Bewertung: 9
Rob Reiner

Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers

For some, it's the last real taste of innocence, and the first real taste of life. But for everyone, it's the time that memories are made of.

Foto: Copyright: Sony Pictures Home Entertainment
© Sony Pictures Home Entertainment

"Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers" beruht auf der Novelle "Die Leiche" (engl. "The Body") aus dem Jahr 1982 von Stephen King. In ihr gründet der Auftakt des Castle-Rock-Zyklus, der die Zusammenhänge einzelner Geschichten von Stephen King bezeichnet, die alle in der fiktiven Stadt Castle Rock in Maine spielen. Nach der erfolgreichen Verfilmung gründete Rob Reiner die Filmproduktionsgesellschaft 'Castle Rock Entertainment', die nicht nur eine Vielzahl weiterer King-Romane produzierte, sondern beispielsweise auch "Harry und Sally" filmisch umsetzte.

Inhalt

Nachdem der Schriftsteller Gordon Lachance in der Zeitung über den Tod von Chris Chambers gelesen hat, besinnt er sich zurück auf einen ganz speziellen Sommer in seiner Jugend. Im Sommer 1959 machte sich Gordie (Wil Wheaton) damals mit Chris (River Phoenix) und seinen anderen beiden Freunden Teddy Duchamp (Corey Feldman) und Vern Tassio (Jerry O'Connell) auf den Weg, um die Leiche von Ray Brower zu finden. Dieser war vor kurzem verschwunden und Vern hatte gehört, wie sein Bruder Billy (Casey Siemaszko) von dem Fund der Leiche sprach, den er allerdings vor der Polizei geheim hielt.

Die vier Freunde machen sich daraufhin auf eine zweitägige Wanderung, um diejenigen zu werden, von denen in der Zeitung stehen würde, dass sie die Leiche des Jungen gefunden hätten. Auf ihrer Wanderung stoßen sie immer wieder auf kleinere Probleme, sie denken über ihre Zukunft nach, sprechen über ihre jetztige Situation, erzählen sich ihre Geheimnisse und Ängste und haben viel Spaß gemeinsam.

Doch die vier sind nicht die einzigen, die auf der Suche nach der Leiche sind. Verns Bruder hat das Geheimnis dem Bandenführer Ace Merrill (Kiefer Sutherland) verraten und dieser macht sich mit seiner Gang auch auf den Weg, um als Finder in die Zeitung zu kommen.

Kritik

Trotz einiger kleiner Veränderungen bei der Adaption vom Buch zum Film, die vor allem für den erfolgreichen Erzählstil des Films von Nöten waren, schafft es der Film, die oftmals scheinbar belanglosen Dialoge der Hauptcharaktere wunderbar einzufangen und den Zuschauer knapp anderthalb Stunden mit auf eine Abenteuerreise von vier jungen Freunden zu nehmen, die vor einer enormen Veränderung in ihrem Leben stehen und somit ihren letzten Sommer noch einmal gemeinsam miteinander genießen wollen.

Dabei werden die Sequenzen von Gordies verstorbenem Bruder, Gordies unterhaltsame Erzählung und die Nebenhandlungen wunderbar in die Haupthandlung eingeflochten und ergeben so ein sehenswertes Gesamtkunstwerk, das den Charme der späten 50er Jahre, sowie die unschuldige Freundschaft von vier Freunden perfekt nachzeichnet.

Die vier Jungschauspieler liefern eine glaubwürdige Leistung ab und vor allem River Phoenix, der leider 1993 an einer Überdosis gestorben ist, sticht einmal mehr heraus, zeichnet seinen Charakter authentisch nach und stellt damit die anderen drei Darsteller in manchen Szenen in den Schatten. Seine Intensität beim Spielen und sein Ausdruck in den Dialogen, lassen ihn viel älter wirken, als er zur Zeit des Drehs war und es ist verständlich, dass man dem jungen Schauspieler damals eine große Karriere vorhergesagt hat.

Doch auch die anderen drei Jungschauspieler können ihre Charaktere glaubwürdig auf die Leinwand bringen. Wil Wheaton verleiht seinem Charakter Gordie eine unheimliche Sensibilität, die ihn stellenweise ungemein zerbrechlich wirken lässt, und auch in den Szenen, in denen er 'stark sein muss' nicht verloren geht. Jerry O'Connell, der mit "Stand by Me" sein Leinwanddebüt feierte, setzt den Charme des verängstigten Verns geradezu komödiantisch um und auch Corey Feldman spielt seinen Charakter mit einer enormen Intensität, so dass man ihm jeden Gefühlsausbruch und jede nervige Anmerkung sofort abkauft.

Neben den vier Jungschauspielern, die jedem 'erwachsenen' Darsteller unlängst die Show stehlen, sehen wir einmal mehr Kiefer Sutherland in der Rolle eines Halbstarken, der nichts Gutes verheißt. Außerdem spielt John Cusack in einigen Rückblicken des Films den älteren Bruder von Gordie und Richard Dreyfuss schlüpft in die Rolle des Erzählers.

Der gleichnamige Song von Ben E. King, der knapp 20 Jahre zuvor produzierte wurde, rundet den Film perfekt ab, indem er den Film mit einer Instrumentalversion gefühlvoll einleitet und in seiner unveränderten Form den Abspann bestimmt. Der Text von "Stand by Me" fügt sich grandios in die Erzählung ein und ergänzt diesen akustisch optimal. Auch der weitere Soundtrack macht es dem Zuschauer leichter, sich in die scheinbar unbeschwerte Zeit, in der der Film spielt, hinein zu versetzen. Damals war der Sommer von Jugendlichen noch nicht von Fernsehen und Computerspielen bestimmt, sondern man verbrachte seine Zeit im Freien, saß am Lagerfeuer, wanderte über Bahngleise und suchte nach einem Abenteuer.

Ein kleines Manko hat leider die deutsche Synchronisation aufzuweisen. Der von Kiefer Sutherland gespielte Ace Merrill wurde in der deutschen Synchronisation lediglich bei seinem Spitznamen 'King' genannt. Da Ace jedoch auch in weiteren Romanen von Stephen King ("Pin Up", "Nona", "Needful Things") auftaucht, bleibt dem Zuschauer dieser Querverweis vollkommen verborgen. Außerdem wurden auch viele heutzutage sehr gängige englische Begriffe 'eingedeutscht', was in der heutigen Zeit ein wenig irritierend klingen mag, in den 1980er Jahren aber wahrlich notwendig war. Dennoch kann man an der Synchronisation ansonsten nicht wirklich etwas aussetzen, da sie verständlich und originalgetreu umgesetzt wurde.

Fazit

"Stand by Me" ist und bleibt eine der besten und einfühlsamsten Verfilmungen von Stephen King. Rob Reiner hat es geschafft, das Beste aus den vier Jungschauspielern zu holen, sie für ihre Rollen zu sensibilisieren und damit einen absoluten Filmklassiker zu erschaffen.

Annika Leichner - myFanbase
16.08.2009

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