Bewertung: 6
Isabel Coixet

Eine Karte der Klänge von Tokio

"I cannot imagine a world in which my daughter is dead, and this man remains alive."

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Inhalt

Als seine junge Tochter Selbstmord begeht, ist der Unternehmer Nagara (Takeo Nakahara) am Boden zerstört. In seiner Wut beauftragt er seinen Assistenten Ishida (Hideo Sakaki) damit, den spanischen Freund seiner toten Tochter, David (Sergi López), töten zu lassen, da er diesen für den Suizid verantwortlich macht. Ishida wendet sich an die Auftragskillerin Ryu (Rinko Kikuchi), eine an Schlafmangel leidende, sozial abgeschottete Frau, die auf einem Fischmarkt arbeitet. Ryu nimmt den Auftrag an, doch als sie auf David trifft, kann sie sich nicht überwinden, ihn zu töten. Stattdessen beginnen die beiden eine Affäre, die sowohl Ryu als auch David in emotionale Schwierigkeiten bringt.

Kritik

Faszination Tokio. Die größte Metropole Asiens ist und bleibt ein beliebter Ort für Filmemacher aus der ganzen Welt. Man denke an Sofia Coppola und ihr großartiges Drama "Lost in Translation", an "Wasabi" mit Frankreichs Jean Reno oder an den deutschen Berlinale-Anwärter "Kirschblüten – Hanami". Was diese Faszination ausmacht, sind die Gegensätze, die die pulsierende Großstadt in sich vereint – Hektik und Ruhe, die Anonymität der Masse, tiefe Einsamkeit und fröhliches Beisammensein, das Aufeinanderprallen von japanischer Tradition und modernem Fortschritt. In diese Welt voller Widersprüche setzt die katalanische Filmemacherin Isabel Coixet ihre Geschichte über ein Paar, das ebenfalls in einem schier unüberwindbaren Kontrast zueinander steht: Die Liebe zwischen einer Auftragskillerin und ihrem Mordopfer.

Coixets Film bedient sich für die Erzählung der Geschichte nicht vieler Worte. Stattdessen lässt sie die Kamera für sich sprechen, zeigt wunderschöne Bilder und produziert mit passender Musik oder gezielter Stille eine großartige Stimmung für jede Szene. Ihre Vision des wie ein lebendiger Organismus erscheinenden Tokio zieht den Zuschauer sofort in den Bann, sei es der blutige Fischmarkt oder das billig dekorierte Sexhotel, Davids spanischer Weinladen oder der zauberhaft-schöne Friedhof. Somit ist das Setting für die Geschichte zwischen Ryu und David perfekt. Doch obwohl die äußeren Umstände bis ins kleinste Detail stimmig sind, hat man während der gesamten Spielzeit des Films das Gefühl, dass etwas fehlt. Coixet schafft es zwar, eine gewisse melancholische Grundstimmung zu erzeugen, aber dafür vernachlässigt sie das Wichtigste, nämlich die Gefühle zwischen Ryu und David.

Sicherlich ist die Beziehung zwischen der Japanerin und dem Spanier alles andere als alltäglich. Die stille, fast schon depressive Ryu hat bis auf einen alternden Tontechniker – dem Erzähler der Geschichte – keine Freunde und führt ein stumpfes, sinnloses Leben. David steckt noch in seiner Trauer über den Selbstmord seiner Freundin und verbringt Stunden allein in seinem Weinladen. Ihr erstes Treffen endet nackt im Hotel Bastille. Doch viel mehr als explizite Sexszenen hat die Beziehung letztlich nicht zu bieten. Coixet verfehlt es, die leere Affäre zwischen Ryu und David mit Inhalt zu füllen, was nicht zuletzt an der fehlenden Chemie zwischen Rinko Kikuchi und Sergi López liegt.

Leider entpuppt sich vor allem Sergi López als Fehlbesetzung. Seine Darstellung des David ist hölzern und geradezu nichtssagend. Das ist schade, denn Rinko Kikuchi ist als Ryu absolut fantastisch. Ihre Ryu ist sowohl mysteriös als auch leblos, sinnlich und doch zerbrechlich. Ähnlich wie schon in "Babel" projiziert Kikuchi die Emotionalität ihres Charakters mit äußerster Intensität und viel Sensibilität auf die Leinwand. Hätte sie jemand anderen als Sergi López an ihrer Seite gehabt, wäre "Eine Karte der Klänge von Tokio" sicherlich mehr als nur ein schöner Arthouse-Film geworden.

Fazit

Stellenweise bezaubernd, stellenweise jedoch zu oberflächlich erzählt Isabel Coixet mit ihrem Film die Geschichte einer eigenartigen Liebe. Die Filmemacherin beweist, dass sie ihr Handwerk kann, doch in "Eine Karte der Klänge von Tokio" wäre sicherlich noch mehr dringewesen. So bietet der Film zwar einen weiteren Einblick in die faszinierende Welt Tokios, aber nicht in das Seelenleben der zwei Protagonisten.

Maria Gruber - myFanbase
16.10.2009

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