Bewertung: 8
Terry George

Hotel Ruanda

When the world closed its eyes, he opened his arms.

Foto: Copyright: 2005 Universum Film GmbH
© 2005 Universum Film GmbH

"Hotel Ruanda" basiert auf einer wahren Begebenheit. Der Film erzählt die Ereignisse während des Völkermordes im Jahre 1994, als ein einziger Mann, der Hotelmanager Paul Rusesabagina, den Mut hatte, 1268 Menschen im Hôtel des Mille Collines in der Hauptstadt Kigali Zuflucht zu gewähren.

Inhalt

Ruanda, 1994: Die jahrelangen Konflikte zwischen den Völkergruppen der Hutu und Tutsi eskalieren in einen bestialischen Völkermord. Auslöser dafür ist der Mord an dem Hutu-Diktator Habyrimana, der jedoch von langer Hand geplant war. In den darauffolgenden Tagen werden unzählige Menschen aus beiden Völkergruppen getötet. Paul Rusesabagina (Don Cheadle), der als Hotelmanager im Mille Colines Hotels in Kigali arbeitet, hat eigentlich nichts zu befürchten, was für seine Familie aber nicht gilt, denn seine Frau Tatiana (Sophie Okonedo) ist eine Tutsi.

Paul versucht seine Familie in Sicherheit zu bringen, doch die Ereignisse überschlagen sich. Viele Menschen suchen in seinem Hotel Zuflucht und nur mit großer Mühe und Verhandlungsstrategien mit der Miliz vor Ort kann er sie schützen. Da er nun selbst als ein Verräter gilt, muss er Stunde für Stunde um sein eigenes Leben fürchten. Der UN-Colonel Oliver (Nick Nolte) und der Journalist Jack (Joaquin Phoenix) müssen fassungslos mit ansehen, wie die Vereinten Nationen das Land seinem Schicksal überlassen.

Kritik

Terry George verfilmte 2005 die wahre Geschichte des Hotelmanagers Paul Rusesabagina, der 1994 über 1200 Menschen im Hôtel des Mille Collines Zuflucht anbot, als zwischen den Hutus und Tutsis ein Bürgerkrieg eskalierte. Bereits in den ersten Szenen ist zu merken, dass der Regisseur sein Augenmerk nicht auf den Völkermord lenken und mit Bildern schockieren möchte, sondern einfach und mit sehr viel Tiefgang und Einfühlungsgabe die Geschichte von Paul Rusesabagina und seiner Familie in den Fokus stellt.

Der Bürgerkrieg zwischen den beiden Völkern gerät dadurch nicht vollkommen in den Hintergrund. Er wird immer wieder durch das Auftauchen von Milizen oder Schüssen in Erinnerung gerufen, was mir auch reichte. Ich wollte kein Gemetzel sehen. Pauls Entwicklung inmitten dieser schwierigen Zeit wurde sehr interessant, plausibel und authentisch gezeigt, und ich hätte mir im Nachhinein keinen besseren Schauspieler als Don Cheadle für diese Rolle vorstellen können. Anfangs noch auf sich fixiert und den Krieg ausblendend, entwickelt sich der Hotelmanager im Laufe nur weniger Tage zu einem Menschen, der weiß, wie er die Milizen für sich nutzen kann, der Beziehungen spielen lässt, seine Familie in Sicherheit bringen und selbst in Ruanda bleiben möchte, weil er die Menschen nicht alleine lassen kann. Aus einem erfolgreichen Mann, der anfangs einen sturen Eindruck auf den Zuschauer macht, wird ein Mensch, der sich für andere aufopfert. Als ob es das Selbstverständliche auf der ganzen Welt wäre.

Auch die Rolle der Presse, im Film flüchtig, aber auffällig dargestellt von Joaquin Phoenix und David O'Hara, bekommt einen gewichtigen Teil im Film. Es wird anschaulich vorgeführt, dass die Medien zwar das Material über Ruanda weiterleiteten, doch im Prinzip nichts ausrichten konnten. Das Land blieb auf sich gestellt und bekam keine Unterstützung von den Vereinten Nationen. Ein paar Szenen, nicht viele, drückten die Dramatik dann allerdings wieder herunter, weil sie einfach nicht ins ganze Szenario eines Krieges passten. Sie waren mir einfach zu klischeehaft und á la Hollywood, doch mit einem Augenzwinkern kann man darüber hinwegsehen.

Don Cheadle, der die Rolle des Paul Rusesabagina grandios spielte, konnte allerdings auch nur so glänzen und überzeugen, weil er mit der bezaubernden Sophie Okonedo eine großartige Schauspielerin mit sehr viel Tiefgang als seine Filmehefrau Tatiana zur Seite gestellt bekam. Die Harmonie zwischen Cheadle und Okonedo stimmte einfach und das spürt der Zuschauer auch, sodass alles passte. Mir hat der Film sehr gut gefallen, besonders aus welcher Sichtweise er erzählt wurde. So erfuhr man ebenfalls mehr über die Hintergründe dieses Bürgerkrieges.

Cheadle und Okonedo erhielten übrigens beide eine Oscar-Nominierung, die auch gerechtfertigt waren. Dazu wurde das Drehbuch von Keir Pearson und Terry George für einen Oscar nominiert. Dass der Film "Hotel Ruanda" jedoch keine Nominierung als bester Film bekam, finde ich immer noch schade, um es freundlich auszudrücken, denn verdient hätte es dieses Drama allemal.

Fazit

Ein Film, der berührt, erschüttert, und über den man nachdenken, aber auch reden sollte.

Dana Greve - myFanbase
24.11.2009

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