Bewertung: 8
Joshua Michael Stern

Swing Vote

Ein Mann. Eine Stimme.

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Inhalt

Es ist Wahltag in den USA. Der amtierende Präsident Andrew Boone (Kelsey Grammer) und sein Konkurrent Donald Greenleaf (Dennis Hopper) lagen in den letzten Umfragen gleichauf, so dass von allen Experten eine knappe Entscheidung erwartet wird. Wie knapp es sich wirklich entwickelt, hätte jedoch niemand vorhersehen können. Durch einen bizarren Zufall hängt die Entscheidung, welcher der beiden Kandidaten die Wahl gewinnt, an nur einem Mann: Bud Johnson (Kevin Costner). Dieser ist ein arbeitsloser, allein erziehender Vater, der zuviel trinkt und kaum für seine Tochter Molly (Madeline Carroll) sorgen kann. Nun wird Bud zum Medienstar und die beiden Präsidentschaftskandidaten werben mit viel Aufwand um seine Gunst, wobei sie ihre eigentlichen Ziele und Ideale mehr und mehr aus den Augen verlieren. Molly ist von ihrem Vater, der seine 15 Minuten Ruhm genießt, ohne sich Gedanken um die große Verantwortung zu machen, die er auf seinen Schultern trägt, enttäuscht.

Kritik

Das amerikanische Wahlsystem ist eines der kompliziertesten der Welt. Selbst der Großteil der amerikanischen Wähler lernt wohl schneller die deutsche Nationalhymne, als den genauen Ablauf des Systems zur Bestimmung eines neuen Präsidenten. Von daher wird in diesem Film auch nicht wirklich versucht, ausführlich zu erklären, wie es möglich ist, dass die Entscheidung plötzlich an der Stimme eines einzigen Mannes hängt. Als Zuschauer glaubt man es einfach, weil es zu einem so komplizierten Wahlsystem passt.

Wie es aussieht, wenn ein einzelner Mann, der überhaupt nichts mit Politik am Hut hat und aus einfachen Verhältnissen stammt, plötzlich zur Stimme der Nation wird, stellt dieser Film größtenteils wirklich wunderbar dar. Bud Johnson muss sich in wenigen Tagen entscheiden und in dieser Zeit betreiben die beiden Präsidentschaftskandidaten einen eigens auf ihn zugeschnittenen Wahlkampf. Dem geistig überforderten Bud werden plötzlich Fragen zu Abtreibung, gleichgeschlechtlicher Ehe und anderen schwierigen Themen gestellt. An seinen hilflosen Antworten orientieren sich die beiden Kandidaten, verbiegen sich und stellen sich so dar, wie es Bud scheinbar gefällt. Dies führt zu vielen tragisch-komischen Momenten. Man kann oft nicht anders, als herzhaft zu schmunzeln, wenn Buds sehr simple Lieblingsgerichte plötzlich bei großen Empfängen serviert oder nur für ihn aufwendige Wahlwerbespots, basierend auf seiner einfachen Weltanschauung, gedreht werden. Die Präsidentschaftskandidaten sehen sich gezwungen, ihre eigenen Ideale zu verraten und die Wahlversprechen, die sie ganz Amerika zuvor gegeben haben, vollkommen umzustülpen, nur um einen einzigen Mann zu überzeugen, der gar nicht richtig begreift, was um ihn herum geschieht.

Beide Präsidentschaftskandidaten werden dabei nicht als seelenlose Pragmatiker dargestellt, die ihre Fähnchen gerne und ohne zu zögern nach dem Wind richten. Vielmehr leiden beide Männer zunehmend unter der Situation, doch sie sehen keine andere Möglichkeit und werden von ihren Wahlkampfmanagern gedrängt, sich selbst zu verkaufen, um Bud zu gefallen. Wenn also eine politische Personengruppe schlecht wegkommt, dann die Wahlkampfmanager, doch auch diese kann man teilweise verstehen, denn ihr Job sieht nun einmal vor, eine Wahl zum Sieg zu führen - eine Silbermedaille gibt es nicht. Die Wahl zu verlieren heißt für sie, im Job versagt zu haben.

Die Medien spielen in diesem Film ebenfalls eine bezeichnende Rolle. Bud und seine Tochter werden Tag und Nacht von Journalisten belagert. Der eigentlich in keiner Weise außergewöhnliche Bud wird zum Star gemacht, der alle Titelseiten ziert und Ehrungen erhält, die er nicht wirklich verdient hat. Auch dies wird mit einer guten Mischung aus Komik und Tragik umgesetzt.

Natürlich lernt Bud letztlich wichtige Lektionen und kommt seiner Tochter wieder näher, auch eine mögliche Romanze zwischen Bud und der Journalistin Kate (Paula Patton) wird ganz zart angedeutet. Frei von Klischees und kitschigen Momenten ist der Film definitiv nicht, doch bleibt dies in einem Rahmen, der den Gesamteindruck kaum trübt. In der Tat spricht dieser Film auch einige Missstände in den USA, wie Armut und mangelnden Krankenversicherungsschutz an, so dass man sicher nicht mit amerikanischem Pathos erschlagen wird.

Fazit

"Swing Vote" ist eine sehr unterhaltsame Politkomödie, die Komik und Tragik vereint und nur wenige Schwachpunkte aufzuweisen hat.

Maret Hosemann - myFanbase
02.06.2009

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