Komödie. Til Schweiger wusste wohl genau, dass aufgrund der Beliebtheit des ersten Teils die Leute so oder so die Kinos stürmen werden und er es somit gar nicht nötig haben würde, erneut auf Kreativität zu setzen. So entwirft er auch kein neues Kinoplakat, kopiert eine Filmszene völlig aus dem ersten Teil, um damit noch eine neue Tierkreation auf den Markt zu werfen, damit er noch mehr Geld scheffeln kann, und serviert abgedroschenen Primitivhumor. Das ist alles wirklich ärgerlich und da tröstet es auch nicht, dass Nora Tschirner wie immer großartig-liebenswert und sympathisch aufspielt und Matthias Schweighöfer noch das Beste aus seiner kümmerlich-kleinen, völlig deplatzierten Rolle herausholen kann.

Der witzigste Moment des Filmes ist ironischerweise auch noch ein ungewollter: Da sagt Tschirners Charakter zu Schweigers: "Du bist ein echt schlechter Schauspieler." Leider ist er in diesem Fall auch zusätzlich noch ein schlechter Drehbuchautor.

Fazit

Insgesamt ein kläglich gescheiterter Versuch, einer abgeschlossenen Handlung eine Fortsetzung aufzuzwängen. Manchmal sollte man vielleicht doch weniger an den Profit und mehr an den künstlerischen Aspekt eines Filmes denken.

Moritz Stock - myFanbase
23.12.2009

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