Bewertung: 9
Wai-keung Lau & Alan Mak

Infernal Affairs

Cop und Gangster – sie sind beides

Foto:

Inhalt

Zwei Männer, deren Lebensumstände scheinbar nicht gegensätzlicher sein könnten. Inspektor Lau (Andy Lau), dient dem Gesetz und bekämpft unter der Leitung seines Vorgesetzen, dem Polizeichef Wong (Anthony Wong), das organisierte Verbrechen. Ganove Yan (Tony Leung) hat sein Leben eben jenem gewidmet und arbeitet für den Triaden-Boss Hon Sam (Eric Tsang), den Wong zu Fall bringen will.

Aber der Schein trügt. In Wahrheit liegen Laus und Yans Loyalitäten auf der vermeintlich feindlichen Seite. Lau arbeitet heimlich für Sam, Yan für Wong. Beide Männer sind Spitzel und beiden droht nun langsam aber sicher die Enttarnung durch den jeweils anderen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, bei dem es am Ende nur einen Sieger geben kann…

Kritik

Verrat. Ehre. Machtgier. Verlust der eigenen, klar umrissenen Identität. Wai-keung Laus und Alan Maks mit sieben Hongkong-Awards prämierter Film bietet die besten Zutaten für einen packenden Thriller. Das sah Martin Scorsese wohl genauso und drehte mit "Departed" (2006) ein amerikanisches Remake der chinesischen Vorlage. "Departed" wurde schließlich mit vier Oscars ausgezeichnet, darunter auch in der Kategorie Bester Film. In vielen Kritiken wurden Vorlage und Neuverfilmung miteinander verglichen. Gemeinsamkeiten wurden herausgearbeitet und Unterschiede skizziert. So interessant dies sicherlich auch ist, sollte man trotzdem "Infernal Affairs" und "Departed" als eigenständige Werke betrachten. Daher setzt sich diese Rezension auch nur mit dem Original auseinander. Und das ist ein düsteres Meisterwerk, ein Thrillerdrama der Extra-Klasse. Umso unverständlicher, warum "Infernal Affairs" in Deutschland nie eine Kinopremiere erlebte, sondern direkt auf DVD erschien.

Womit soll man zuerst anfangen, wenn man von einem Film berichten möchte, der einen derartig stark gefesselt, fasziniert und tief beeindruckt hat? Vielleicht mit dem, was jemanden, der nur den Trailer kennt, als erstes auffallen würde. Also beginnen wir mit den technisch-handwerklichen Aspekten. Der Look von "Infernal Affairs" ist düster, kühl und einfach nur verdammt cool. Hinzu kommen raffinierte Schnitte, eine grandiose Kameraführung sowie eine tolle musikalische Untermalung. Nichts davon verkommt zum reinen Selbstzweck. Stattdessen tragen all diese Elemente zur Spannung des Films bei und unterstreichen nur seinen komplexen Charakter. "Infernal Affairs" ist kein Thriller, den man sich einfach mal so nebenbei anschauen kann. Er verlangt von seinen Zuschauern eine erhöhte Aufmerksamkeit, fordert zum Mitdenken und Kombinieren auf. Auf die Ausgestaltung verschiedener Details innerhalb der Geschichte wurde viel Wert gelegt, alles erscheint genau durchdacht. Löblich: Der Verzicht auf eine übermäßige, von der Handlung ablenkende Gewaltdarstellung.

Die Figurenzeichnung fällt äußerst präzise aus. Yan und Lau sind zwei facettenreiche Hauptfiguren, deren Wege sich mehrfach kreuzen. Der Film folgt beiden gleichermaßen, was sich sehr Suspense fördernd auswirkt. Tony Leung und Andy Lau vollbringen eine schauspielerische Glanzleistung. Auch Anthony Wong und Eric Tsang gelingt es, den Polizeichef und den Gangsterboss auf dem Bildschirm lebendig werden zu lassen. In diesem Zusammenhang: Ein Lob auch an all die Darsteller der restlichen, weitaus geringeren Nebenrollen. Namentlich erwähnt werden müssen auf jeden Fall Chapman To (als Tsui Wai-keung), Sammi Cheng (als Mary) und Kelly Chen (als Dr. Lee Sum Yee). Tony Leung und Anthony Wong gewannen für "Infernal Affairs" jeweils drei Preise. Schade, dass weder Andy Lau noch Eric Tsang die gleiche Ehre zu Teil wurde. Verdient hätten sie es allemal.

"Infernal Affairs" ist ein Film, der im Gedächtnis bleibt. Daran ist auch die finale, unerwartete Schlusspointe nicht ganz unschuldig ... denn die hat es in sich.

Fazit

Komplex erzähltes, spannendes Werk mit vielschichtigen (Haupt-)Figuren. Ein Gangster- und Thrillerdrama auf höchstem Niveau. Die Bezeichnung "Meisterwerk" trifft es perfekt.

Maren Langos - myFanbase
20.08.2009

Diskussion zu diesem Film