Bewertung: 5
Paul Verhoeven

Basic Instinct

"Sie wissen, dass ich keine Unterwäsche trage. Nicht wahr, Nick?"

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Inhalt

Der frühere Rockstar Johnny Boz wird beim Liebesspiel mit einem Eispickel regelrecht hingerichtet. Ins Visier der Polizei gerät die wohlhabende Schriftstellerin Catherine Tramell (Sharon Stone), die in ihrem letzten Roman einen eben solchen Mord schilderte und zudem eine Affäre mit Boz hatte. Detective Nick Carrun (Michael Douglas) ist von der unterkühlten, sexuell provokativen Art Tramells fasziniert. Unter den Augen seiner besorgten (Ex-)Geliebten, Polizeipsychologin Beth Garner (Jeanne Tripplehorn), beginnt ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel...

Kritik

Unlängst hat der überaus erfolgreiche Kinofilm den Status eines modernen Klassikers erlangt, der inzwischen bei seinen TV-Ausstrahlungen von sämtlichen Fernsehzeitschriften in der Regel die Höchstwertung erhält. Trotzdem gab und gibt es sie: Die kritischen Stimmen, die vielleicht die ganze Aufregung um die damals tabubrechenden Sexszenen, nicht aber all die Lobeshymmnen nachvollziehen können. Eine jener kritischen Stimme befindet sich nun der Datenbank von myFanbase. Denn "Basic Instinct" ist weder Mach- noch Meisterwerk, sondern ein Film mit nicht von der Hand zu weisenden Stärken und fatalen Schwächen.

Der Film verliert keine Zeit und liefert gleich in den ersten Minuten einen wahren Schockmoment. Es ist der unappetitliche Eispickelmord, der auf einen packenden und actionreichen Thriller voller überraschender Momente hoffen lässt. Eine Erwartung, die "Basic Instinct" leider nicht erfüllen kann. Ja, der Film besitzt spannende Momente, eine tolle Auto-Verfolgungsjagd, einen für den Oscar nominierten Score und bemüht sich redlich, eine kühle Atmosphäre aufzubauen sowie den Zuschauer zu überraschen. Nur erweisen sich die konstruierte, nicht allzu glaubwürdige Geschichte und die aufgesetzten Dialoge als Störfaktoren, welche das Vergnügen trüben. Bereits während der Dreharbeiten protestierten zahlreichen Anhänger der Homosexuellenbewegung gegen Verhoevens Film, da diese die Darstellung lesbischer und bisexueller Charaktere als wenig schmeichelhaft empfanden. Das kann man ihnen beim Ansehen des fertigen Films auch kaum verdenken. Aus Spoilergründen soll hierauf jedoch nicht weiter eingegangen werden. Für den Niederländer Verhoeven bedeuteten die Proteste jedenfalls eine ordentliche Portion kostenfreier Werbung.

Letztendlich spielte "Basic Instinct" weltweit mehr als 352 Millionen US-Dollar ein. Die zu dieser Zeit skandalträchtigen Szenen dürften ihren Anteil dazu beigetragen haben. Selbst für heutige Verhältnisse ist das Treiben auf dem Bildschirm deutlich expliziter als man es von einem amerikanischen Mainstreamfilm erwarten würde. Ob Nacktheit, Oralsex oder Fesselspielchen, die Inszenierung verzichtet auf eine falsche Scham. Eine Szene aber erweist sich als höchst problematisch: Carrun reißt voller Erregung seiner Sexpartnerin den Slip herunter und penetriert sie - obwohl sie mehrfach Nein sagt. Doch siehe da, schließlich scheint es der Frau zu gefallen. Unklar bleibt, ob Carruns Affäre das Ganze als ein Spiel ansieht, das ihr Lust verschafft, oder der Film einer frauenverachtenden, gefährlichen Logik folgt, die besagt, dass eine Frau eigentlich Ja meint, wenn sie Nein sagt. Für diese Unklarheit gibt einen Punkt Abzug.

Viele, sehr viele berühmte Schauspielerinnen wurden für die weibliche Hauptrolle in Betracht gezogen. Unter anderem Kim Basinger, Michelle Pfeiffer und Greta Sccachi lehnten ab. Am Ende erhielt die, zum damaligen Zeitpunkt noch unbekannte Sharon Stone die Rolle der Catherine Tramell. Eine perfekte Besetzung. Stone besitzt eine Präsenz, welche ihresgleichen sucht. Sobald Catherine in Erscheinung trifft, dominiert sie die Szene. Neben Stone, die sowohl für den Globen Globe als auch lächerlicherweise für die Goldene Himbeere nominiert wurde, verblasst sogar ein Michael Douglas. Jeanne Tripplehorn liefert ein solides Kinodebüt ab, während George Dzundza als Carruns Partner nicht wirklich viel zu tun hat.

Zum Schluss fehlt nur noch die obligatorische Erwähnung des "berühmtesten Beinüberschlags der Filmgeschichte". Die Szene, in der Catherine Tramell alias Sharon Stone nicht nur ein paar anwesenden Polizisten einen kurzen, voyeuristischen Blick zwischen ihre Schenkel gewährt, hat Kultstatus. Paul Verhoeven selbst schrieb sie nachträglich ins Drehbuch. Stone behauptet heute, er habe sie ausgetrickst und ihr versprochen, dass ihre Genitalien in der Endfassung nicht zu sehen sein würden, was der Regisseur natürlich dementiert. Wer auch immer die Wahrheit sagt, der große Bekanntheitsgrad des Films ist untrennbar mit jener Szene verbunden.

2006 erschien das Sequel "Basic Instinct 2 - Neues Spiel für Catherine Tramell", dessen Kritiken zumeist vernichtend ausfielen.

Fazit

Äußerst freizügiger Erotikthriller, der trotz spannender Momente und einer beeindruckenden Sharon Stone nicht zu überzeugen weiß. Schuld daran tragen eine konstruierte Geschichte und aufgesetzte Dialoge.

Maren Langos - myFanbase
06.12.2009

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