Bewertung: 9
Tony Kaye

American History X

"Es war falsch, und es hat mich aufgefressen. Es hätte mich umgebracht, und ich hab mich immer nur gefragt: Warum bin ich auf diesen Mist reingefallen?" - Derek

Inhalt

Derek (Edward Norton) ist ein überzeugter Neonazi und geht mit seinen Gleichgesinnten radikal gegen Ausländer vor. Als er drei Schwarze dabei erwischt, wie sie ihm sein Auto klauen wollen, bringt er zwei von ihnen brutal um und muss dafür drei Jahre im Gefängnis sitzen. Doch bei den Neonazi-Anhängern wird er als Held gefeiert und für seinen kleinen Bruder Danny (Edward Furlong) ist er ein Idol. Doch im Knast fängt Derek an, an der Ideologie der Nazis zu zweifeln. Währenddessen rutscht Danny immer tiefer in die rechtsradikale Szene hinab.

Kritik

Wenn nach einem Film dem Zuschauer der Atem wegbleibt und die Tränen kommen, dann ist es ein gelungener Film. Und so ergeht es einem, nachdem man "American History X" angeschaut hat. Noch nie habe ich einen Film über Nationalsozialismus gesehen, der mich so berührt hat.

Das Drama von Tony Kaye besteht zum Teil aus Schwarz-Weiß-Rückblenden, die zeigen, wie Derek mit seiner Nazi-Gruppe gegen Ausländer vorgeht, und anschließend seine Zeit hinter Gittern. In der Gegenwart, die dann wieder farbig ist, wird aus der Sicht von Dereks kleinem Bruder Danny erzählt. Mehr soll auch gar nicht verraten werden, denn der Film ist effektiver, wenn man ihn sich, ohne zu viele inhaltliche Details zu kennen, ansieht. Dieser ständige Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart ist einfach genial. Dereks Charakter wurde dabei äußerst realistisch dargestellt. Am Anfang ist er der Neonazi, welcher brutal zwei Farbige umbringt und deswegen ins Gefängnis muss. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Zuschauer einen Hass auf Derek und er kann null Sympathie gewinnen. Aber jetzt kommt das Unglaubliche und für mich das Gelungenste am Film: Durch seinen Aufenthalt im Knast, der alles andere als gemütlich ist, ändert Derek seine Einstellung zum Nationalsozialismus. Diese Tatsache wird äußerst realistisch und glaubwürdig dargstellt, und plötzlich gewinnt der Zuschauer Sympathie für den ehemaligen Rechtsradikalen. Mit viel Gefühl und einer genialen Storyline, die sich im Gefängnis abspielt, schafft es Tony Kaye, dass die Zuschauer in Derek einen guten Menschen sehen. Das hat mich sehr fasziniert und ergriffen.

Ebenso berührt haben mich die vielen Szenen, in denen man die Brutalität der Neonazis sieht und in manchen Szenen am liebsten gar nicht hingucken möchte. Der Film zeigt ohne Beschönigungen die grausame Realität und die Verbrechen, die Neonazis in diesem Film begehen. Durch diese ausdruckvollen Bilder bekommt man in einigen Szenen wirklich Gänsehaut. Deshalb ist nach manchen Szenen eine Pause nötig, die einem der Regisseur auch gibt. So wird zum Beispiel Derek gezeigt, der sich im Spiegel seine Hakenkreuz-Tätowierung betrachtet und sie anschließend mit seiner Hand verdeckt, da er sich schämt. Oder als Derek und Danny die Neonazi-Poster von der Wand abreißen. Und genau diese Szenen sind es, die noch mehr als alle vorherigen Szenen berühren.

Auch wenn Danny der Hauptcharakter des Films ist, ist Edward Norton der Mann der Stunde. Edward Furlong hat zwar auch sehr überzeugen können, aber durch Norton ist der Film so gut geworden. Für seine Rolle wurde er zweimal als Bester Hauptdarsteller nominiert und das völlig verdient. Seine Leistung ist überragend und man nimmt ihm seinen Charakter zu 100 Prozent ab. Ferner können alle anderen Darsteller überzeugen.

Das Ende kann nur die Genialität des Films unterstreichen und sorgt dafür, dass "American History X" in den Köpfen der Zuschauer bleibt. Die ernste Thematik und Message konnten ganz klar rübergebracht werden und der Film regt sehr zum Nachdenken an. Dieses Drama über Nationalsozialismus ist das beste seiner Art, das ich bisher gesehen habe.

Fazit

Selten hat mich ein Film so gefesselt, berührt und geschockt gleichzeitig. "American History X" geht einfach unter die Haut.

Tanya Sarikaya - myFanbase
27.09.2009

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